Penisfoto seines Freundes war der einzige Ausweg

Schikane an der Grenze: Mann muss intimes Bild zeigen, damit er nach Deutschland darf

Ein Mann soll bei der Einreise am Grenzübergang Kreuzlingen bei Konstanz „schikaniert“ worden sein. (Symbolfoto)
© dpa, Patrick Seeger

15. Januar 2021 - 14:52 Uhr

Beschwerde bei deutschen Behörden

Schwere Vorwürfe gegen einen Zollbeamten im badischen Konstanz. Er soll einen Mann beim Grenzübertritt dazu genötigt haben, ihm intime Fotos mit seinem Freund zu zeigen. Andernfalls werde er ihn nicht nach Deutschland einreisen lassen. Das berichtet das Schweizer Portal "20min.ch."

Diskriminiert, weil er homosexuell ist?

Dem Bericht zufolge wollte ein Mann albanischer Herkunft seinen Freund, mit dem er eine homosexuelle Beziehung hat, in Deutschland besuchen. Das habe er schon häufiger getan, nie habe es Probleme gegeben. Bis zum vergangenen Samstag. Da sei er bei der Einreise am Grenzübergang Kreuzlingen bei Konstanz "schikaniert" worden. Er stehe "unter Schock" und könne nicht fassen, was ihm widerfahren ist, zitiert die Plattform den Mann.

Einen Grund, ihn nicht über die Grenze zu lassen, habe es nicht gegeben. Der Mann hatte vorschriftsmäßig eine Bescheinigung dabei, die seinen Beziehungsstatus zeigt. Wegen der durch Corona bedingten Beschränkungen ist das derzeit für Ausländer aus Nicht-EU-Staaten nötig. In Behördendeutsch heißt ein solches Schreiben "eine Erklärung beider Partner zur Beziehung (für Besuch) mit den Kontaktdaten beider Partner."

"Ich stand so unter Druck, dass ich keinen anderen Ausweg sah"

Mit dieser Erklärung wollte sich der Zöllner jedoch laut dem Bericht nicht zufriedengeben. Erst habe er den Mann aufgefordert, ihm ein Foto seines Partners zu zeigen. Auf dessen Rückfrage habe er ihn angeschrien. Als Urlaubsfotos und andere unverfängliche Aufnahmen den Zollbeamten immer noch nicht ausreichten, habe sich der Mann derart unter Druck gesetzt gefühlt, dass er ein intimes Foto gezeigt habe.

"Ich stand so unter Druck, dass ich keinen anderen Ausweg sah, als dem Zöllner ein Bild zu zeigen, auf dem mein Gesicht und der Penis meines Freundes darauf zu erkennen ist", zitiert ihn 20min.com. Erst danach habe er passieren dürfen.

Der Mann fühle sich diskriminiert, weil er sich frage, ob ihm diese Behandlung auch widerfahren wäre, wenn er in einer heterosexuellen Beziehung leben würde und eine Frau hätte besuchen wollen. Deswegen habe er sich beim Hauptzollamt Singen über den Vorfall beschwert. Eine Antwort der deutschen Behörde stehe noch aus.