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Sandra M. war ganz ruhig, als Greta (†3) regungslos dalag: Das sagt eine Kollegin über die Angeklagte

Kollegin über verdächtige Erzieherin:

Als Greta (†3) regungslos dalag, blieb Sandra M. ganz ruhig

Erzieherin Sandra M. (25) aus Viersen
Erzieherin Sandra M. (25) soll die kleine Greta ermordet haben.
Privat

Von Rebekka Kaiser

Immer mehr Zeugen belasten die ehemalige Kita-Erzieherin Sandra M. Die 25-Jährige steht seit Ende November vor dem Landgericht Mönchengladbach , weil sie die kleine Greta (3) während ihres Mittagsschlafes in einer Kita in Viersen heimtückisch getötet haben soll. Ihre Kollegen beschrieben Sandra M. nun als eine "unsympathische Geschichtenerzählerin", die erstaunlich ruhig und gefasst blieb, als Greta regungslos auf ihrer Matratze in der Kita lag.

Gretas letzte Stunden vor Gericht rekonstruiert

Völlig in sich versunken sitzt Sandra M. auf der Anklagebank – ein Kugelschreiber fährt über das vor ihr liegende Blatt Papier. Schreibt die 25 Jahre alte Angeklagte gerade ihre Gedanken nieder oder malt sie einfach nur gedankenlos vor sich hin, während andere im Saal A100 des Landgerichts Mönchengladbach damit beschäftigt sind, die letzten Stunden der kleinen Greta zu rekonstruieren.

Am 21. April lebte das quirlige Mädchen noch – es hatte dem Besuch in der Kita noch entgegengefiebert. Ihr Kind beschreibt die Mutter vor Gericht als einen Wildfang, darauf war sie offenbar stolz. Denn das Mädchen hatte einen schweren Start: Fünf Wochen zu früh kam Greta zur Welt, sie war – wie ihre Mutter sagt – kurz nach der Geburt "sehr, sehr dünn". Doch Greta kämpfte sich ins Leben zurück, aß gerne Süßigkeiten, wie sich ihre Mutter vor Gericht erinnert. Immer wieder kämpft sie mit den Tränen. Sie soll sich an den Tag erinnern, als sie Greta verlor, als der Anruf kam, dass ihre Tochter leblos in der Kita liegen und nicht mehr atmen würde. Seit diesem Tag, sagt Gretas Mutter, würde sie "nur noch existieren, aber nicht mehr leben". Der Kummer überwiegt im Alltag. Zwei andere Kinder hat sie noch, auch sie leiden unter Gretas Tod, begreifen ihn nicht. Den Job habe sie innerhalb der Firma wechseln müssen, weil sie aus psychischen Gründen Sehstörungen entwickelt habe.

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Mutter wollte ihre Tochter wieder mitnehmen

Eine böse Ironie: Als die Mutter Greta in der Kita in Viersen ablieferte, war Gretas Lieblingserzieher nicht da – die Mutter wollte ihre Tochter wieder mitnehmen. Nicht nötig, winkte die Leiterin der Kita ab, es sei doch Personal da. Es war Sandra M.s letzter Arbeitstag. Sie betreute nun auch die "Tigergruppe" mit, zu der Greta gehörte. Morgens in der Kita aß Greta nur wenig, gesundes Essen – das mochte sie nicht so. Charmant zog sich die Dreijährige vom Essenstisch zurück, sie sei müde. Morgens schlief Greta, mittags schlief sie noch mal – diesmal ohne zu erwachen.

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Erzieherin soll erstaunlich gefasst gewirkt haben

Am frühen Nachmittag ging Sandra M. zu ihren Kolleginnen, sagte zu ihnen: "Ich kriege die Greta nicht mehr wach." So schildert es eine Kollegin vor Gericht im Zeugenstand. Panisch, nervös – nein, so soll Sandra M. nicht gewirkt haben. Im Gegenteil: Eher ruhig und gefasst wirkte sie auf die anderen Erzieherinnen. Sie klang zunächst offenbar so, als wäre Greta in einen tiefen Dornröschenschlaf gefallen. Als dann aber die anderen Erzieherinnen nach dem Kind sahen, reagierten sie panisch und bald darauf verzweifelt: Die kleine Greta lag blass, regungslos – und wie manche Zeugen sagen – mit bläulichen Lippen auf der Matratze.

Sie riefen den Notarzt, eine Erzieherin machte eine Mund-zu-Mund-Beatmung und eine Herzdruckmassage. Sandra M. soll zu ihnen gesagt haben, sie könne das nicht. Während der verzweifelten Versuche, das Kind wiederzubeleben, blieb sie offenbar die ganze Zeit im Raum. Der Notarzt brachte Greta schließlich in die Notaufnahme.

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"Das ist alles meine Schuld"

Später, so sagen es die anderen Erzieherinnen, saß Sandra M. in sich zusammengesunken auf dem Sofa. Sie gaben der 25-Jährigen Gummibärchen zum Trost, hörten ihr zu, redeten auf sie ein, als sie sagte: "Das ist alles meine Schuld." Heute, so sagen ihre früheren Kolleginnen, denken sie anders über ebendiese Situation, die Selbstanklage von Sandra M. – sie hat nun ein anderes Gewicht für sie. Beliebt war die 25-Jährige bei ihnen offenbar nie. Als "unsympathisch" und eine "Geschichtenerzählerin" beschreibt eine der Erzieherinnen Sandra M. Die Pausen – nein, die habe man nicht gerne mit ihr verbracht, man habe es vermieden. Es ist ein neuer Verhandlungstag, doch Sandra M. kommt wieder einmal nicht gut weg.

Kita-Leiterin aus Viersen: Sandra M. passte nicht ins Team

Die Leiterin erklärt, Sandra M. habe nicht ins Team gepasst, sei mit ungewöhnlichen Erziehungsmethoden aufgefallen. Einmal habe ein erst ein Jahr altes Kind einen Becher umgeworfen, danach soll Sandra M. ihm verboten haben, zu trinken. Ein anderes Mal soll ein Kind ausgelassen herumgealbert haben – danach soll die 25-Jährige ihn zur Strafe eine Stunde auf einen Stuhl gesetzt haben. Nach einer gütigen und liebenswerten Erzieherin klingt Sandra M. in diesen Erzählungen wahrlich nicht. Warum ausgerechnet das aber ihr Traumjob gewesen sein soll, wirft Fragen auf.

Die Leiterin sagt, Sandra M. habe einmal berichtet, dass sie Kindern im Schlaf gerne die Hand auf die Brust legen würde. Um zu testen, ob sie noch atmen, sich die Rippen im Takt gleichmäßig hervorheben. "Ich habe sie dafür noch gelobt", weint die Leiterin der Kita. Der Staatsanwalt Stefan Lingens glaubt, dass Sandra M. die Hände bei Gretas abruptem Tod im Spiel hatte, ihn herbeiführte, sie im Schlaf tötete.

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Arzt schöpfte schnell Verdacht

Die Ärzte stützten heute diese Annahme der Staatsanwaltschaft. Dr. Aring behandelte die bewusstlose Greta später in der Notaufnahme. Den erfahrenen Mediziner beschlich schnell der Verdacht, dass Kind sei möglicherweise vor seinem Tod misshandelt worden. Er wollte es nicht auf sich beruhen lassen und schaltete die Kripo ein. Der Tod des Mädchens hat ihn mitgenommen. Warum, sagt er im Gespräch mit mir, das wisse er selbst nicht so genau. Im Zeugenstand muss er sich kurz sammeln, stockt kurz, als kämpfe er mit den Tränen. Sie sei ein gesundes Mädchen gewesen, irgendetwas müsse passiert sein, sagt er.

Sandra M. ist laut der Staatsanwaltschaft diejenige, die Greta zuletzt betreut hat. Auch in acht weiteren Fällen wird der 25-Jährigen die Misshandlung von Schutzbefohlenen vorgeworfen. Bislang bestreitet Sandra M. sämtliche Tatvorwürfe.