Schlacht um neue Spitze: Bricht die Linke auseinander?

Unklar ist, ob die Vize-Parteivorsitzende Sahra Wagenknecht ihren Hut noch kurzfristig in den Ring wirft.
© dpa, Bernd Von Jutrczenka

02. Juni 2012 - 15:17 Uhr

Entscheidung über Zukunftsfähigkeit der Linken

Nach einem wochenlangen Machtkampf will die Linke heute eine neue Doppelspitze wählen. Der Parteitag in Göttingen entscheidet dabei aber nicht nur über eine neue Führung, sondern auch über die Zukunftsfähigkeit der erst fünf Jahre alten Partei. Für die beiden Posten bewerben sich zehn Kandidaten. Sechs von ihnen haben Chancen. Der Ausgang gilt als völlig offen. Dem Führungsduo muss mindestens eine Frau angehören.

Der Ex-Parteichef Oskar Lafontaine hat sich bereits in der vergangenen Woche aus dem Machtkampf zurückgezogen. Als Ersatzkandidat für ihn schickt das linke und überwiegend westdeutsche Lager den baden-württembergischen Landeschef Bernd Riexinger ins Rennen. Der 56-Jährige muss es vor allem mit dem 54-jährigen Bundestagsfraktionsvize Dietmar Bartsch aufnehmen, der die ostdeutschen Reformer hinter sich hat.

Zum Lafontaine-Lager zählt auch die sächsische Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann, auf Bartschs Seite wird die Hamburger Fraktionschefin Dora Heyenn eingeordnet. Als Alternative zwischen den beiden Flügeln stellen sich Parteivize Katja Kipping und die nordrhein-westfälische Landeschefin Katharina Schwabedissen zur Wahl. Sie stünden mit ihren 34 und 39 Jahren für einen klaren Generationswechsel.

Letzte Hoffnung Wagenknecht?

Unklar ist, ob die Vize-Parteivorsitzende und Lebensgefährtin Lafontaines, Sahra Wagenknecht, ihren Hut noch kurzfristig in den Ring wirft. Am Vorabend des Parteitags bezeichnete sie einen solchen Schritt als "Notvariante". "Es ist nicht mein Ziel anzutreten. Ich sehe meine Stärken woanders." Wagenknecht unterstützt eigentlich Riexinger und wünscht sich eine Doppelspitze des Gewerkschafters mit Kipping. Es wird aber erwartet, dass sie gegen Bartsch antreten würde, wenn sich abzeichnet, dass dieser eine Mehrheit bekommen könnte.

Bartsch sieht die Linke trotz der heftigen Flügelkämpfe nicht vor einer Zerreißprobe. "Es droht keine Spaltung", sagte er der 'Passauer Neuen Presse'. "Wir sind alle gefordert, dass der Parteitag zu einem Aufbruchsignal für die Linke wird. Welche Führung auch immer gewählt wird: Sie steht vor einer gewaltigen Integrationsaufgabe."

Die dem Lafontaine-Lager zugerechnete Zimmermann machte in erster Linie die ostdeutschen Verbände für den Niedergang der Linken verantwortlich. Ihre Partei drohe unterzugehen. "So weit haben es die Funktionäre aus den Ost-Landesverbänden bereits kommen lassen. Eine Schande", sagte Zimmermann der 'Leipziger Volkszeitung'. Zugleich warnte sie vor Regierungsbeteiligungen auch in den Ländern - die in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg hätten der Partei geschadet.