Schlag gegen Kinderporno-Szene: Österreicher bot eigene Kinder im Internet zum Missbrauch an

Die Ermittler sprengten einen Kinderpornoring.
Die Ermittler sprengten einen Kinderpornoring.

07. Juli 2017 - 14:17 Uhr

Weltweit bisher 14 Tatverdächtige identifiziert

Nach dem Schlag gegen die internationale Kinderporno-Szene haben Experten des BKA und der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt Einzelheiten zu den Ermittlungen und Festnahmen erläutert. Zwölf der weltweit bisher 14 identifizierten Tatverdächtigen wird der sexuelle Missbrauch von Kindern vorgeworfen. Die meisten Beschuldigten stammen aus Deutschland und Österreich. Ein Österreicher soll auf der Plattform seine eigenen Kinder zum sexuellen Missbrauch angeboten haben.

Bilder und Videos "von schwerstem sexuellen Missbrauch“

Die Ermittler haben eine Kinderporno-Plattform mit mehr als 87.000 Mitgliedern abgeschaltet und mehrere Verdächtige vor allem in Deutschland und Österreich festgenommen. Auf der Plattform mit der Bezeichnung 'ELYSIUM' wurden Bilder und Videos "von schwerstem sexuellen Missbrauch ausgetauscht", sagte Georg Ungefug, Pressesprecher der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main. Außerdem haben auf dem Forum Verabredungen zum sexuellen Missbrauch von Kindern stattgefunden. Zu den 29 identifizierten Opfern gehören Kinder im Alter von zwei bis acht Jahren.

Der Hauptbeschuldigte ist ein 39-jähriger Mann aus dem hessischen Landkreis Limburg-Weilburg. Er soll seit November 2016 als Administrator den Betrieb der kinderpornographischen Plattform übernommen haben und war für die Bereitstellung der technischen Infrastruktur verantwortlich. Ob auch er aktiv Kinder missbraucht hat, darüber liegen aktuell keine Erkenntnisse vor.

Österreicher bietet eigene Kinder zum sexuellen Missbrauch an

ARCHIV - ILLUSTRATION: Eine Frau sitzt am 19.05.2017 in Köln (Nordrhein-Westfalen) vor einem Laptop und blickt auf den Binärcode. (zu dpa «Ermittler schalten Kinderporno-Plattform ab - rund 87 000 Mitglieder» vom 06.07.2017) Foto: Oliver Berg/dpa +++
Cybercrime
© dpa, Oliver Berg, obe zk sja rho

Bei einem weiteren Beschuldigten handelt es sich um einen 61-Jährigen aus dem Landkreis Landsberg am Lech in Bayern. Er war als Grafiker an der Plattform beteiligt. Ihm wird vorgeworfen, kinderpornographisches Material hergestellt und verbreitet zu haben, außerdem soll er in drei Fällen Kinder im Alter von fünf und sieben Jahren schwer sexuell missbraucht zu haben.

Bei den Opfern handelt es sich um Kinder eines österreichischen Forenmitglieds. Dieser 28-Jährige Österreicher steht somit nicht nur in Tatverdacht, kinderpornographisches Material verbreitet zu haben. Er soll auch seine eigenen Kinder im Internet zum sexuellen Missbrauch angeboten haben. Darüber hinaus soll er seine Kinder auch selbst über Jahre hinweg sexuell missbraucht haben.

Ein weiterer Beschuldigter ist ein 56-Jähriger aus Baden-Württemberg. Er soll die kinderpornographische Plattform als sogenannter Moderator betreut haben und war für die Eröffnung von Chats verantwortlich. Auch er steht wegen des dringenden Tatverdachts der Verbreitung von kinderpornographischen Materials in Untersuchungshaft.

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Darknet erschwert Ermittlungen

Gegen weitere Mitglieder der kinderpornographischen Plattform laufen derzeit noch internationale Ermittlungen. Aufgrund der europaweiten Dimension, werden diese von der europäischen Polizeibehörde Europol unterstützt.

Da sich die Plattform 'ELYSIUM' im Darknet befand, seien die Ermittlungsarbeiten kompliziert und sehr aufwendig, berichtet Georg Ungefug. Dass sich die kinderpornographische Szene seit mehreren Jahren zunehmend ins Darknet verlängert überrascht daher nicht, denn das Darknet ermöglicht eine komplette Anonymisierung seiner User. "Es gibt keine Erfolgsgarantie beim Darknet" ergänzte Ungefug, vielmehr würde es sich um "Puzzlearbeit" handeln. Die Plattform  'ELYSIUM' bestand seit Ende des Jahres 2016 – ihr Betrieb wurde maßgeblich in Deutschland entwickelt.