Sachsen-Anhalt: 15-Jährige feuert mit Schreckschusspistole auf Mitschüler

Mädchen plante bereits 2011 einen Amoklauf

Mit einer Schreckschusspistole hat ein Mädchen in einer Schule in Wernigerode um sich geschossen und dabei zwei Jungen verletzt. Ein 14-Jähriger erlitt ein Knalltrauma, ein anderer wurde leicht im Gesicht verletzt, als es ihm gelang sie auf dem Flur zu überwältigen und ihr die Waffe abzunehmen. Zuvor wurde von einem Amoklauf berichtet, das bestätigte die Polizei aber nicht. Die 15-jährige Schülerin ist aber eine Wiederholungstäterin: Bereits 2011 hatte sie an einer Schule im Nachbarort einen Amoklauf angekündigt und Feuer gelegt.

Wernigerode Gymnasium Schreckschusspistole Amoklauf
Besorgte Eltern eilten zum Gymnasium in Wernigerode, um ihre traumatisierten Kinder abzuholen.
dpa, Matthias Bein

Mit mehreren Messern, einer Axt und Benzin bewaffnet hatte die damals 13-Jährige ihr Gymnasium in Ballenstedt in Sachsen-Anhalt attackiert und zwei Brände gelegt. Sie ging mit einem Messer auf einen Mitschüler los, eine Lehrerin erlitt einen Schock. Experten äußerten damals den Verdacht auf eine psychische Erkrankung des Mädchens. In einem Internetforum hatte sie angekündigt: "Und wenn ich sterbe, werde ich so viele wie möglich mit mir nehmen! Ich bin voller Hass, Trauer, Wut!" Weil sie mit 13 Jahren noch nicht strafmündig war, wurde damals nicht ermittelt.

Jetzt ging sie wieder auf ihre Mitschüler los. Nach Angaben der Polizei schoss das Mädchen während des Unterrichts am Gerhart-Hauptmann-Gymnasium in Wernigerode (Sachsen-Anhalt) mit einer Schreckschusspistole auf ihre Klassenkameraden und verletzte einen Mitschüler. Er kam mit einem Knalltrauma ins Krankenhaus. Schüler stürmten aus Angst vor einem Amoklauf aus dem Klassenzimmer. Andere verharrten geschockt.

Nach Informationen der 'Mitteldeutschen Zeitung' soll die Täterin gerufen haben "Ich hasse euch alle", bevor sie das Feuer eröffnete. Das Mädchen galt in der Schule als einzelgängerisch. Die Mutter eines Mitschülers berichtet, ihrem Sohn sei aufgefallen "dass sie in schwarz rumgelaufen ist und nicht in den Klassenverband integriert war." Mit einem Amoklauf-Versuch habe aber niemand gerechnet.

Staatsanwaltschaft: "Jetzt kann sie strafrechtlich verfolgt werden"

Die Polizei evakuierte die Schule und durchsuchte das Gebäude. Der Unterricht wurde in allen Klassen abgebrochen. Ersten Ermittlungen zufolge habe das Mädchen nicht auf den Jungen gezielt, sagte eine Polizeisprecherin.

Kurz nach der Tat standen bereits viele besorgte Eltern und Großeltern vor dem Gymnasium, um Schüler abzuholen. Polizei und Rettungskräfte waren mit einem Großaufgebot am Ort. Die 15-Jährige wurde von der Polizei in Gewahrsam genommen und befragt. Die Staatsanwaltschaft Magdeburg ermittelt gegen sie wegen gefährlicher Körperverletzung und wegen des Verstoßes gegen das Waffengesetz, wie ein Sprecher sagte.

"Diese Person war damals dreizehn Jahre alt, damit auch noch nicht strafmündig, jetzt ist sie fünfzehn und kann strafrechtlich verfolgt werden", so die Staatsanwaltschaft Magdeburg. Die 15-Jährige soll zunächst in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht werden.