Schalke: Es ist noch nicht alles 'königsblau', was glänzt

Joel Matip, Benedikt Höwedes, Roman Neustädter
Der Schalker Defensivverbund um Joel Matip steht noch auf wackeligen Füßen.
dpa, Fredrik von Erichsen

Lust statt Frust: Nach einem völlig verkorksten Saisonstart ist Schalke dank der jüngsten Siegesserie wieder heiß auf die Champions League - doch aus der Aufbruchsstimmung könnte ganz schnell wieder Tristesse werden. Ungeachtet der letzten Erfolge zeigen die 'Knappen' zu viele Schwächen, die in der 'Königsklasse' eiskalt bestraft werden - da hilft auch kein Prince.

Drei Wochen ist es her, da zogen noch ganz dunkle Wolken über das Bergerfeld. Schalke hatte mit einem Punkt aus drei Spielen einen katastrophalen Start in die Spielzeit hingelegt, drohte nach einem peinlichen 1:1 im Playoff-Hinspiel gegen PAOK Saloniki die Champions League zu verpassen. Drei Spiele später, zwei Transfers - und schon strahlt der Himmel über dem Bergerfeld wieder 'königblau'.

Durch Siege gegen Leverkusen und in Mainz sowie die Qualifikation für die Champions League "ist das ganze Umfeld natürlich etwas lockerer und entspannter", berichtet Joel Matip, der den Schalker Aufschwung wie so viele mit einem Namen verbindet: Kevin-Prince Boateng. Die Verpflichtung des zweikampfstarken Offensiv-Allrounders sowie der Transfer von Dennis Aogo "haben der Mannschaft noch einmal viel Qualität und eine gewisse Ausstrahlung gegeben", meint Matip - und liefert damit zweifelsfrei eine messerscharfe Analyse.

Seitdem Boateng das Zepter im Mittelfeld schwingt, stimmt die Körpersprache. Der Nationalspieler Ghanas hat die Mannschaft aus ihrer vorherigen Lethargie gerissen, weiß zudem auch sportlich zu überzeugen. "Mit seinem Tor hat er den Unterschied gemacht", lobte Trainer Jens Keller den Last-Minute-Einkauf nach dem 1:0 in Mainz, wettbewerbsübergreifend der dritte Sieg in Folge. Allerdings: Wie Schalke die Erfolge eingefahren hat, war alles andere als überzeugend.

Draxler sucht noch seine Form

Im Playoff-Rückspiel bei Saloniki duselte sich die Keller-Elf zu einem 3:2, gegen Leverkusen und auch letzten Samstag in Mainz wusste die Mannschaft zwar kämpferisch, keineswegs aber spielerisch zu überzeugen. Das liegt zu einem daran, dass die Laufwege vorne noch nicht passen, zum anderen an den Verletzungen, mit denen sich Schalke rumplagt. Torjäger Klaas-Jan Huntelaar wird für das Spiel gegen Steaua Bukarest nicht rechtzeitig fit, hinten hat Keller die Ausfälle von Kyriakos Papadopoulos, Sead Kolasinac und Christian Fuchs zu beklagen. Auch deshalb steht die Schalker Defensive auf wackeligen Füßen.

Wenngleich die letzten Partien zu null gewonnen wurden, neun Gegentore in fünf Spielen sind für einen Champions-League-Teilnehmer zu viel. Matip und Benedikt Höwedes lassen den gegnerischen Angreifern oft noch zu viel Platz, im Aufbauspiel leisten sich Marco Höger und Roman Neustädter zu viele Fehler und auch Youngster Julian Draxler hat seine tolle Form aus der vergangenen Rückrunde noch nicht abrufen können.

Neben den sportlichen Baustellen gab es zuletzt atmosphärische Spannungen. Nachdem die Club-Führung einen Polizei-Einsatz verurteilt hatte, wollte NRW-Innenminister Ralf Jäger die Beamten ursprünglich aus der Schalker Arena abziehen. Die Diskussion kochte hoch, ebbte nach einer Entschuldigung des Vereins aber genauso ab wie die sportliche Krise, in der Schalke vor kurzem noch gesteckt hatte.

Beides sind allerdings Momentaufnahmen. Die Polizei wird die Entwicklung in der Nord-Kurve genauso kritisch beobachten wie die Fans das Spiel und vor allem die Ergebnisse ihrer Mannschaft. Diese besitzt zweifelsohne die Qualität, die Gruppe mit dem favorisierten FC Chelsea, dem FC Basel und Steaua zu überbestehen, ein Selbstläufer wird das aber nicht. Das weiß auch Matip, der der den Ball trotz der letzten Erfolge flach hält: "Für uns zählt erst einmal nur das Spiel gegen Bukarest. Wir wollen in dieser Partie unsere gute Entwicklung fortsetzen."