Frau kämpft um ihre Tochter

Erziehung zu "westlich": Saudi-Arabien entzieht US-Mutter Sorgerecht

19. August 2019 - 10:01 Uhr

Erziehung sei nicht gemäß islamischen Werten

Ein Scharia-Gericht in Saudi-Arabien wirft der 32-jährigen Bethany Vierra vor, ihre vierjährige Tochter Zaina zu "westlich" zu erziehen. Deshalb wurde der US-Bürgerin das Sorgerecht für ihr Kind entzogen. Nun hat sie Berufung gegen das Urteil eingereicht, doch es sieht nicht gut aus. Im Video spricht Bethanys Vater Myron.

Vierras Schwiegermutter hat das Sorgerecht bekommen

Die 32-jährige Mutter aus Washington war 2011 nach Saudi-Arabien gezogen, um an einer Universität zu lehren, berichtet der US-Sender CNN. Zwei Jahre später lernte sie ihren Ehemann kennen, einen arabischen Geschäftsmann. Mit ihm bekam sie eine Tochter.

Doch die Ehe ging in die Brüche, 2017 reichte Vierra die Scheidung ein. Ein monatelanger Kampf um das Sorgerecht entbrannte. Obwohl in dem ultra-konservativen Königreich üblicherweise der Mutter das Sorgerecht zugesprochen wird, entschied das Gericht im Juli zu Gunsten des Vaters. Weil Männer jedoch nicht als Erzieher vorgesehen sind, bekam seine Mutter das Sorgerecht.

Kurios: Nach saudi-arabischem Recht bleibt der Mann trotz Scheidung der gesetzliche Vormund für seine Ex-Frau und die Tochter. Deshalb dürfen sie das Land nicht verlassen.

"Für die Mutter ist der Islam neu und sie ist Ausländerin"

Das Scharia-Gericht begründete die Entscheidung damit, dass Vierra das Mädchen zu westlich und nicht gemäß islamischen Werten erziehen würde. "Für die Mutter ist der Islam neu und sie ist Ausländerin. Sie macht sich definitiv noch immer die Sitten und Traditionen ihrer Herkunft zu eigen", schrieb Richter Abdullah ibn Mohammed al-Tuwaijri laut "CNN" in seinem Urteil.

Als Beweis hatte Vierras Ex-Mann unter anderem Bilder aus ihren Social-Media-Accounts angeführt. Darauf war sie in Bikini und Yoga-Hose zu sehen - offensichtlich zu viel für die Saudi-Richter. Außerdem zeigte der Mann auch ein Bild von Vierras Besuch beim "Burning Man"-Festival im US-Bundesstaat Nevada. Dort würden Menschen im Alkohol- und Drogenrausch die ganze Nacht feiern und tanzen, erklären seine Anwälte.

Vierra konterte mit einem Joint-Video

Die 32-Jährige bestreitet die Vorwürfe und konterte vor Gericht mit einem Foto, auf dem zu sehen ist, wie sich ihr Ex einen Joint dreht. Laut Vierras Mutter Kathi habe der Drogenkonsum des Mannes die Beziehung schwer belastet, was letztendlich zur Scheidung führte. Der Mann räumte den Drogenkonsum vor Gericht sogar ein, behauptete aber, seine Ex-Frau habe ihm die Drogen gegeben. Das hatte kaum Auswirkungen auf das Urteil, heißt es.

Bis Sonntag hatte die Amerikanerin Zeit, Einspruch gegen das Sorgerechtsurteil einzulegen. Nun will das Scharia-Gericht erneut darüber entscheiden.