Mythos Detox-Kur

Schlacke: Was bringt das Entschlacken des Körpers wirklich?

27. April 2020 - 12:49 Uhr

Staut sich in unserem Körper tatsächlich schädliche Schlacke an?

Wer seiner Gesundheit etwas Gutes tun will, versucht mit verschiedenen Detox- und Reinigungskuren seinen Körper von schädlicher Schlacke zu befreien. Was steckt hinter dem Begriff Schlacke und wie schädlich ist sie tatsächlich für unseren Körper? Im Video verraten wir, was Entschlackungskuren wirklich bringen.

Entschlacken: Muss ich Giftstoffe loswerden?

Ein Entschlacken des Körpers hat das Ziel, ihn von angesammelten Giftstoffe zu reinigen. Die Behauptung, unser Körper enthalte schädliche Abbauprodukte, die sogenannte Schlacke, hält sich hartnäckig und so werden immer mehr Reinigungskuren, Detox-Behandlungen und Giftstoff-ausleitende Verfahren angeboten. Reine Geldmacherei?

Einmal grundsanieren, bitte

detox smoothie drinks
Detox Smoothies sind beliebte Produkte, die dabei helfen sollen, die schädliche Schlacke loszuwerden.
© Getty Images/iStockphoto, ivandzyuba

Entgiftungskuren liegen schwer im Trend. Der moderne Mensch von heute ist sich bewusst, dass sein Lebensstil schädliche Rückstände – die Schlacke – in seinem Körper hinterlässt und will diese so umfassend wie möglich aus seinem Körper schwemmen. Ähnlich eben wie mit einem verdreckten Abflussrohr, das mal wieder ordentlich gereinigt werden muss. Klingt logisch, oder?

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Alkohol, Nikotin & Co.: Woher soll die Schlacke stammen?

Diese Schlacke soll sich nicht nur allein durch den Konsum von Nikotin, Alkohol und ungesundem Essen bilden, sondern auch durch Spuren verschiedener Chemikalien aus unserem Umfeld. Um diese abzubauen, verzichten Anhänger spezieller Entschlackungskuren eine Zeit lang auf übersäuernde Lebensmittel, lassen ihren Darm entleeren, sich mit speziellen Massagen und Bädern behandeln, trinken massenweise Detox-Smoothies und Unmengen anderer angeblich heilender Flüssigkeiten – und fühlen sich danach gut und grundsaniert.

Mythos Schlacke: Braucht es die Entgiftungskur?

Wissenschaftlich wurde der Mythos um die Schlacke jedoch schon mehrfach widerlegt. Ernährungsmediziner bezeichnen die Detox-Tipps als Halbwahrheiten. Ein gesunder Körper müsse nicht von vermeintlich giftiger Schlacke befreit werden. Er besitzt ein eigenes Ausscheidungssystem, über das er sich von körperbelastenden Stoffen ganz einfach selber entledigen kann – ohne Smoothie & Co. Dafür sorgt die von der Natur ausgeklügelte Funktionsweise und Zusammenarbeit von Nieren, Leber und Verdauungstrakt. Auch ohne großartige Entgiftungskur kann man die körpereigene Entgiftung aber sinnvoll fördern.

Entschlacken mit Massage

Masseuse pouring honey on woman's back
Detox-Massagen sollen nicht nur entspannend sein, sondern den Körper auch von Giftstoffen befreien.
© Getty Images/iStockphoto, fotostorm

Alternativ zu einer radikalen Heilfastenkur werden Detox-Massagen angeboten. Sie sollen ebenfalls reinigen, entschlacken und Gifte aus dem Körper schwemmen. Wie genau eine Detox-Massage aussieht, kann sehr unterschiedlich sein.

In der Regel besteht sie aus einer speziellen Massagetechnik, die den Lymphfluss anregt, indem sie durch den Haut-Organreflex gezielt Organe anspricht und deren Aktivität verbessert. Zudem kann Sie ein anfängliches Peeling enthalten, das Hautschuppen löst, ebenfalls das Lymphsystem anregt und die Durchblutung fördert. Mit selbigem Ziel setzen manche Gesundheits-Resorts beim Schröpfen zusätzlich Saugglocken an Rücken oder Bauch, was jedoch nicht jeder als angenehm empfindet und zu leichten Blutergüssen führen kann.

Darm entschlacken: Macht die Entschlackungskur Sinn?

Dass der Darm wie ein mit Schlacke verklebtes Abfluss- oder Ofenrohr angesehen werden kann, ist medizinisch gesehen ebenfalls Unsinn. Der Darm ist nicht starr, sondern ein Muskel, der durch ständige Bewegung die Nahrung hindurchschiebt. Da bleibt nichts daran hängen – dafür sorgen zusätzlich auch noch die Schleimhäute. Eine Darmsanierung kann jedoch trotzdem sinnvoll sein, um den Verdauungstrakt zu entgiften.

Zum Abbau von Schlacke wurden Nahrungsergänzungsmittel, spezielle Getränke, ja selbst Shampoos und Duschgels auf den Markt gebracht. Nach Untersuchungen der gemeinnützigen Stiftung "Sense about Science" sind diese Produkte jedoch alle wirkungslos – dafür aber auch nicht schädlich. Ein Entschlackungsbad kann zum Beispiel sehr entspannend sein.

Gesundheitliche Risiken beim Entschlacken?

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) kritisiert die reinigende Wirkung, die angeblich beim Entschlacken entsteht, scharf: "In einem gesunden menschlichen Körper gibt es keine Ansammlung von Schlacken und Ablagerung von Stoffwechselprodukten. Nicht verwertbare Stoffe werden über den Darm und die Nieren ausgeschieden."

Wo nichts ist, kann auch nichts entschlackt werden: Eine echte Wirksamkeit der Entschlackungskuren sei nicht gegeben und lasse sich wissenschaftlich auch nicht nachweisen, so Experten.

Manche Ernährungswissenschaftler warnen sogar vor schädlichen Folgen der Entgiftungskuren. Zu extremes Fasten können zu Nierensteinen, Kreislauf- oder auch Herzrhythmusstörungen führen. Auch warnt die DGE davor, dass die Wirkung von Medikamenten beeinflusst werden kann und rät dazu, Fastenkuren – wenn überhaupt – nur unter ärztlicher Aufsicht zu durchzuführen.