Schläge und Gehirnwäsche - Sklavinnen von London mussten leiden

25. November 2013 - 19:26 Uhr

Vorwürfe aufrecht erhalten - tatverdächtiges Ehepaar trotzdem frei

Ein unfassbares Verbrechen schockiert England und langsam wird das ganze Ausmaß des Grauens bekannt. Die aus Sklaverei befreiten Frauen in London haben nach Darstellung der Polizei während ihres jahrzehntelangen Leids unter großem psychischen Druck gestanden. Die drei seien geschlagen worden, vor allem aber einer Art "Gehirnwäsche" ausgesetzt gewesen, teilte Scotland Yard mit.

Schläge und Gehirnwäsche - Sklavinnen von London litten sehr
'Scotland Yard' hat das der Sklaverei verdächtige Paar überraschend auf Kaution freigelassen.
© dpa, Facundo Arrizabalaga

Umso erstaunlicher ist es, dass die beiden mutmaßlichen Täter nach nur einem Tag in Haft bereits wieder auf freiem Fuß sind – obwohl die Vorwürfe weiterhin aufrecht erhalten bleiben. Das Ehepaar - beide 67 Jahre alt – war unter dem Verdacht festgenommen worden, die Frauen im Alter von 30, 57 und 69 Jahren, etwa drei Jahrzehnte gegen deren Willen im Stadtteil Lambeth in Sklaverei gehalten zu haben. Die ausländischen Eheleute seien bereits 1970 einmal festgenommen worden. Man verfolge sie auch wegen Verstößen gegen das Ausländerrecht, so die Behörde.

Nach Angaben der Hilfsorganisation Freedom Charity sind die Opfer traumatisiert, aber in Sicherheit. Die britische Regierung kündigte unterdessen an, härter gegen Menschenhandel vorgehen zu wollen. Die Leiden der Opfer passen nach Angaben von Scotland Yard nicht in das Schema bisher bekannter Fälle von Menschenhandel. "Gehirnwäsche" beschreibe das Geschehen nur unzureichend. "Dies ist ein besonderer Fall", sagte Commander Steve Rodhouse.

Polizei schließt sexuelle Ausbeutung aus

Die drei Opfer aus Großbritannien, Irland und Malaysia wurden während ihrer Gefangenschaft geschlagen. "Wir wissen, dass es physische Gewalt gegeben hat", sagte Detective Inspector Kevin Hyland von der Spezialeinheit gegen Menschenhandel bei Scotland Yard. Sexuelle Ausbeutung habe jedoch keine Rolle gespielt. Sein Kollege Rodhouse sprach von "unsichtbaren Handschellen", die den Frauen angelegt worden seien. "Es ist nicht so offensichtlich brutal wie bei anderen Fällen, in denen Frauen eingesperrt wurden und ihnen nicht erlaubt wurde, das Gebäude zu verlassen", sagte er.

Es handele sich um ein Ausmaß an moderner Sklaverei, wie es der Londoner Polizei nach Angaben von Hyland noch nie untergekommen ist. Die drei Frauen, die laut Hyland wie "Haussklaven oder Zwangsarbeiter" lebten, waren bereits am 25. Oktober befreit worden.

Die Hilfsorganisation Freedom Charity hatte die Aktion in Kooperation mit der Polizei minuziös geplant. Zwei der Frauen - eine 30 Jahre alte Britin und eine 57 Jahre alte Irin - schlichen sich aus dem Haus, ohne dass die Peiniger es mitbekamen. "Sie haben mir die Arme um den Hals geworfen", berichtete Sprecherin Aneeta Prem im Fernsehen. Das dritte Opfer - eine 69-Jährige aus Malaysia – sei wenig später befreit worden. Die Irin hatte die Initiative nach einer Fernsehsendung am 18. Oktober ergriffen und die Hotline der Hilfsorganisation angerufen.

Das jüngste Opfer lebte offenbar bis zu diesem Tag nie in Freiheit - wenngleich die Polizei davon ausgeht, dass es in dem Haus "eine Art kontrollierter Freiheit" gegeben habe. So konnten die mutmaßlichen Haussklaven wohl etwa zum Wäscheaufhängen ins Freie gehen. Die Ermittler wollten sich jedoch nicht darauf festlegen, ob die 30-Jährige bereits in ihrem Gefängnis geboren wurde. Auch auf die Frage, ob die Frauen untereinander verwandt sind, gab es zunächst keine klare Antwort. Eine Verwandtschaft zu ihren Peinigern schloss die Polizei wegen unterschiedlicher Nationalitäten nahezu aus.

Die Frauen sollen während ihrer Gefangenschaft weder Schulbildung noch medizinische Versorgung bekommen haben. Eines der drei Opfer soll einen Schlaganfall gehabt, jedoch keine Medikamente erhalten haben, berichtteten britische Medien.