3 Jahre und zwei Monate Haft für Brandstifter aus Zedlitz

Mann zündet Scheune seiner Ex an - vor Gericht überführen ihn die Familienhunde

24. Juni 2020 - 19:26 Uhr

Indizien überführten Täter vorm Amtsgericht Gera

Neun Menschenleben aufs Spiel gesetzt, über 50.000 Euro Sachschaden und eine traumatisierte Familie: Das ist die Bilanz der Rache-Aktion, für die Rainer A. aus Zedlitz in Thüringen nun zu drei Jahren und zwei Monaten Haft verurteilt wurde. Er zündete Anfang des Jahres eine Gartenhütte und einen Partyraum beim Vierseitenhof seiner Schwiegermutter an – nur durch großes Glück wurde niemand verletzt. Er selbst streitet die Tat bis heute ab. Doch aufgrund von Indizien sah das Amtsgericht Gera seine Schuld als erwiesen an: Ausgerechnet die Hunde der Familie wurden im Prozess quasi zu Kronzeugen.

Albträume und schlaflose Nächte: Familie leidet unter den Folgen der Tat

Silvia Fricke, Besitzerin des Hofes und Schwiegermutter des Angeklagten, kann ihre Wut auf ihn kaum in Worte fassen. Die Versicherung zahlt den Großteil des Schadens nicht, weil der Umbau zum Partykeller nicht angemeldet war – doch das ist das geringste Problem. Im RTL-Interview erklärt sie, dass ihre Familie immer noch unter den Folgen der Tat leidet. Wieso sie ihrer Dogge Forster besonders dankbar ist und warum Rainer A. mit dem Feuer nicht nur Gegenstände, sondern auch Erinnerungen ausgelöscht hat, erzählt sie im Video oben.

Ihre Kinder wachten nachts teilweise schreiend auf, könnten alleine kaum einschlafen, sagt Silvia Fricke. Und auch ihre älteste Tochter, Noch-Ehefrau von Rainer A., ist schwer traumatisiert – schließlich setzte ihr Ehemann das Leben ihrer gesamten Familie aufs Spiel.

Rainer A. nahm den Tod von neun Menschen in Kauf

1,93 Promille hatte der 49-Jährige intus, als er im Januar zum Hof seiner Ex-Schwiegermutter fuhr und die Gartenlaube sowie eine zum Partyraum ausgebaute Scheune in Brand steckte. Wenige Monate zuvor hatten sich seine Ehefrau und er nach zehn Jahren Beziehung getrennt. Seitdem soll er sie terrorisiert haben – zum Schluss ging er dann so weit, das Leben seiner Ehefrau, seiner eigenen Kinder und deren Familie aufs Spiel zu setzen.

Rainer A. parkte sein Auto laut des Gerichts vor dem Hoftor, ging zur Scheune und brach dort zwei Türen auf – um dann die gemeinsamen Möbel in Brand zu stecken. Im Gebäude wurde auch Heu gelagert, schnell brannte es lichterloh. Rainer A.s Ehefrau, deren Mutter, Geschwister und Kinder schleifen im Hauptgebäude, ahnten nichts von der drohenden Katastrophe. Was passiert wäre, wenn keiner den Brand bemerkt hätte – kaum auszumalen.

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Hunde bellten in der Brandnacht nicht - also kam ein Fremder nicht als Täter infrage

Im Prozess behauptet der 49-Jährige, er sei zur Tatzeit nie vor Ort gewesen. Doch die Indizien sprechen gegen ihn: Keiner der Hunde der Familie schlug in der Tatnacht an – bei jedem Fremden auf dem Gelände fangen die Tiere allerdings normalerweise an zu bellen. Für das Gericht ein Beweis dafür, dass es sich bei dem Brandstifter um Rainer A. handeln muss. Eine fremden Täter schließt das Gericht aus. Weitere Indizien, die gegen ihn sprechen: Nachdem die Familie sich vor den Flammen nach draußen rettet und die Feuerwehr verständigt ist, sehen sie seine Silhouette, die vom Tatort flieht. Nachbarn erkennen außerdem sein Auto vor dem Hof. Später stellt sich auch heraus, dass sein Handy in der Funkzelle im Bereich des Hofes eingeloggt war. "Ihre Tat war wahnsinnig gefährlich", sagte der Richter in seinem Schlusswort, "zum Glück ist ein Nachbar mit dem Hund spazieren gegangen und sah das Feuer. Wenn es blöd ausgegangen wäre, hätten wir 9 Leichen."

Urteil am Amtsgericht Gera: Drei Jahre und zwei Monate Haft für Brandstiftung

Weil er zur Tatzeit stark betrunken war, sah das Gericht ihn allerdings als vermindert schuldfähig an. Nun muss Rainer A. für die Brandstiftung drei Jahre und zwei Monate hinter Gittern verbringen. Seine Noch-Ehefrau und seine Kinder werden mit den Folgen der Tat jedoch sicher noch länger zu kämpfen haben.