Werder schöpft weiter Hoffnung

Schalke auch mit Nübel übel - Bittencourt ballert Bremen wieder zum Sieg

FC Schalke 04 - Werder Bremen
© dpa, Bernd Thissen, cvi

30. Mai 2020 - 18:32 Uhr

Hoffenheimer Wunder-Dreier bei Gelb-Festival in Mainz

Leonardo Bittencourt wird immer mehr zur (Über-)Lebensversicherung von Werder Bremen. Beim wichtigen 1:0-Sieg des Tabellenvorletzten beim FC Schalke 04 am 29. Bundesliga-Spieltag erzielte der Mittelfeldregisseur das (Traum-)Tor des Tages. Da half auch die Rückkehr von Alexander Nübel in den Kasten der Königsblauen nichts. Schon am vorletzten Spieltag hatte Bittencourt das 1:0 in Freiburg verantwortet. Während Werder im Abstiegskampf weiter Hoffnung schöpft, gehen auf Schalke, das als einziges Team seit dem Re-Start alle vier Partien verloren hat, langsam aber sicher alle Europapokal-Lichter aus. Hertha BSC bestätigte mit einem 2:0 gegen den FC Augsburg seinen Aufwärtstrend. Mainz verlor selten unglücklich gegen Hoffenheim, das aufgrund der Wölfe-Pleite gegen Eintracht Frankfurt punktemäßig mit dem Tabellensechsten aus Wolfsburg gleichzog.

FC Schalke 04 gegen SV Werder Bremen: 0:1 (0:1)

Tor: 0:1 Bittencourt (32.)

Eine Überraschung gab es schon vor dem Anpfiff: Die kriselnden Schalker starteten mit Keeper Alexander Nübel in die Partie – nach mehreren Patzern setzte Coach David Wagner Markus Schubert auf die Bank. Der konnte von dort aus beobachten, wie die Anfangsphase klar an die Gäste von der Weser ging. Werder machte mit über 80 Prozent Ballbesitz das Spiel und suchte immer wieder den Weg vors Schalker Tor. Die Königsblauen hingegen leisteten sich Fehlpass um Fehlpass.

In der 32. Minute bekamen die Hausherren die Quittung dafür: Davy Klaassen klaute im Mittelfeld den Ball und leitete damit den Treffer durch Leonardo Bittencourt ein. Ein Traum-Distanzschuss ins linke Eck.

In der zweiten Hälfte gab es dann das umgekehrte Bild: Die Schalker starteten hellwach, zehn Minuten nach der Pause standen gleich drei dicke Chancen auf ihrer Seite. Übermotiviert zeigte sich bloß Weston McKennie – wäre er in der 52. Minute mit Gelb-Rot vom Feld geflogen, hätte er sich nicht beschweren dürfen. Glück für die Schalker, die in der zweiten Hälfte die Partie an sich rissen. Einzig das Tor fehlte.

FSV Mainz 05 – TSG Hoffenheim 0:1 (0:1)

Tor: 0:1 Bebou (43.)

Bes.Vork.: Müller (MAI/27.) hält Foulelfmeter von Zuber

Die Hausherren begannen stark, vor allem Ridley Baku machten ordentlich Dampf. Doch wo Licht, da auch Schatten. Nachdem Christoph Baumgartner, zuletzt Held beim 3:1-Triumph über Köln, in den 16er eingedrungen war, sensten Baku und Alexander Hack den Mittelfeldmann um. Strafstoß. Doch der Schütze: Steven Zuber, ein in dieser Saison noch unbeschriebenes Elfmeter-Blatt. So lag es auf der Hand – nämlich der von Florian Müller, der den schlecht geschossenen Elfer mit seinen Flossen entschärfte.

Mainz machte da weiter, wo es anfangen hatte, erarbeitete sich Chance um Chance – um dann brutal bestraft zu werden. Einen langen Ball von Diadie Samassekou nahm Ihlas Bebou elegant auf, vernaschte die Defensiv-Pechvögel Baku und Hack und lochte nach einer Rekord-Gelb-Schlacht kurz vor der Pause zur denkbar glücklichen Gasteführung ein.

Auch in der 2. Halbzeit blieb Mainz die unangefochtene Domina in der Opel-Arena, doch das Ding wollte einfach beim besten Willen nicht rein. Beim vermeintlichen Ausgleich von Taiwo Awoniyi (60.) war ein Foulspiel von Karim Onisiwo an 1899-Keeper Oliver Baumann vorangegangen. Dass die TSG den Dreier tatsächlich unbeschadet nach Hause brachte, ist eine weitere wundersame Geschichte, die nur der Fußball schreibt.

Hertha – FC Augsburg 2:0 (1:0)

Tore: 1:0 Dilrosun (21.), Piatek (90.+3)

Die Partie der Mittelfeld-Teams war von Beginn an geprägt von vielen Nicklichkeiten. Früh musste Hertha-Torwart Rune Jarstein nach einem Zusammenprall behandelt werden. Die Einschläferungstaktik ging für die Hertha voll auf, nach einem Schuss von Peter Pekarik stand Javairo Dilrosun richtig und nagelte den Ball zur Führung ein. Augsburg war offensiv so gut wie nicht vorhanden und durfte froh sein, dass Routinier Vedad Ibisevic das Tor nicht traf.

FCA-Coach Heiko Herrlich reagierte und schickte Stürmer Florian Niederlechner aufs Feld, der direkt die Hauptstadt-Abwehr in Unordnung stürzte. Verkehrte Welt: Auf einmal rannte Augsburg an und Hertha agierte wir die sprichwörtliche "alte Dame". Die Augsburger Drangphase entpuppte sich allerdings als Strohfeuer. Der eingewechselte Piatek macht den Deckel drauf. So geht Herthas Höhenflug unter Bruno Labbadia weiter.

VfL Wolfsburg – Eintracht Frankfurt 1:2 (0:1)

Tore: 0:1 Silva (27./FE), 1:1 Mbabu (58.), 1:2 Kamada (85.)

​Gelb-Rot: Torro (90.+5/FRA)

Die Partie begann schleppend und mit reichlich Mittelfeld-Gepklänkel. Den Wachmacher besorgte Josip Brekalo (20.), Eintracht-Keeper Kevin Trapp lenkte den scharf geschossenen Ball des Kroaten über die Latte. Kurz darauf umklammerte Marin Pongracic den Frankfurter André Silva im Strafraum – Elfmeter! Der Gefoulte selbst trat an und verwandelte souverän den ersten Torschuss der Gäste. Wolfsburg hatte ein dickes Plus bei den Torschüssen, blieb aber erfolglos.

Nach dem Seitenwechsel kopierten die Wölfe ihr patentiertes Erfolgsrezept vom vergangenen Spieltag: Freistoß von der rechten Seite via Maxi Arnold – Kopfball, Tor! Kevin Mbabu versenkte den Ball, den Trapp nur noch an die Innenseite der Latte lenken konnte. Für Frankfurt ging es in Halbzweit zwei weitgehend in den Rückwärtsgang, der Wolfsburg-Motor lief hingegen hochtourig weiter – jedoch ohne Torerfolg. Stattdessen erlöste Daichi Kamada die SGE und beendete die Sieglos-Serie mit einem strammen Linksschuss kurz vor Schluss.