Schlaflose Nächte für Europäer wegen der Frankreich-Wahl: Droht nun der 'Frexit'?

Von Cosima Gill

In der heißen Phase des französischen Präsidentschaftswahlkampfes wird auch die Rolle Frankreichs in der EU diskutiert. Die Kandidaten haben ganz unterschiedliche Vorstellungen.

Euro aufgeben, Schengen verlassen

National Front (FN) Leader Marine Le Pen holds a campaign rally in Paris, France.
Marine Le Pen.
Lionel Urman

Jubel bei Marine Le Pen, als sie im Juni 2016 das Ergebnis der Brexit Abstimmung erfuhr. Die Kandidatin des rechtspopulistischen Front National wünscht sich eine ähnliche Zukunft für Frankreich. Sollte sie gewählt werden, plant sie, mit der EU zu verhandeln, um mehr Souveränität für Frankreich zurückzugewinnen. Anschließend dürften die Franzosen selber über einen möglichen Frexit entscheiden. Le Pen plant ihre Empfehlung über den Verbleib in der EU vom Verhandlungsergebnis in Brüssel abhängig zu machen. Außerdem möchte Le Pen den Euro aufgeben und auch das Schengen-Abkommen verlassen. Radikale Pläne, die im französischen Wahlkampf nicht nur aus dem rechten Lager kommen.

Radikale Kandidaten kritisieren EU

Jean-Luc Melenchon, candidate of the French far-left Parti de Gauche and candidate for the French 2017 presidential election, delivers a speech to supporters on a barge during a cruise on the Canal Saint-Martin as part of his campaign in Paris, Franc
Jean-Luc Melenchon.
SAA/, REUTERS, POOL

Auch Jean-Luc Mélenchon, der für seine eigene Partei 'La France insoumise' (auf Deutsch 'Das aufständische Frankreich') antritt, sagt: "Entweder verändern wir die Europäische Union oder wir verlassen sie." Die negative Haltung gegenüber der EU teilen rechte und linke Populisten. Marine Le Pen gilt seit Monaten für die Stichwahl am 7. Mai als gesetzt, wenn sich die bisherigen Umfragen bewahrheiten sollten. Der linksradikale Kandidat Mélenchon konnte in den letzten Wochen aufholen und lag eine Woche vor dem ersten Wahlgang sogar bei rund 19 Prozent. Prognosen, die bei europäischen Politikern so manch schlaflose Nacht verursachen könnten.

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Oder doch mehr Europa?

People attend a rally by French Presidential candidate Emmanuel Macron at Bercy Arena in Paris, France.
Emmanuel Macron.
Lionel Urman

Hoffnung gibt Europa-Freunden hingegen Emmanuel Macron, der für seine Bewegung 'En Marche!' (auf Deutsch 'Vorwärts!') kandidiert. Im Wahlkampf wirbt der sozialliberale Kandidat für mehr Offenheit und Zusammenarbeit in Europa und für eine starke deutsch-französische Freundschaft, die auch die EU festigen soll. Auch der Kandidat der Konservativen, François Fillon, sieht Frankreichs Zukunft innerhalb der Europäischen Union. Er befürwortet eine enge europäische Zusammenarbeit, insbesondere im Bereich Verteidigung, und möchte gleichzeitlich die Souveränität Frankreichs wahren.

Abstimmung über die Zukunft Europas

Francois Fillon, former French Prime Minister, member of the Republicans political party and 2017 French presidential election candidate of the French centre-right, reacts as he attends a political campaign rally in Nice, France, April 17, 2017. REUT
Francois Fillon.
JS/, REUTERS, ERIC GAILLARD

Wie es mit Frankreich und der EU weitergehen soll, ist ein großes Thema im Präsidentschaftswahlkampf 2017. Laut der französischen Zeitung Le Monde wollen zwei von drei Wählern den Euro behalten und eine Mehrheit sieht einen Austritt aus der EU eher skeptisch. Dennoch sind viele Wähler weiterhin unentschieden, für welchen Kandidaten sie sich letztendlich entscheiden. Als Favoriten werden weiterhin Le Pen und Macron gehandelt.

Sollten beide in der Stichwahl am 7. Mai gegeneinander antreten, müssen sich die Franzosen mit folgenden Fragen auseinandersetzen: Europa oder Nationalstaat Frankreich? Abschottung oder Öffnung? Protektionismus oder Globalisierung? Letztendlich geht es bei diesen zentralen Fragen darum, wie Frankreichs Zusammenarbeit mit Europa aussehen wird und damit um die Existenz der EU selbst, denn ohne das Gründungsmitglied Frankreich wäre die Zukunft der Europäischen Union wohl selbst ungewiss.

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In ihrem Blog cavalafrance.com sowie unter #cavalafrance bei Twitter berichtet unsere Autorin Cosima Gil gemeinsam mit ihrer niederländischen Kollegin Lisa Dupuy von der Wahl in Frankreich. Bilder und Videos finden Sie zudem auf der RTL-Aktuell-Instagram-Seite.