Weil Italien und Malta nicht helfen wollten: Flüchtlingsschiff "Aquarius" wird auf Fahrt nach Spanien vorbereitet

Rettungsschiff "Aquarius"
Rettungsschiff "Aquarius"
© dpa, Lena Klimkeit, lkl jai

12. Juni 2018 - 14:57 Uhr

Schiff "Aquarius" soll im Hafen von Valencia anlegen

Das Rettungsschiff "Aquarius" muss ins weit entfernte Spanien ausweichen: Das Land wird die 629 Flüchtlinge an Bord wie angekündigt im Hafen von Valencia empfangen. Das Schiff darf dort anlegen, "um eine humanitäre Katastrophe zu verhindern", wie die Regierung des sozialistischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez mitteilte. Derzeit verweilt es noch vor den Küsten von Italien und Malta im Mittelmeer. Beide Länder weigerten sich zuvor, das Schiff in ihre Häfen einzulassen. Zwischenzeitlich hatte auch Korsika Hilfe angekündigt

Große Hilfsbereitschaft in Spanien

Für die Flüchtlinge auf der "Aquarius" ist die mehrtägige Fahrt nach Valencia eine Tortur, denn das Wetter wird schlechter und die körperliche Verfassung vieler aufgenommener Menschen verschlechtert sich. Dennoch sollen jetzt alle der 629 Flüchtlinge bis nach Spanien geschifft werden. Zwei italienische Schiffe sollen den Hilfsorganisationen Ärzte ohne Grenzen und SOS Méditerranée zunächst Hunderte Migranten abnehmen und dann die "Aquarius" nach Valencia begleiten.

In Spanien ist die Aufnahmebereitschaft für die Flüchtlinge weitaus größer als in Italien: Schon 200 Gemeinden haben angekündigt, Migranten der "Aquarius" bei sich aufzunehmen. Manuela Carmena, Bürgermeisterin von Madrid, bat Unterkunft für 100 Personen an.

Auch die französische Mittelmeerinsel Korsika hatte Hilfe angeboten. Jean-Baptiste Lemoyne, französischer Staatssekretär beim Minister für Europa und auswärtige Angelegenheiten, sagte jedoch, das Angebot der Regionalregierung habe aufgrund fehlender Absprache mit der Znetralregierung keine Gültigkeit. Die "Aquarius" müsse vielmehr den nächsten sicheren Hafen in Italien oder Malta anlaufen.

Italien drohte mit Hafensperre

Am Wochenende wurden laut der Internationalen Organisation für Migration insgesamt rund 1.420 Flüchtlinge aus dem Meer gerettet. Während ein Teil von der libyschen Küstenwache abgefangen und ein anderer Teil von spanischen Rettungskräften in Sicherheit gebracht wurde, befinden sich 629 Menschen immer noch auf dem Rettungsschiff "Aquarius".

Maltas Regierung hatte betont, man werde das Schiff nicht aufnehmen. Für dieses Vorgehen fand Italien klare Worte. Die italienischen Behörden forderten Malta mehrfach auf, "das erste Mal nach sehr langer Zeit" Verantwortung zu übernehmen und dem Rettungsschiff mit 629 Menschen an Bord Einfahrt zu gewähren. Da Malta sich weigerte, sperrte Italien seinerseits die Häfen für das Rettungsschiff.

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dpa/RTL next