Skepsis gegen neues Führungsduo Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans

Umfragen und Experten: Wenig Vertrauen in neue SPD-Spitze

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6. Dezember 2019 - 11:23 Uhr

SPD hat seit 1998 zwei Drittel ihrer Wähler verloren

Quo vadis, SPD? Die einstige Volkspartei wählt eine neue Parteispitze und ringt um den richtigen Weg in die Zukunft. Weiter in der GroKo, raus aus der GroKo, den Koalitionsvertrag nachverhandeln - viele Forderungen liegen auf dem Tisch. Zuvorderst geht es um die Wahl einer neuen Führung, Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans sollen es werden. Ob das reicht, um eine Aufbruchstimmung zu erzeugen, das bezweifeln die Experten.

"Die ersten Politiker weltweit, die ihre Wahlversprechen schon vor der Wahl gebrochen haben“

Tanit Koch beim Global Media Forum zum Thema 'Shifting Powers' im ehemaligen Plenarsaal des Bundestages im World Conference Center Bonn. Bonn, 27.05.2019
RTL-Chefredakteurin Tanit Koch
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Manfred Güllner, Chef des Meinungsforschungsinstituts  Forsa, glaubt nicht an den von der Partei propagierten "Aufbruch in eine neue Zeit". Er verweist auf einen dramatischen Schwund in der Wählergunst. "Im Vergleich zur Bundestagswahl 1998, als die SPD von 20.2 Mio. Wahlberechtigten gewählt wurde, hat die SPD bis 2019 13.7 Mio. oder zwei Drittel ihrer einstigen Wähler verloren", bilanziert er.

Seine Skepsis teilen laut einer aktuellen Umfrage viele Menschen. So trauen 62 Prozent aller Bundesbürger und auch 53 Prozent der SPD-Wähler Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans nicht zu, die SPD in die verkündete "neue Zeit" zu führen. 70 Prozent derjenigen, die die bisherigen Auftritte von Esken und Walter-Borjans verfolgt haben, fanden beide nicht überzeugend. Dieses Urteil teilen auch 57 Prozent der SPD-Wähler.

Für RTL-Chefredakteurin Tanit Koch sind die neuen Parteichefs "die ersten Politiker weltweit, die ihre Wahlversprechen schon vor der Wahl gebrochen haben." Das sagte Koch im ZDF-Polit-Talk bei Maybrit Illner. Hintergrund sind die mittlerweile relativierten Forderungen nach einem GroKo-Ausstieg oder Nachverhandeln des Koalitionsvertrages.

Für sie sind Walter-Borjans und Esken "Parteivorsitzende von Kevins Gnaden." Zudem äußert Koch in der ZDF-Sendung Zweifel an Walter-Borjans Expertise. Als der ehemalige SPD-Chef Kurt Beck seinen designierten Nachfolger als "exzellenten Finanzfachmann" lobt, erinnert die Journalsitin daran, dass Walter-Borjans als NRW-Finanzminister gleich dreimal einen verfassungswidrigen Haushalt vorgelegt habe.