Worauf sich Reisende vorbereiten sollten

Salmonellen, FSME & Co.: Diese Gefahren im Deutschland-Urlaub werden unterschätzt

Unangenehm kann für Urlauber an Nord- und Ostsee: eine Begegnung mit der Gelben Haarqualle.
© Imago Entertainment, Susanne Hübner

13. Juli 2020 - 11:33 Uhr

Auch auf den Deutschland-Urlaub sollte man sich vorbereiten

Aufgrund der Corona-Krise werden viele Urlauber in diesem Jahr wohl das weiter entfernte Ausland meiden. Und für Reisen innerhalb von Deutschland oder der EU extra den Impfpass überholen? Auf diese Idee werden wohl nur die wenigsten Urlauber kommen. Ganz unbedacht sollten Sie jedoch nicht in den Urlaub in Deutschland starten - denn auch im eigenen Land lauern Gefahren!

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Gefahren entstehen nicht nur durch Covid-19

Die Ostsee ist coronabedingt bei den Deutschen quasi an die Spitze der Reiseziele geklettert, dahinter folgt mit der Nordsee ebenfalls eine Destination im eigenen Land. Das geht aus einer repräsentativen Online-Studie des Sinus-Instituts und YouGov hervor. Was das Coronavirus angeht, sind die Menschen inzwischen routiniert, was Vorsichtsmaßnahmen wie regelmäßiges Händewaschen, Mund-Nase-Schutz und Mindestabstände angeht. Doch Gefahren für die eigene Gesundheit lauern nicht nur wegen Covid-19 oder beim Urlaub im fernen Ausland, sondern auch quasi vor der eigenen Tür - hier ein Überblick.

Gefahr im Essen: Vorsicht vor Salmonellen und Campylobacter!

Sommerzeit ist auch Hochsaison für bakterielle Lebensmittelinfektionen. Salmonellen werden vor allem durch unzureichend erhitzte Eier oder eihaltige Speisen sowie durch rohes oder nicht durchgebratenes Fleisch übertragen. Da reicht es schon, wenn Lebensmittel beim Picknick oder Grillen nicht gut gekühlt werden oder Keime vom Fleisch auf Salat geraten. Die Folgen können Durchfall, Kopf- und Bauchschmerzen, Fieber oder Erbrechen sein. Hauptquelle für Campylobacterinfektionen ist unzureichend erhitztes Geflügelfleisch.

FSME droht vor allem im Süden Deutschlands

Corona-Auflagen hin oder her: Zecken halten keinen Abstand. Die kleinen Blutsauger können den Erreger der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen, einer virusbedingten Hirnhaut- oder Gehirnentzündung. Dieses Jahr wurden bereits mehr als 40 Fälle gemeldet. 2019 registrierte das Robert-Koch-Institut (RKI) bundesweit 444 Erkrankungsfälle, das war ein deutlicher Rückgang um 140 Fälle beziehungsweise fast ein Viertel gegenüber dem Vorjahr. Insgesamt schwanken die FSME-Erkrankungen aber von Jahr zu Jahr.

Als FSME-Risikogebiete gelten derzeit 164 Kreise in Deutschland. Dazu zählen fast ganz Bayern und Baden-Württemberg, aber auch Teile von Hessen, Rheinland-Pfalz, Thüringen, Sachsen, Niedersachsen und dem Saarland. Wer dort Urlaub macht, sollte sich impfen lassen. Muss es schnell gehen, können zwei Impfungen im Abstand von 14 Tagen gegeben werden. Doch Zeckenforscher befürchten, dass sich der FSME-Virus auch verstärkt im Norden ausbreiten wird.

Video: Vierfach-Mutter gelähmt und fast gestorben - wegen einer Zecke!

Wie gefährlich ein Zeckenbiss sein kann, zeigt der Fall der Vierfach-Mutter Ditte Ganzenbein. Im Video erzählt Ditte von den schrecklichsten und schmerzhaftesten Monaten in ihrem Leben, wie sie FSME und Borreliose überstanden hat und und wie es ihr heute geht.

Borreliose durch Zecken-Biss

Am häufigsten übertragen Zecken die von Bakterien verursachte Lyme-Borreliose, die Nervensysteme und Gelenke schädigen kann. Die Schätzungen zu den Krankheitsfällen schwanken sehr stark zwischen 40.000 und 120.000 pro Jahr. Borrelien in Zecken gibt es in ganz Deutschland, wobei die Belastung regional sehr unterschiedlich sein kann. Eine Schutzimpfung dagegen gibt es nicht. Früh erkannt, lässt sich die Infektion aber gut mit Antibiotika behandeln.

Am besten sollten Spaziergänger in Wald, Feld und Wiese lange Kleidung und feste Schuhe tragen. Über die Hosenbeine gestülpte Strümpfe erschweren den Zecken die Suche nach nackter Haut. Antizeckenmittel bieten nur einen begrenzten Schutz für einige Stunden. Nach einem Ausflug ins Freie sollte jeder seinen Körper gründlich absuchen. Dies gilt auch für Kinder nach dem Spielen.

Quallen lauern beim Schwimmen an Nord- und Ostsee

Unangenehm kann für Schwimmer in Nord- und Ostsee eine Begegnung mit der Gelben Haarqualle, auch Feuerqualle genannt, werden. Ihre Nesselkapseln können mit ihrem Gift allergische Reaktionen und Hautrötungen hervorrufen. Gelbe Haarquallen sind im Oberflächenwasser der Ostsee eher selten, gelangen durch Wind aber manchmal in die Badebereiche. Die betroffenen Stellen sollten mit Meerwasser abgespült werden. Auch Sand kann auf die betreffende Stelle aufgetragen und nach dem Antrocknen vorsichtig abgeschabt werden, zum Beispiel mit einem Messerrücken. Schmerzen können durch Kühlung gelindert werden.

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Vorsicht beim Baden im Meer: Vibrionen lösen schwere Infektionen aus

Vibrionen sind natürlicher Bestandteil salzhaltiger Meere und kommen vor allem im Boden vor. Sobald die Wassertemperatur über 20 Grad Celsius steigt, vermehren sie sich sprunghaft. Vibrionen können beim Baden oder Wasserwaten in verletzte Haut eindringen und in seltenen Fällen schwere Wundinfektionen hervorrufen. Diese ist an einer Rötung, Schwellung oder Blasenbildung erkennbar. Die Infektion kann auch Fieber, Schüttelfrost, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall oder im schlimmsten Fall eine Blutvergiftung verursachen.

In den vergangenen Jahren gab es an der Ostsee zahlreiche Erkrankungen und auch einige Todesfälle. Gefährdet sind vor allem Menschen mit geschwächtem Immunsystem oder mit chronischen Krankheiten.

Blaualgen sorgen für Haut- und Schleimhautreizungen

Manche Badegewässer sind durch Cyanobakterien, sogenannte Blaualgen, verunreinigt. Explosionsartige Blaualgenblüten treten vor allem in den Sommermonaten bei hohen Wassertemperaturen auf. Eine Gewässerbelastung mit Cyanobakterien ist an der eingeschränkten Sichttiefe, einer bläulich-grünen Trübung des Wassers, Schlierenbildung oder Algenteppichen an der Oberfläche zu erkennen. Bei starker Belastung raten die Gesundheitsbehörden vom Baden in dem trüben Wasser ab. Es kann zu allergischen Haut- und Schleimhautreizungen kommen. Beim Verschlucken von Wasser können Durchfälle auftreten.

Sonnenbrand: Meiden Sie die Mittagssonne!

Nicht zuletzt sollten sich Urlauber vor Sonnenbrand schützen. Generell sollte die Mittagssonne zwischen 11 Uhr und 15 Uhr gemieden werden. Die Wahl des Lichtschutzfaktors beim Sonnenschutzmittel richtet sich nach dem Hauttyp, empfohlen wird mindestens Lichtschutzfaktor 15. Für Kinder gibt es den Faktor 50 plus. Das Mittel sollte mindestens eine halbe Stunde vor dem Gang in die Sonne aufgetragen und regelmäßig erneuert werden.

+++ Laut Stiftung Warentest: Günstige Sonnenschutzmittel für Kinder liegen vorn, das teuerste schmiert ab. +++

Legionellen: Gefährliche Keime im Wasserhahn

Wochen, teilweise Monate waren Hotels, Ferienwohnungen, Sportanlagen und Schwimmbäder geschlossen - optimale Lebensbedingungen für Legionellen, sich dort in den Wasserleitungen einzunisten. Bei unsachgemäßer oder fehlender Wartung könne es nach der Corona-Pause zu einem erhöhten Wachstum dieser Bakterien in Trinkwasseranlagen gekommen sein, warnt das Robert-Koch-Institut. Legionellen können bei Menschen schwere Krankheiten auslösen - von grippeartigen Beschwerden bis hin zu schweren Lungenentzündungen. Die Erreger werden häufig durch zerstäubtes Wasser übertragen, etwa in Duschen, Whirlpools, durch Luftbefeuchter oder über Wasserhähne. Wie Sie sich vor Legionellen schützen, erfahren Sie hier.

Neue TVNOW-Doku: Endlich wieder Urlaub! Reisen in der Corona-Krise

Wie sehen die verschiedenen Corona-Sicherheitskonzepte in Europas Urlaubsregionen aus? Welches Urlaubspotenzial bietet Deutschland, und welche Geheimtipps gibt es hierzulande? Erfahren Sie mehr in der neuen Dokumentation auf TVNOW: "Endlich wieder Urlaub! – Reisen in der Corona-Krise".