Sanierungsplan abgelehnt: Opelaner pokern um ihre Zukunft

10. April 2013 - 20:19 Uhr

Opel bleibt hart: Keine neuen Verhandlungen

Mit ihrem Nein zum Sanierungsplan des angeschlagenen Autobauers Opel hat sich die Belegschaft in Bochum auf dünnes Eis begeben. Denn die Adam Opel AG hält bislang an ihrem harten Kurs fest: Es wird keine weiteren Verhandlungen über die Zukunft des Werks geben, und die Autofertigung läuft Ende 2014 aus, hieß es in Rüsselsheim.

Sanierungsplan abgelehnt: Opelaner pokern um ihre Zukunft
Das Opelwerk in Bochum steht vor dem Aus.
© dpa, Marius Becker

Doch damit will sich der Bochumer Opel-Betriebsratschef Rainer Einenkel nicht abfinden. Er hatte den Sanierungsplan vehement bekämpft, weil ihm klare Zusagen des Unternehmens fehlten. Er setzt nun auf weitere Verhandlungen mit dem neuen Opel-Chef Karl-Thomas Neumann. "Es muss weitere Gespräche geben. Dieser Vertrag ist nicht akzeptabel", sagte Einenkel.

Die IG Metall kündigte an, sich in den kommenden Wochen mit dem Betriebsrat und der Adam Opel AG über weitere Schritte abstimmen zu wollen. Laut NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) bemüht sich die Gewerkschaft, das Unternehmen zu weiteren Gesprächen zu bewegen.

Die Meinung der Mitarbeiter des Bochumer Werks ist eindeutig: "Man kann sich ja nicht alles gefallen lassen. Wir geben immer ab, immer ab, immer ab. Und die meinen, das ist selbstverständlich", sagte einer der Opelaner. "Man hat uns versucht zu erpressen und das hat sich die Belegschaft einfach nicht gefallen lassen", begründete ein anderer die Entscheidung der Belegschaft.

Opel bedauert die Entscheidung

Die Beschäftigten in Bochum hatten gestern den Sanierungsplan mit klarer Mehrheit abgelehnt. Das Unternehmen bedauerte das Votum und stellte klar: "Die Zafira-Tourer-Produktion und der Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen werden Ende 2014 auslaufen."

Die Getriebefertigung mit mehreren hundert Mitarbeitern im Ruhrgebiet soll nun doch schon Ende 2013 auslaufen. Und die nach den monatelangen Verhandlungen vorgesehene Ansiedlung eines Komponentenwerks in Bochum ist vom Tisch. Der Kündigungsschutz gilt für den Standort nur noch bis Ende 2014.

Die Gewerkschaftsmitglieder hatten sich nach Angaben der IG Metall mit 76,1 Prozent gegen den Tarifvertrag ausgesprochen. Sie folgten damit ihrem Betriebsrat, der den Sanierungsplan abgelehnt hatte.

Mit dem zwischen Gewerkschaft, Betriebsrat und Unternehmen erarbeiteten Tarifvertrag sollte das Aus für die Fahrzeugproduktion um zwei Jahre verschoben werden. Nach 2016 sollten Bochum nur noch eine Teilefertigung und ein Ersatzteillager mit zusammen 1.200 Arbeitsplätzen bleiben. Derzeit hat Opel dort noch 3.200 direkt beim Unternehmen beschäftigte Mitarbeiter, inklusive der ausgelagerten Bereiche stehen gut 3.900 Menschen auf der Gehaltsliste von Opel. Wenn nicht weiter verhandelt wird, würde Opel nach heutigem Stand 2015 nur noch rund 420 Menschen im Warenverteilzentrum beschäftigen.

"Wir bedauern sehr, dass die Beschäftigten in Bochum ein attraktives Angebot nicht angenommen haben", erklärte der Bochumer Werksleiter Manfred Gellrich in einer Mitteilung. Eine große Chance sei vertan.

Einenkel hält das mögliche Ende der Autoproduktion schon 2014 für eine leere Drohung. Eine Verlagerung sei "aufgrund hoher Investitionen und fehlender Fachkompetenz in anderen Werken unsinnig", hatte der Betriebsrat in einem Flugblatt erklärt.

Die IG-Metall-Mitglieder an den drei Opel-Standorten Rüsselsheim, Kaiserslautern und Dudenhofen hatten den Tarifvertrag bereits mit großer Mehrheit angenommen. Ein Nein in Bochum hat darauf keine Auswirkungen.