Säureattacke auf 'Innogy'-Manager in Haan: DNA-Spuren führen zu einer Frau

28. März 2018 - 17:05 Uhr

Die Polizei fahndet nach den Tätern

In Haan (Nordrhein-Westfalen) haben Unbekannte einen 51-Jährigen auf offener Straße mit Säure übergossen. Der Mann sei mit schweren Verletzungen in eine Spezialklinik gekommen, erklärte die Polizei Düsseldorf. Die Täter sind auf der Flucht, die Polizei verfolgt nun aber eine erste heiße Spur: An einem am Tatort gefundenen Handschuh fanden die Ermittler DNA einer Frau, wie die 'Bild'-Zeitung berichtete. Möglicherweise hatten die Täter also eine Komplizin. Auch an dem Gefäß, in dem die Säure war, wurden DNA-Spuren sichergestellt.

Der 51-Jährige schwebte kurzzeitig in Lebensgefahr

Der Angriff ereignete sich gegen neun Uhr morgens in einem Park ganz in der Nähe der Wohnung des Opfers. Der Familienvater wollte gerade Brötchen holen, als sich plötzlich zwei Männer näherten, ihn zu Boden warfen und mit eine Flüssigkeit übergossen. "Diese verursachte eine Reaktion auf seiner Haut und führte zu schweren Verletzungen", sagte Polizeisprecher Markus Niesczery. Mit welcher Art von Flüssigkeit der Mann übergossen wurde, wird noch untersucht. "Wir gehen davon aus, dass es sich um eine Säure handelt", erklärte Niesczery.

Der Mann, der im Vorstand des RWE-Tocherunternehmens 'Innogy' sitzt, schleppte sich noch bis nach Hause, von wo aus der Notruf abgesetzt wurde. Der 51-Jährige wurde sofort mit einem Rettungshubschrauber in eine Spezialklinik gebracht – kurzzeitig bestand sogar Lebensgefahr. Inzwischen ist sein Zustand aber wieder stabil, so die Polizei.

Der in Essen ansässige Energieversorger 'Innogy' bestätigte, dass es sich bei dem Verletzten um Finanzvorstand Bernhard Günther handele. "Wir sind tief geschockt. Die Nachricht von dem Anschlag hat uns alle sehr betroffen gemacht", erklärte Vorstandschef Uwe Tigges in einer Mitteilung. "Wir sind in unseren Gedanken bei Bernhard und seiner Familie und wünschen ihm baldige Genesung."

Was war das Motiv der Täter?

Mann in Haan mit Säure übergossen
Die Täter lauerten dem 'innogy'-Manager in einem Park in Haan auf.
© dpa, Bernd Thissen, bt gfh

Zum Motiv gebe es noch keine Erkenntnisse, sagte ein Sprecher. "Wir ermitteln in alle Richtungen." Es gebe keine Hinweise, dass die Täter bei dem Angriff etwas gesagt hätten, sagte der Sprecher weiter. Die beiden seien auch nicht maskiert gewesen. Die Polizei fahndet nun nach den ca. 20 bis 30 Jahre alten Männern. Die Beschreibung, dass die Täter südländisch ausgesehen hätten, relativiert die Polizei inzwischen. "Wir haben das Opfer noch nicht vernehmen können", sagt eine Polizeisprecherin. Es ging wohl alles sehr schnell.

Dass es sich bei dem Manager um ein Zufallsopfer handelt, glauben die Ermittler nicht. Möglicherweise haben die Täter sogar die Gewohnheiten des Managers im Vorfeld ausspioniert. Die Ermittler stufen die Säure-Attacke als versuchten Mord ein. Eine Mordkommission hat die Ermittlungen übernommen und auch der Staatsschutz wurde eingeschaltet. Zu den Motiven der Täter kursieren mehrere Spekulationen: 

  • Marktmanipulation: Nach dem Anschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund wird diese Möglichkeit auch im Fall des Innogy-Managers abgeklärt, versichern die Ermittler und prüfen, ob es auffällige Finanzmarktgeschäfte gab. 
  • Politischer Anschlag: Bereits wenige Stunden nach dem Verbrechen gab es die Vermutung, politische Motive könnten hinter dem Angriff stecken. Günther war früher als RWE-Finanzvorstand indirekt auch für das umstrittene Braunkohlegeschäft des Konzerns zuständig. Drohungen gegen den Manager gab es aber nicht, sagt eine Sprecherin der Wuppertaler Staatsanwaltschaft. Und ein Bekennerschreiben fand sich auch nicht.