2018 M11 20 - 7:27 Uhr

Arzt jubelte den Patientinnen sein eigenes Sperma unter

23 Familien zogen in den Niederlanden vor Gericht. Sie alle treibt eine wichtige Frage um: Von wem stammen unsere Kinder ab? Die betroffenen Eltern hatten sich in der Kinderwunschklinik "Bijdorp" in Barendrecht (bei Rotterdam) behandeln lassen. Doch statt den Samen des eigentlichen Wunschspenders zu verwenden, jubelte Dr. Karbaat, der die Klinik betrieb, den Frauen seinen eigenen Samen oder den anderer Männer unter.

250 Kinder stammen von sieben Männern ab

Normalerweise hätte jeder Samenspender maximal sechs Kinder zeugen sollen, doch der Arzt verwendete sein eigenes Sperma und das von sechs weiteren Männern heimlich sehr viel öfter. Rund 250 Kinder in Deutschland, den Niederlanden und in Dänemark sollen von diesen sieben biologischen Vätern abstammen. Jedes dieser Kinder hat also Dutzende Halbgeschwister. Was damals passierte, haben wir auch noch mal übersichtlich in unserem Erklärvideo für Sie zusammengefasst.

Viele der Kinder, die in der Klinik gezeugt wurden, wissen bis heute nicht, wer ihr Vater ist. Eigentlich hatte die Klinik ihren Patienten zugesichert, dass die Kinder einsehen können, wer ihr biologischer Vater ist. Doch Dr. Karbaat hat die Unterlagen nicht nur unsauber geführt, sondern auch bewusst gefälscht.

Familien wollen endlich Gewissheit: Wer ist der Vater?

Die 23 Familien, die nun vor Gericht zogen, glauben, dass ihre Kinder mit dem Sperma von Dr. Karbaat gezeugt wurden. Beweisen könnte das nur ein DNA-Test, doch der wurde den Familien bisher verwehrt. Der Reproduktionsmediziner starb im April 2017 im Alter von 89 Jahren. Seine Witwe ist dagegen, die DNA des Toten mit der der Kinder abgleichen zu lassen. Dagegen wollen die Familien nun vorgehen. Das Genmaterial des Arztes wurde vorsorglich bereits sichergestellt.

Was die betroffenen Familien durchmachen mussten kann man sich kaum vorstellen. Sie fühlen sich betrogen, denn statt des Ehemanns oder des Wunschspenders, wurden die Frauen von ganz anderen Männern schwanger. Einigen soll Dr. Karbaat sogar einen Cocktail aus verschiedenen Spermaspenden verabreicht haben. Bei der Auswahl der Spender nahm er es offenbar auch nicht so genau und überprüfte nicht, ob die Männer mit Erbkrankheiten belastet sind. Im Video erzählt Joey, der inzwischen weiß, dass er mindestens 44 Halbgeschwister hat, was er sich von dem Prozess erhofft.