Saisonstart 2012 ohne Italiener im F1-Cockpit

Mit Jarno Trulli verlor der letzte Italiener im F1-Feld sein Cockpit.
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18. Februar 2012 - 13:51 Uhr

Jarno Trulli war der letzte 'italienische Mohikaner'. Nachdem der F1-Pilot bei Caterham aber durch den Russen Vitali Petrov ersetzt worden ist, startet die kommende Saison erstmals seit 1970 ohne einen Italiener im Feld.

Ende der 80er Jahre tummelten sich teilweise über zehn Italiener in der Formel1 - Ivan Capelli, Riccardo Patrese, Pierluigi Martini und andere. Kein Wunder, dass die italienische Presse Endzeitstimmung verspürt und Sturm läuft: "Italien ist aus der F1 verschwunden! Die Rubel des Russen Petrov drängen Trulli aus der F1. Das geschieht immer häufiger in Zeiten der Krise", schrieb etwa die 'Gazzetta dello Sport'.

Trulli hingegen spricht von einem Niedergang, für den nicht er, sondern andere die Verantwortung übernehmen müssten. Seinen ehemaligen Arbeitgeber Caterham sieht der 37-Jährige dabei nicht in der Schuld: "Kleine Teams haben gewisse Zwänge und die Verträge sind klar", spielte Trulli auf die finanzielle Abhängigkeit kleinerer Rennställe von Paydrivern an. Die Wurzel allen Übels sieht der Italiener im Heimatland: "In Italien existiert kein System, das Fahrern hilft, ein hohes Niveau zu erreichen. Das endet dann in Situationen wie dieser. Es gibt Talente, aber ohne Hilfe von außen gibt es keine Hoffnung für sie."

Die Wirtschaftskrise macht die Ausgangslage für den Rennsport-Nachwuchs in Italien nicht einfacher: "Ich würde mir mehr Unterstützung von allen Seiten wünschen, aber in so einer Krisenzeit, die dieses Land derzeit durchlebt, weiß ich nicht, wie ein junger Fahrer Hilfe finden soll, um von einem Team in Betracht gezogen zu werden", sagte Trulli.

Ferrari sieht sich als Heilsbringer

Stefano Domenicali
Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali fördert die Jugend in Italien.
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Auch Ferrari bedauert das Ausscheiden des letzten italienischen Piloten im Starterfeld. Teamchef Stefano Domenicali äußerte, er sei sehr traurig über diese Tatsache, erklärte aber: "Es handelt sich um einen schwierigen Zeitpunkt für unseren Sport. Zum Teil auch aus Gründen außerhalb unseres Einflussbereichs."

Domenicali sieht aber einen Lichtblick in der für Italien so traurigen Situation und übernimmt mit Ferrari einen Teil der Verantwortung für den italienischen Nachwuchs: "Vor einigen Jahren erstellte Ferrari mit seiner Fahrer-Akademie einen Langzeit-Plan, eine neue Generation junger Fahrer zu kreieren. Dabei arbeiten wir auch mit dem italienischen Automobil-Verband zusammen. Es freut mich, dass wir gerade jetzt bekanntgeben dürfen, dass zwei italienische Youngsters - Raffaele Marciello und Brandon Maisano - die große Gelegenheit erhalten werden, sich in diesem Sport zu entwickeln."