Schettinos Ehefrau: "Mein Mann ist kein Monster"

13. Januar 2013 - 9:36 Uhr

Jetzt spricht Schettinos Frau

Zwölf Tage sind seit dem Unglück des Kreuzfahrtschiffs Costa Concordia vergangen. Im Mittelpunkt der Katastrophe steht vor allem Kapitän Francesco Schettino. Nun meldet sich erstmals seine Ehefrau Fabiola Russo zu Wort. Sie beklagt in einem Interview die "Hetzjagd" auf ihren Mann. "Ich kann mich an keine Luftfahrt- oder Schiffskatastrophe erinnern, bei der der Verantwortliche mit solch einer Wucht angegriffen worden wäre", sagte Fabiola Russo dem französischen Magazin 'Paris Match'.

Fabiola Russo: "Mein Mann ist kein Monster"
Die Ehefrau von Kapitän Schettino nimmt ihren Mann in Schutz.
© REUTERS, © STRINGER Italy / Reuters

Gleichzeitig nimmt sie ihren Mann in Schutz. "Man sucht einen Schuldigen, einen Sündenbock. Aber er ist kein Monster." Außerdem sei er auch ein guter Kapitän, der seinen Job liebt. "Er hat sich nie damit begnügt, zu steuern. Deshalb war er für die Besatzung immer eine Anlaufstelle, ein Lehrer", so die Frau des Kapitäns in der italienischen Wochenzeitung 'Oggi'

Auch die Vorwürfe, Schettino sei nicht ordentlich ausgebildet worden, versucht seine Frau zu entkräften: "Er versteht sein Handwerk, aber auch jemand, der sein Handwerk versteht, kann sich irren, vorausgesetzt er hat sich geirrt."

Krisenstab: Überlebende zu finden wäre ein Wunder

Die Suche nach Vermissten im Wrack geht unterdessen nach einer Unterbrechung wegen schlechten Wetters weiter. Marine-Taucher sprengten sich am Morgen einen noch größeren Zugang zu dem dritten Deck des havarierten Schiffes frei, berichtete die italienische Nachrichtenagentur Ansa. Sie wollten auch einige Hindernisse auf dem Schiff aus dem Weg räumen, um die Suche fortzusetzen.

Starker Wind und der Seegang an der toskanischen Insel Giglio gefährdeten die Sicherheit der Einsatzkräfte, hatte der Einsatzleiter die Unterbrechung der Suche am Vorabend begründet. Auch heute ließen es die Wetterbedingungen zunächst nicht zu, an Bord zu arbeiten, die Taucher konnten erst später wieder aktiv werden.

In dem Wrack noch Überlebende zu finden, käme nach Einschätzung des Krisenstableiters Franco Gabrielli einem Wunder gleich. Gabrielli verwies auf die Zeit, die seit der Havarie am 13. Januar vergangen ist, und auf den Umstand, dass das Kreuzfahrtschiff gekentert und teilweise voll Wasser gelaufen ist. "Wir machen aber weiter damit, das Schiff zu inspizieren", fügte er an.

Auf der Suche nach den noch mehr als 20 Vermissten hatten Taucher am Dienstag eine tote Frau gefunden. Damit stieg die Zahl der geborgenen Opfer der Havarie auf 16. 23 Menschen gelten noch immer als vermisst. Von den Toten wurden bisher nur neun identifiziert. Unter den Opfern ist nach Angaben der Carabinieri ein Mann aus Deutschland - laut Auswärtigem Amt gelten aber weiterhin zwölf Deutsche als verschollen.

Auf Giglio laufen zurzeit die Vorbereitungen für das Abpumpen des Öls aus der Costa Concordia. Die Bergung des giftigen Schweröls aus den Tanks der Costa Concordia kann voraussichtlich nicht vor Samstag beginnen. Danach dürfte es rund vier Wochen dauern, bis die etwa 2.300 Tonnen Treibstoff, überwiegend Schweröl, aus den 17 Tanks entsorgt sind. Mit dem Beginn der Aktion soll rund um die Uhr gepumpt werden.

"Das Wetter ist immer ein unvorhersehbarer Faktor, aber Samstag ist realistisch", sagte ein Sprecher der mit dem Abpumpen beauftragten niederländischen Bergungsfirma Smit. In diesen Tagen würden die 17 Tanks der Costa Concordia genau inspiziert und markiert, um dann mit dem Bohren von Löchern im Schiff und dem Abpumpen des Schweröls beginnen zu können, erläuterte Schuttevaer.

Der schwer beschuldigte und unter Hausarrest stehende Kapitän des Unglücksschiffes, Francesco Schettino, sorgt unterdessen für neue Schlagzeilen. Von einem Carabinieri-Posten nach der Havarie abgehörte Telefonate des 52-jährigen Kapitäns mit Freunden scheinen Schettino zu belasten und seinen Aussagen im Verhör zu widersprechen. "Als ich gesehen habe, dass sich das Schiff neigte, habe ich mich heruntergestürzt", gibt die Turiner 'La Stampa' Teile des Gesprächs wieder.

Damit verrate sich Schettino, schreibt das Blatt, weil er bei seiner offiziellen Vernehmung ausgesagt hatte, er sei zufälligerweise von dem Schiff in ein Rettungsboot gefallen. Das war noch während der Evakuierung. Die Gespräche wurden in einer Carabinieri-Kaserne von Orbetello abgehört, in der er sich nach der Havarie kurz aufhielt.

Laut 'La Repubblica' sagte Schettino am Telefon auch, die Verbeugung genannte nähere Route an die Insel Giglio heran habe ein 'Manager' nachdrücklich von ihm verlangt. Unklar ist, um wen es sich handelt. Schettino hatte die Reederei Costa Crociere bereits vorher beschuldigt, ein riskantes Heranfahren aus Werbezwecken gefordert zu haben. Sein Anwalt hat inzwischen beantragt, den Hausarrest gegen seinen Mandanten aufzuheben, wie italienische Medien berichteten.