Säure-Opfer Vanessa verklagt Täter auf Schmerzensgeld - Prozess in Hannover

Vanessa Münstermann steht in einem Fotostudio und lächelt. Foto: Julian Stratenschulte/Archiv
Vanessa Münstermann steht in einem Fotostudio und lächelt. Foto: Julian Stratenschulte/Archiv
© deutsche presse agentur

16. August 2018 - 0:50 Uhr

Anwalt: 250.000 Euro für Vanessa Münstermann wären angemessen

Es war ein fürchterliches Verbrechen, das bundesweit Empörung hervorrief, jetzt erfolgt ein weiterer Teil der juristischen Aufarbeitung. Mehr als zwei Jahre nach der Säure-Attacke auf eine junge Frau in Hannover startet heute der Schmerzensgeld-Prozess gegen den Täter vor dem Landgericht. Das Opfer Vanessa Münstermann setzt sich inzwischen mit ihrem Verein "Ausgezeichnet" für andere Gewaltopfer ein. Der Antrag auf Schmerzensgeld sei unbeziffert, sagte der Rechtsanwalt der 29-Jährigen, Andreas Hüttl. "Wir halten eine Summe von 250.000 Euro für angemessen." Münstermann tritt in dem Zivilverfahren nicht selbst auf.

Täter zu zwölf Jahren Haft verurteilt

Ihr Ex-Freund hatte sie im Februar 2016 mit Säure übergossen, seitdem ist ihre linke Gesichtshälfte zerstört. Der heute 34-Jährige war im August 2016 wegen schwerer, absichtlicher Körperverletzung zu einer zwölfjährigen Haftstrafe verurteilt worden.

Münstermann hatte im Februar berichtet, dass der Täter ihr immer noch beleidigende Briefe aus dem Gefängnis schreibe. Der Beklagte hatte vor dem Prozessauftakt vergeblich einen Antrag auf Prozesskostenhilfe gestellt.

Häufig erstreiten Opfer zwar Schmerzensgeld vor Gericht, allerdings wird dieses nicht gezahlt, weil die Täter über keine finanziellen Mittel verfügen. Seiner Mandantin sei dies bewusst, sagte Münstermanns Anwalt Hüttl.

Schmerzensgeld kann sich strafmildernd auswirken

Schmerzensgeld kann auch im Rahmen von Strafverfahren beschlossen werden. Im Prozess gegen Nurretin B., der seine Ex-Freundin Kader K. mit einem Seil um den Hals durch Hameln schleifte, wirkte sich eine solche Schmerzensgeldzahlung strafmildernd aus. Der Mann wurde im Mai 2017 wegen versuchten Mordes zu einer 14-jährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Verteidigung und Nebenklage hatten sich vorab auf ein Schmerzensgeld von 137 000 Euro für das Opfer geeinigt.

Die Summe sei allerdings bis heute nicht gezahlt, sagte der Anwalt der Frau.

Quelle: DPA / RTL.de