Schalke trotz tollem Kampf ausgeschieden

Benedikt Höwedes zog im entscheidenden Zweikampf gegen Burak Yilmaz den Kürzeren.
Benedikt Höwedes zog im entscheidenden Zweikampf gegen Burak Yilmaz den Kürzeren.
© dpa, Federico Gambarini

12. März 2013 - 23:36 Uhr

Schalke 04 ist nach einem hochspannenden Achtelfinal-Rückspiel gegen Galatasaray Istanbul aus der Champions League ausgeschieden. Beim 2:3 (Hinspiel: 1:1) gegen die Türken verpasste der Bundesliga-Vierte nach aufopferungsvollem Kampf den Einzug ins Viertelfinale. Besonders die Leichtfertigkeit in der ersten Halbzeit kostete 'Königsblau' das Weiterkommen. Für die Gastgeber trafen Roman Neustädter (17.) und Michel Bastos (62.), für Istanbul waren Hamit Altintop (37.), Burak Yilmaz (42.) und Umut Bulut (90.) erfolgreich.

Schalkes Trainer Jens Keller stellte für den verletzten Klaas-Jan Huntelaar den Finnen Teemu Pukki in der Spitze auf, für den gelbgesperrten Jermaine Jones rückte Marco Höger ins defensive Mittelfeld. Gala-Coach Fatih Terim nahm überraschend Kapitän Sabri Sarioglu aus der Startelf. Für ihn rutschte der international erfahrene Emmanuel Eboue ins Team.

Die Anfangsphase gehörte vor vielen lautstarken türkischen Fans unter den 54.000 Zuschauern den Gästen. Schon nach 5 Minuten gab's den ersten großen Aufreger: Nach einem kapitalen Abspielfehler von Joel Matip landete der Ball über Wesley Sneijder bei Yilmaz - der Stürmer spitzelte das Leder an Sead Kolasinac vorbei und wurde von diesem von den Beinen geholt. Ein klarer Elfmeter! Doch Schiedsrichter Jonas Eriksson aus Schweden ließ weiterlaufen. Didier Drogba zielte in derselben Szene knapp vorbei. Der ivorische Superstar war in dieser Phase bester Spieler auf dem Platz: Eine Minute später dribbelte er sich links vor den Fünfmeterraum und scheiterte mit seinem strammen Schuss erst an Timo Hildebrand. In Minute 13 war auch für Selcuk Inan nach starkem Pass von Drogba beim Schalke-Keeper Endstation.

Aus dem Nichts folgte dann aber die Führung für die 'Knappen': Einen Eckball von Jefferson Farfan köpfte Benedikt Höwedes an den Hinterkopf von Semih Kaya, im völligen Chaos der Galatasaray-Abwehr beförderte Torwart Fernando Muslera den Ball vor die Füße von Neustädter, der aus fünf Metern den Ball mittig ins Netz schoss. Das 1:0 für Schalke - es wirkte wie eine Befreiung. Die Gastgeber probierten es jetzt immer häufiger nach vorn. Einen Konter über Bastos beendete Pukki allerdings mit einem harmlosen Schlenzer in die Arme von Muslera.

Trotzdem: S04 überzeugte spielerisch und setzte immer wieder Nadelstiche nach vorn. Das Problem: Auch Galatasaray kam zu seinen Chancen. Sneijder (35.) schoss mit seiner Direktabnahme knapp rechts vorbei, Altintop machte es zwei Minuten später besser. Der gebürtige Gelsenkirchener zog aus guten 25 Metern einfach mal ab, das Leder knallte vom rechten Innenpfosten direkt ins Schalker Herz.

Kurz vor der Pause brachte sich der Bundesligist praktisch selbst in Rückstand: Marco Höger schoss in der gegnerischen Hälfte mit seiner Grätsche gegen ein Gäste-Bein, von dem aus der Ball direkt in den Lauf von Yilmaz flog. Höwedes lieferte nur Begleitschutz, stimmte sich obendrauf schlecht mit Hildebrand ab, sodass Yilmaz von der Strafraumgrenze über den Keeper hinweg zum 2:1 ins Tor lupfte und damit sein achtes Tor in der laufenden Champions-League-Saison erzielte (42.). S04 musste nun mindestens zwei Tore schießen und wirkte verunsichert. Immerhin erspielten sich die Gastgeber noch eine letzte Chance in Hälfte eins: Bastos scheiterte mit seinem zu unplatzierten Drehschuss aber an Muslera.

Keller ärgerte sich nach dem Spiel: "Jeder hat gemeint, es geht vielleicht mit zehn Prozent weniger. Die Aggressivität, die Konzentration hat gefehlt. Die erste Halbzeit war nicht das, was wir uns vorgenommen haben. Auch das 1:0 hat uns keine Sicherheit gegeben."

Schalke drückt, aber verpasst den Sieg

Didier Drogba
Superstar Didier Drogba bejubelt mit den Gästen den erstmaligen Einzug ins CL-Viertelfinale.
© dpa, Friso Gentsch

In der Pause reagierte Keller, nahm den Torschützen Neustädter raus und brachte den über die Außen offensivstarken Christian Fuchs in die Partie. Der Österreicher rückte links in die Verteidigung, Kolasinac übernahm die Position von Neustädter im defensiven Mittelfeld.

Schalke musste Risiko gehen und fing sich fast das dritte Tor. Altintop spielte schön in die Spitze auf Yilmaz, der direkt draufhielt - Matip fälschte gefährlich ab, doch Hildebrand rettete den Schalkern mit einem Wahnsinnsreflex die Chance aufs Weiterkommen (52.).

Angeführt von einem bärenstark spielenden Julian Draxler drückte Schalke danach auf den Ausgleich. Der 19-Jährige forderte die Bälle und wusste fast immer etwas damit anzufangen. Mehr und mehr kam S04 zu guten Chancen: Zunächst verpasste Pukki mit einem starken Schuss von halbrechts den Ausgleich (55.), dann zirkelte Draxler nach einem Dribbling a la Messi das Leder knapp links am Kasten vorbei (61.). Als Höger den Ball in der 63. Minute an die Latte knallte, schien es, als hätte Schalke den Fußballgott an diesem Abend endgültig nicht auf seiner Seite - doch Farfan machte den Abpraller wieder heiß. Der Peruaner spielte per Außenrist auf Pukki, der wiederum an Muslera scheiterte, doch Uchida legte den erneuten Abpraller mit viel Übersicht in den Lauf von Bastos, der ins leere Tor einschießen konnte.

Die Schalke-Arena kochte nun über, unter den türkischen Fans wurde es allmählich still. Chancen gab es fast im Minutentakt: Sneijder schoss für Galatasaray knapp links vorbei (64.), Draxler knallte den Ball genau auf Muslera, der spektakulär mit einer Faust parierte (66.). Von Istanbul sollte es vorerst die letzte Möglichkeit gewesen sein: Das Spiel ging nur noch in Richtung des Tores von Muslera und das ein oder andere Mal hallte es "Hand" durchs Stadion. Schiedsrichter Eriksson ließ sich von der Unruhe im Stadion jedoch nicht anstecken und leistete sich abgesehen vom nicht gegebenen Elfer für Istanbul in der Anfangsphase eine fehlerfreie Leistung.

Wieder über Draxler kam Schalke fast zum 3:2. Über links kochte der Nationalspieler Gala-Verteidiger Kaya ab, zog bis zur Grundlinie durch, verpasste aber den richtigen Moment des Abspiels - Muslera konnte den Pass in der Mitte gerade noch abfangen (76.). Plötzlich noch einmal Galatasaray. Der eingewechselte Nordin Amrabat war auf links durch, doch wieder reagierte Hildebrand auf der Linie glänzend (84.).

Durch einige Unterbrechungen legte Eriksson noch mal fünf Minuten auf die reguläre Spielzeit drauf. Schalke drückte, Schalke kämpfte, aber eine richtige Chance sprang am Ende nicht heraus. Stattdessen nutzte der eingewechselte Bulut einen Konter zum Siegtreffer für Istanbul (90.).

"Wir haben die erste Halbzeit komplett verschlafen, das war unterirdisch. Wir können uns das selbst nicht erklären, wir hatten eigentlich genug Selbstbewusstsein nach dem Derbysieg. Vielleicht haben wir ein bisschen zu viel Respekt gehabt", so Draxler. "In der zweiten Halbzeit waren wir, denke ich, am Drücker. Wir haben bis zum Schluss an uns geglaubt. Ob es 2:3 oder 2:2 ausgeht, ist am Ende dann auch egal." Höwedes schlug in dieselbe Kerbe wie Mitspieler und Trainer: "Irgendwie hat es in der ersten Hälfte nicht funktioniert. Es waren die Dummheit und die Fehler von uns, die wir gemacht haben."

So endete ein unglaublich spannender Champions-League-Abend mit dem unnötigen Schalker Aus im Achtelfinale. Für Galatasaray ist es der erste Einzug in ein Viertelfinale der 'Königsklasse'. "Schalke hat sich am Anfang etwas zurückgelehnt", freute sich Altintop über den Sieg gegen seine ehemaligen Kollegen: "Wahrscheinlich hatten wir am Ende etwas Glück, aber das nehme ich gerne mit."