Scheidung jetzt auch auf Malta erlaubt

Auch auf Malta sollen zerrüttete Ehen künftig geschieden werden können.
Auch auf Malta sollen zerrüttete Ehen künftig geschieden werden können.
© Lehtikuva Oy, B1861 Lehtikuva Wennström

09. Februar 2016 - 13:00 Uhr

Historische Entscheidung im EU-Zwergstaat

Ein langer Schlagabtausch zwischen der katholischen Kirche und Befürwortern des Scheidungsrechts hat zu einem historischen Ergebnis auf Malta geführt: Zerrüttete Ehen dürfen künftig geschieden werden.

Mit einer Mehrheit von etwa 53 Prozent votierten die Wähler des EU-Zwergstaates in einem Referendum für ein gesetzliches Scheidungsrecht. Premierminister Lawrence Gonzi bestätigte in Valletta den Sieg der Gegner des bisherigen Scheidungsverbotes.

Bislang war Malta neben den Philippinen das einzige Land weltweit, das die Ehescheidung noch verbietet. In allen anderen EU-Ländern gibt es gesetzliche Scheidungsregelungen. Dass es so lange bis zu einer Entscheidung gedauert hatte, lag vor allem an einer erbitterten Kampagne von Vertretern der Kirche. Sie hatten sich vehement gegen ein maltesisches Scheidungsrecht gestemmt.

Referendum für Rolle der Kirche auf Malta wichtig

Insgesamt hatten dann aber 72 Prozent der Wahlberechtigten des 400.000-Einwohner-Staates für die neue Regelung gestimmt. Das Referendum ist zwar nicht bindend, jedoch gehen Beobachter davon aus, dass das Parlament dem Votum der Malteser folgt. Umfragen vor dem Referendum in dem 316 Quadratkilometer kleinen Inselstaat hatten auf ein knapperes Ergebnis als das jetzt erreichte schließen lassen.

Das Referendum kam dann trotz des Widerstands der Bischöfe und des Regierungschefs Gonzi zustande. Viele Malteser sehen darin mehr als die Scheidungsfrage - es geht auch darum, welche Rolle und welchen Einfluss die Kirche in der Gesellschaft haben soll. 98 Prozent der Malteser sind katholisch.