Anhänger sollen bei Rückerstattung Belege liefern

Schalke-Fans stinksauer wegen Ticket-Schreiben

FC Schalke 04 v Eintracht Frankfurt - Bundesliga
© Bongarts/Getty Images, Bongarts, JPT

03. Juni 2020 - 22:38 Uhr

Wer Geld zurück will, muss Gründe liefern

Wer sein Geld für nicht nutzbare Bundesliga-Tickets zurückfordert, soll dem FC Schalke seine finanzielle Notlage offenlegen. Mit einem entsprechenden Schreiben bringt der klamme Fußballclub seinen Anhang gegen sich auf.

Läuft nicht bei Schalke 04

Neben der sportlichen Tristesse beim FC Schalke - elf Spiele ohne Sieg, Letzter in der Rückrundentabelle - droht dem Revierklub jetzt auch noch Ärger mit dem eigenen Anhang.

Offenbar stößt der Club zahlreichen Fans vor den Kopf: mit einem Schreiben zur Rückerstattung von bereits bezahlten, aber aufgrund der Corona-Pandemie nicht nutzbaren Eintrittskarten. "Ihr fahrt den Verein mit Ansage gegen die Wand. Sportlich. Wirtschaftlich. Es ist zum Fremdschämen", schrieb Raphael Brinkert, lnhaber einer Sportmarketing-Agentur, auf Twitter. Viele Fans machten ihrem Ärger in den sozialen Medien Luft. Was war passiert?

Aufgrund der Geisterspiele mussten alle Fußball-Bundesligisten einen Weg finden, ihre Fans für die gekauften, aber eben nicht einlösbaren Tickets zu entschädigen. Manche überwiesen den Eintrittspreis ohne große bürokratische Hürden zurück, andere ermöglichten Gutschriften für zukünftige Ticketkäufe, auch Gutscheine für den Fanshop waren eine Option.

Der FC Schalke 04 aber entschied sich für die dem Gesetz nach zulässige Variante, wie der "kicker" schreibt, "dass ein Karteninhaber sein Geld vor dem 1. Januar 2022 nur dann verpflichtend zurückbekommt, wenn er dringend darauf angewiesen ist, zum Beispiel aufgrund von Arbeitslosigkeit."

"Warum benötigst du das Geld unbedingt jetzt?"

Wer diese Regelung der sofortigen Auszahlung für sich in Anspruch nehmen möchte, soll den als "Härtefallantrag" gekennzeichneten Bogen ausfüllen. Und die dort formulierte Frage stößt vielen Schalke-Fans sauer auf. Der Verein fragt: "Warum benötigst du das Geld unbedingt jetzt?" Und: "Falls möglich, füge bitte auch entsprechende Belege an". Eine einfache Antwort, dass das Geld eben dringend benötigt werde, scheint nicht auszureichen. Welche Belege - ob Kontoauszüge, Bescheinigungen über die Arbeitslosigkeit oder ähnliches - der Verein wünscht, steht nicht auf dem Antrag.

Anwalt: "Nicht gerade kundenfreundlich"

Der WAZ zufolge ist das Formular rechtlich zulässig. Die Zeitung beruft sich auf Thomas Bradler, Rechtsanwalt bei der Verbraucherzentrale des Landes Nordrhein-Westfalen. Es genüge den Anforderungen der gesetzlichen Gutscheinregelung, allerdings sei die Anforderung von Belegen gleich im Zuge der Antragstellung "nicht gerade kundenfreundlich". Der Verbraucher müsse zwar nachweisen, dass er dringend auf das Geld angewiesen sei, in dieser Form scheint das jedoch unüblich.

Schalke entschuldigt sich

Am Mittwochabend räumte Schalke eigenes Fehlverhalten ein. "In den Anschreiben an Fans und dem darin aufgeführten 'Härtefallantrag' hat Schalke 04 unpersönliche und wenig empathische Formulierungen verwendet – dafür entschuldigen sich der Verein und die Mitarbeiter des Service Centers bei allen Fans in aller Form", heißt es in einer Vereinsmitteilung.

Der Club stellte nun klar, dass es "außer Frage" stehe, "dass Schalke 04 jeden Antrag von Fans, die aus wirtschaftlichen Gründen auf eine sofortige Rückerstattung des Ticketpreises angewiesen sind, wohlwollend bearbeiten wird. Es wird niemand Belege einreichen müssen, und es wird selbstverständlich niemand 'kontrolliert'", bekräftigten die Gelsenkirchener. 

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Quelle: ntv.de