Sarrazin streicht Buchpassagen

Thilo Sarrazin hat in der neuen Auflage einige Passagen aus seinem Buch 'Deutschland schafft sich ab' gestrichen.
© dpa, Frank Rumpenhorst

25. Februar 2014 - 14:20 Uhr

Sarrazin nimmt Änderungen an seinen Thesen vor

Schafft Sarrazin jetzt sein Buch ab? Der umstrittene frühere Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin hat einige strittige Passagen aus seinem Buch 'Deutschland schafft sich ab' gestrichen.

So nahm Sarrazin einen Satz zu "genetischen Belastungen" von Migranten aus dem Nahen Osten komplett aus der Neufassung des Buches, berichtet die 'Welt am Sonntag'. Sie bezieht sich auf einen Vergleich zwischen den ersten Auflagen des Buchs "Deutschland schafft sich ab" mit der zur Zeit im Buchhandel erhältlichen 14. Auflage.

Ein Unterschied beziehe sich auf Ausführungen über die Gebärfreudigkeit von Muslimen, schreibt die Zeitung. "Demografisch stellt die enorme Fruchtbarkeit der muslimischen Migranten eine Bedrohung für das kulturelle und zivilisatorische Gleichgewicht im alternden Europa dar", zitiert die 'Welt am Sonntag' aus Sarrazins Erstauflage. In der 14. Auflage hingegen habe Sarrazin die Formel "auf lange Sicht" eingefügt.

In seinem besonders umstrittenen Kapitel über Demografie und Bevölkerungspolitik strich Sarrazin der Zeitung zufolge sogar einen kompletten Satz über die genetischen Belastungen bei Migranten aus dem Nahen Osten. Änderungen nahm er auch bei einer Fußnote und den Dankesworten vor. Natürlich hängte der Noch-SPD-Mann diese Änderungen nicht an die große Glocke.

Steinmeier: "Abenteuerliche Interpretationen"

Unterdessen hat Sarrazin den SPD-Ausschlussantrag erhalten. Der Buchautor bestätigte mittlerweile den Eingang des Schreibens. Sarrazin hat nun sechs Wochen Gelegenheit, sich zu äußern. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Frank-Walter Steinmeier warf Sarrazin vor, seine Thesen nicht überdenken zu wollen. Deshalb werde das Verfahren zum Ausschluss Sarrazins aus der SPD seinen Lauf nehmen, sagte Steinmeier der 'Welt am Sonntag'. Er fügte hinzu: "Ich habe nicht das Gefühl, dass eine Diskussion mit ihm noch möglich ist."

Die Debatte über Sarrazins Buch sei ihm in vielerlei Hinsicht ein Rätsel, nicht nur in Bezug auf die "geradezu abenteuerlichen" Interpretationen angeblicher Wissensstände in der Humangenetik. Er habe den Bestseller gelesen, versicherte Steinmeier. "Ich lese vieles, leider auch vieles, was mir nicht gefällt."