Schau mir in die Augen - Promis unter Hynose: Hypnotiseur Jan Becker im Interview

JAn Becker versetzt bei "Schau mir in die Augen - Promis unter Hypnose" zehn Stars in Trance.
JAn Becker versetzt bei "Schau mir in die Augen - Promis unter Hypnose" zehn Stars in Trance.
© RTL/Carsten Sander

23. August 2016 - 15:36 Uhr

Jan Becker: "Hypnose ist nicht 100-prozentig erklärbar."

Am 04. Juni 2016 versetzt Jan Becker bei RTL zehn Promis in Hypnose. Im Interview zur neuen Show verrät der Hypnotiseur, worauf es dabei ankommt und was die Zuschauer bei "Schau mir in die Augen - Promis unter Hypnose" erwartet.

Was bedeutet Hypnose?

Jan Becker: "Hypnose ist nicht 100-prozentig erklärbar. Wir können den Zustand aber erleben. Hypnose lässt uns unsere Realität so gestalten, wie wir sie gerne hätten. Der Mensch ist ein Trancewesen, wir gehen ständig in uns hinein, bilden in uns Bilder und machen daraus eine Projektion an die Realität. Das ist der hypnotische Prozess. Was wir auf der Bühne sehen oder was ich bei mir in der Praxis habe, ist ein sehr fokussierter und sehr entspannter Zustand. Immer dann, wenn dein Geist fokussiert ist, das kennen wir vom Vokabellernen, kannst du Dinge neu erfassen oder du veränderst wieder deine Wahrnehmung. Das ist für mich Hypnose."

Wie sind Sie eigentlich zur Hypnose gekommen?

Jan Becker: "Das war sehr kurios. Im Alter von zwölf Jahren habe ich ein Buch bekommen. In diesem Buch, das 1920 geschrieben wurde, ging es um einfache hypnotische Techniken. Du hast als Kind den Spieltrieb und probierst alles sofort aus. Ob das Cowboy- und Indianerspiele sind, die du vorher im Fernsehen gesehen hast und dann nachspielst oder ähnliches - so habe ich die Hypnose auch nachgespielt und es hat sofort funktioniert. Das fand ich sehr spannend. Mein Vater ist früher durch die ganze Welt gereist und hat mich oft in den Schulferien mitgenommen. Auf diesen Reisen hatte ich die Möglichkeit Menschen kennenzulernen, die sich auch mit diesem Thema beschäftigen. Seien es Heiler, Schamanen oder Psychologen. Die haben mich sehr gut aufgenommen, mir ihre Techniken beigebracht. So kam es, dass ich bereits mit 20, 21 Jahren, die Hypnose als Beruf ausgeübt habe. Das ist einfach so passiert und das war mein Weg in die Hypnose."

Was reizt Sie an der Show "Schau mir in die Augen – Promis unter Hypnose"?

Jan Becker: "Ich finde es total spannend auf unterhaltsame Weise zu zeigen, was unser Kopf damit zu tun hat, wie wir unsere Realität wahrnehmen und dass wir uns oft selbst im Weg stehen. Im Grunde sind es nur unsere Gedanken. Es geht zum Beispiel darum, dass man Bauklötzchen von links nach rechts tragen muss und jeder von uns weiß, dass so ein Bauklötzchen nicht mehr als 5-10 Gramm wiegt. Jetzt kann ich die so suggerieren, dass die Bauklötzchen 150 Kilo wiegen. Dann siehst du einen erwachsenen Mann, der versucht so ein Bauklötzchen von rechts nach links zu tragen, aber er schafft es einfach nicht. Es ist nicht so, dass das Bauklötzchen wirklich 150 Kilo wiegt, aber sobald du dir vorstellst, dass es so schwer wäre, kannst du es nicht mehr tragen. Da ist die große Frage, wie oft stellen wir uns Dinge in unserem Leben vor, die eigentlich nicht tragbar sind und nicht schaffbar erscheinen und wir bremsen uns selbst. Jetzt kann man dafür lehren und das unterrichten, aber ich finde es immer spannender, auf eine unterhaltsame Weise das Wissen weiterzugeben. Das ist es, was mich an dieser Sendung absolut reizt und das macht eine Menge Spaß."

Wie bereiten Sie sich auf die Sendung vor?

Jan Becker: "Im Grunde genommen, ist die Sendung eine Steigerung meiner Liveshows. Insofern bin ich für die Sendung längst trainiert und muss mich nicht viel vorbereiten. Ich brauche eine gewisse Ruhe und Entspannung. Und freue mich einfach. Ich gehe sehr positiv an die Sache heran. Es macht einfach Spaß, mit den Menschen zu spielen, ihnen ein besonderes Erlebnis zu gönnen."

Auf welchen Promi freuen Sie sich besonders? Und warum?

Jan Becker: "Ich mag Joey Heindle sehr gerne. Weil wir bereits Einspieler mit ihm gedreht haben, weiß ich schon in etwa, was kommt. Er hat so eine große Vorstellungskraft und Fantasie, das ist fantastisch. Joey reagiert toll auf die ganzen Suggestionen. Da kann man sich wirklich auf etwas gefasst machen."

Wer, meinen Sie, könnte hypnosetechnisch eine besonders harte Nuss werden?

Jan Becker: "Es gibt nicht wirklich harte Nüsse. Es gibt diesen Moment, wenn jemand keinen Erdbeerkuchen essen möchte, dann isst er eben keinen Erdbeerkuchen. In der Hypnose ist es ähnlich, wenn ich mich nicht auf diesen Prozess einlasse, dann werde ich die Hypnose auch nicht wirklich erleben. Wenn ich im Kino sitze und mich ständig mit meinem Nachbarn unterhalte, erlebe ich den Film auch nicht. Sobald ich aber fokussiert bin, mich auf das einlasse, was passiert und mir die Dinge aktiv vorstelle, dann bin ich in diesem Prozess und dann erlebe ich Hypnose."

Die Kandidaten müssen Ihnen voll vertrauen, um sich auf das Experiment einzulassen. Was tun Sie, damit das passiert?

Jan Becker: Das Vertrauen ist eine ganz wichtige Komponente. Ich werde oft mit Menschen konfrontiert, die sagen 'Ich bin nicht hypnotisierbar, weil ich so schlecht die Kontrolle abgeben kann.' Das ist aber nicht die Kontrolle. Jeder von uns war mal beim Arzt, hat mal ein Medikament genommen, das der Arzt verschrieben hat oder war mal verliebt. Wir können also alle die Kontrolle abgeben. Es geht viel mehr um das Vertrauen. Sobald ich Vertrauen gefasst habe, ist es viel leichter in diesen Prozess reinzukommen. Es ist nichts anderes als eine Freundschaft, die ich aufbaue, und das absolute Wissen derjenigen, die ich hypnotisiere, dass ich kein Schindluder mit ihnen treibe. Dass sie also ein positives besonderes Erlebnis haben."

Bei dieser Show ist alles möglich. Die Kandidaten werden unter Hypnose Spiele spielen und könnten sich dabei ganz schön blamieren. Was machen Sie, wenn einer der Promis völlig die Kontrolle verliert?

Jan Becker: "Sollte es völlig außer Kontrolle geraten und etwas passieren, was ich mir nicht vorstellen kann, was wirklich ganz peinlich wäre, dann würde ich das sofort unterbrechen. Dann passe ich schon auf meine Kandidaten auf. Das Interessante: Wir alle denken uns oft in so peinliche Situationen hinein und wir meinen, das ist das Schlimmste, was passieren kann, aber eigentlich entsteht Comedy. Wenn du lustig sein willst, erzähl mal deinen peinlichsten Moment, den du jemals im Leben erlebt hast und dann wird es sehr lustig. So lange du nicht gegen deine Moral gehst, ist es eben ein Erlebnis, die Hypnose erlebt zu haben. Es ist nicht unsere Intention Menschen vorzuführen, aber ein wunderbar positives Erlebnis für alle Beteiligten."

Können Sie mit dieser Art der Beeinflussung tatsächlich auch heilen?

Jan Becker: "Heilen ist schwierig. Man darf kein Heilversprechen machen, aber es ist die Möglichkeit, jegliche Form des Heilprozesses zu unterstützen. Wir dürfen nicht vergessen, dass unser Körper und Geist miteinander verbunden sind und je positiver wir eingestellt sind, umso schneller ist der Heilprozess. Es gibt mittlerweile wunderbare Untersuchungen, dass Menschen, die vor einer Operation hypnotisiert wurden, eine schnellere Wundheilung haben, weil das Unterbewusstsein nicht mehr auf diesen Schockmoment fokussiert ist, sondern die inneren Heilkräfte aktiviert sind. Und ob es jetzt ist, Nichtraucher zu werden oder ein paar Kilo abzunehmen oder Phobien und Traumata zu lösen - da ist die Hypnose ein wunderbares Mittel für. Es ist immer die Geschichte, die wir über uns selbst erzählen und die können wir in der Hypnose so erzählen, wie wir sie gerne hätten und dadurch verändert sich unsere Realität."

Wo hilft die Hypnose wirklich?

Jan Becker: Hypnose kann alles, was psychosomatisch verankert ist, auflösen. Hypnose hilft bei diesen relativ einfachen Prozessen Nichtraucher zu werden oder abzunehmen. Hypnose hilft dabei, seine Wirklichkeit in die Richtung zu steuern. Wir dürfen nicht vergessen, unsere Wirklichkeit ist zu 90 Prozent der Gedanke, den wir in dem Moment fassen. Meine Gedanken sind keine Fakten. Jeder Mensch kann die gleiche Situation anders wahrnehmen. Ich habe vor kurzem eine Frau ohne Beine kennengelernt. Die hat sie im Alter von acht Jahren, als sie einen kleinen Hund vor einem fahrenden Zug gerettet hat, verloren. Diese Frau war mit eine der glücklichsten Menschen, die ich jemals kennengelernt habe. Sie hatte eine Familie, lebte in ihrem eigenen Häuschen, das sie sich selbst finanziert hat. Hatte einen tollen Beruf, tolle Hobbies, ist auf ihren Händen gelaufen. Wenn die Situation wirklich entscheidend wäre für das Gefühlsleben, das wir haben, würde diese Frau wahrscheinlich nicht mehr leben. Es ist also nicht die Situation, sondern der Gedanke, den du fasst. Auf der anderen Seite hast du jemanden, der hat drei Kilo zu viel auf den Rippen und ist hoch depressiv. Wenn wir das verstehen, genau da setzt die Hypnose ein, um dir dieses Verständnis zu geben und es zum Automatismus werden zu lassen."

Wen würden Sie nicht hypnotisieren?

Jan Becker: "Alle Menschen, die einen psychiatrischen Befund besitzen. Das ist schwierig, weil man da nicht mit verschiedenen Realitäten spielen sollte. Ansonsten ist jeder Mensch hypnotisierbar. Es ist wichtig, zu verstehen, wenn ich wirklich ein medizinisches Problem habe, dass ich mich erst einmal an einen Mediziner wende, bevor ich dann zu einem Hypnotiseur gehe. Und wenn der Arzt sagt, Hypnose könnte dir gut helfen, dann ist das eine wunderbare Sache. Ich bin ein großer Fan von Mehrgleisigkeit. Wir haben diese tolle Schulmedizin, wir haben aber auch andere Methoden, die eine Heilung bringen können oder den Heilprozess fördern können. Wenn man die Möglichkeit hat, vieles verschiedenes auszuprobieren, dann einfach mal ausprobieren."

Wie sieht das bei Kindern aus?

Jan Becker: "Ich sage meinen Teilnehmern immer, dass sie, wenn sie keine ausgebildeten Hypnosetherapeuten oder Ärzte sind, sie erstmal nicht mit Kindern arbeiten sollen, weil Kinder eine so große Fantasie haben. Die sind sowieso ständig in einem Hypnoseprozess. Sie können einen Stock in die Hand nehmen und sagen, dass das ein Schwert ist. Da würde ich erstmal gar nicht groß mit arbeiten."

Haben Sie sich selber auch schon mal hypnotisieren lassen?

Jan Becker: "Ja, ich habe schon mal die Hypnose erlebt, ich gebe Seminare zum Thema Selbsthypnose. Es ist einfacher, als wir uns das vorstellen, weil es nicht so abstrakt ist, wie wir uns das normalerweise denken. Wir kennen die Hypnose immer nur so, dass Menschen irgendwo betäubt rumliegen, in Wirklichkeit bekommst du aber bei einer Hypnose alles um dich herum mit, du bist nur sehr fokussiert und konzentriert. Diesen Zustand kannst du selbst für dich produzieren und damit deine Wirklichkeit verändern.

Wie reagieren Menschen auf Sie, sobald sie erfahren, dass Sie Hypnotiseur sind?

Jan Becker: "Sobald sie es wissen, fällt es ihnen oft schwer mir in die Augen zu schauen. Das fällt mir auf. Die Erwartungshaltung wird dadurch offensichtlich, also was denkt die Person über einen Hypnotiseur und die kennen ja eigentlich nur dieses Klischee, aber die Neugier überwiegt. Das ist eigentlich für mich sehr schön, weil ich dann über die Hypnose erzählen kann."

Bei Hypnose spielt auch der Kontrollverlust eine große Rolle. In welchen Momenten Ihres Lebens haben Sie schon mal die Kontrolle verloren?

Jan Becker: "Ich würde nicht mal sagen, dass es um Kontrollverlust geht, sondern im Gegenteil um Kontrollgewinn. Wenn wir die Hypnose erlebt haben, wissen wir, dass wir der Wirklichkeit nicht ausgeliefert sind, sondern sie selbst gestalten können. Ich verliere eigentlich gerne immer mal wieder die Kontrolle und lasse mich durchs Leben treiben. Es gibt in meinem Leben wenig, bei dem ich sagen würde, dass es immer gleich läuft."

Gibt es einen Menschen, den Sie unbedingt mal hypnotisieren möchten? Wenn ja, wen und warum?

Jan Becker: "Diese Frage habe ich mir noch nie gestellt. Ich finde, jeder Mensch sollte die Hypnose einmal erleben und ich mache da auch keine großen Unterscheidungen. Ich finde es wichtig, dass jeder diesen Prozess einmal erlebt hat und erkennt, was er eigentlich für ein Potenzial in sich trägt. Die Hypnose gibt die Möglichkeit, dieses Potenzial herauszulassen."

"Schau mir in die Augen - Promis unter Hypnose" am 04. Juni um 20.15 Uhr bei RTL.