Sardinien drohen neue Regenfälle – 2.300 verbringen Nacht in Notunterkünften

13. Mai 2014 - 18:47 Uhr

Letta: "Der Staat tut, was er kann"

Nach den schweren Unwettern auf Sardinien mit 16 Toten mussten viele Menschen Quartier in Turnhallen, Schulen oder bei Freunden beziehen. Rund 2.300 Bewohner der italienischen Insel verloren durch die Fluten mindestens vorübergehend ihre Wohnung. Viele haben bereits die zweite Nacht in einer Notunterkunft hinter sich. Nun warnt der Zivilschutz vor weiteren Regenfällen.

Sardinien Unwetter
Den Menschen auf Sardinien drohen neue Regenfälle.
© dpa, Davide Caglio

Unterdessen suchen Helfer weiter fieberhaft nach einem Vermissten. "Wir arbeiten an der Suche und versuchen denen zu helfen, die ihre Wohnung verloren haben oder die sich in Schwierigkeiten befinden", sagte der Chef des Zivilschutzes, Franco Gabrielli in Medieninterviews. Etwa 400 Leute konnten in ihre Wohnungen zurückkehren. Eine Fährgesellschaft bot Helfern, Betroffenen und Angehörigen kostenlose Tickets für die Überfahrt an.

Sintflutartige Regenfälle hatten auf der Insel mindestens 16 Menschen in den Tod gerissen, unter ihnen auch Kinder. Straßen wurden überschwemmt, Brücken weggerissen, Häuser überflutet. "Ich war mit den Kindern alleine zu Hause. Der Regen wurde immer stärker und plötzlich war da ein anderes Geräusch und die Welle schoss mitten durchs Haus", erzählt Augenzeuge Santino Carta.

Überschwemmungen in Latium, Apulien und Kalabrien

"Der Staat tut, was er kann", sagte Ministerpräsident Enrico Letta bei seiner Ankunft in der am schwersten betroffenen Stadt Olbia im Norden der Insel. Die 20 Millionen Euro an Soforthilfe seien nur ein erster Schritt, um aus der akuten Notsituation herauszukommen. Später werde es um den Wiederaufbau gehen.

In Olbia wurden unterdessen die ersten sechs Todesopfer beigesetzt. Darunter waren ein Vater und sein dreijähriger Sohn, die zusammen in den Fluten gestorben waren. Bürgermeister Gianni Giovannelli ordnete für den Tag eine offizielle Trauer an. Schulen blieben geschlossen. Papst Franziskus rief per Twitter zum Gebet für die zahlreichen Opfer auf. "Tief bewegt von der großen Tragödie, die Sardinien getroffen hat, fordere ich alle zum Gebet für die Opfer auf, insbesondere für die Kinder", teilte der Pontifex auf seinem italienischsprachigen Account des Kurzmitteilungsdienstes mit.

Auf Sardinien gab es keine neuen größeren Zwischenfälle. Dafür haben neue Unwetter in mehreren anderen Teilen Italiens für Überschwemmungen gesorgt. Besonders betroffen waren Medienberichten zufolge Latium, Apulien und Kalabrien. Straßen wurden geflutet, Bäume stürzten um. Allein in der Hauptstadt der südlichen Region Kalabrien, Catanzaro, liegen die Schäden nach ersten Schätzungen der Kommune bei etwa zehn Millionen Euro.

In Venedig wurde laut Nachrichtenagentur Ansa das fünfte Hochwasser des Jahres registriert. Auf dem Markusplatz stand das Wasser etwa 45 Zentimeter hoch, für die Fußgänger wurden Stege aufgebaut.

Für den Fall weiterer Unwetter beobachte der Zivilschutz die Wettervorhersage und werde zwölf Stunden vorher eine Warnung herausgeben, sagte Gabrielli. Nach der Katastrophe auf Sardinien waren Vorwürfe laut geworden, Vorhersagen des Wetterdienstes seien nicht in der Bevölkerung bekanntgemacht worden.