S04 trachtet nach Lederhosen, HSV taumelt

© Bongarts/Getty Images, Bongarts

13. November 2013 - 11:26 Uhr

Nach der Champions League ist vor der Bundesliga. Schalke und Bayern haben in der Königsklasse Siege eingefahren, nun geht es gegeneinander. Nicht das einzige brisante Duell, in Hamburg bestreiten zwei einstige Spitzenteams den Krisengipfel.

Wie hoch gewinnen die Bayern?

Tja, das ist fast die Frage dieses sechsten Spieltags der Fußball-Bundesliga. Beziehungsweise vielmehr, ob die Münchner in Gelsenkirchen überhaupt gewinnen. So wie sie das in der Fußball-Bundesliga in den vergangenen zwei Spielzeiten getan haben, jeweils mit 2:0. Nun aber haben die Schalker einen Prinzen. Seit Kevin-Prince Boateng da ist, geht es aufwärts. Noch während des ungefährdeten 3:0 in der Champions League gegen Steaua Bukarest wandten sich die Fans dem ungeliebten Rekordmeister zu: "Zieht den Bayern die Lederhosen aus!" schallte es durch die Arena.

Blank ziehen wollen die Bayern sicherlich nicht, dafür liegen aber die Nerven an der Säbener Straße bei einigen schon blank. Matthias Sammers Wutrede vom vergangenen Wochenende sorgte für Ärger bei Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge ("Das ist kontraproduktiv. Wir werden mit Matthias reden.") und Spielern wie Arjen Robben ("Wir wissen ganz genau, wann etwas gut war und wann nicht.").

Unruhe bei den Bayern, die Schalker im Aufwind - beste Chancen also für S04? Trainer Jens Keller dämpft die Begeisterung. Auf die Frage, ob der FC Schalke 04 nach nun vier Siegen in Folge mit dem FC Bayern auf Augenhöhe sei, antwortete er: "Das wäre ja Wahnsinn! So vermessen sind wir nicht." Also, wie hoch nun? Wir legen uns mal fest und sagen: gar nicht.

Wie spanisch sind die Verhältnisse?

Da hat sich seit der Vorwoche nicht viel geändert. Die Borussia aus Dortmund ist immer noch die einzige Mannschaft, die all ihre Spiele gewonnen hat. Dahinter stehen die Bayern in der Tabelle - und die Leverkusener kleben so dicht am Führungsduo, dass wir hier offiziell von einem Führungstrio sprechen.

Der BVB hat ja bei seinem Ausflug nach Neapel viel erlebt, da dürfte es bei der Partie in Nürnberg etwas ruhiger zugehen - wenn Trainer Jürgen Klopp sich am Riemen reißt. Der 'Glubb', wie sie in Franken sagen, wartet auf seinen ersten Sieg. Gelänge der am Samstag, wäre das eine Überraschung.

Die Leverkusener hingegen sind beim FSV Mainz vor ausverkauftem Haus nicht der klare Favorit. Obwohl Trainer Sami Hyypiä nach der 2:4-Niederlage in Königsklasse bei Manchester United versprach: "Wir sind bereit, in Mainz viel besser zu spielen."

Was passiert sonst noch an diesem Spieltag?

Apropos bereit: Seit mit Thomas Schneider ein Trainer der neuen Generation den VfB Stuttgart anleitet, hat die Mannschaft in Berlin und gegen Hoffenheim gewonnen. Am Sonntag gegen die Frankfurter Eintracht laufen die Schwaben zum 120. Geburtstag ihres Vereins in weißen Traditionstrikots mit rotem Brustring und ohne Werbung auf.

Auch Timo Werner, 17 Jahre alter Angreifer, jüngster Bundesligaspieler der Vereinsgeschichte und ein Talent, das die Hoffnung trägt. Die "Stuttgarter Zeitung" weiß über ihn zu berichten, dass er ein ganz bescheidener Kerl ist. Zum Beispiel in der Kabine mit den Kollegen: "Mit großen Augen hört er zu, wenn die Kollegen über ihre Autos sprechen oder darüber, wie viele Stockwerke ihre Häuser haben. Er selbst hat keinen Führerschein, sondern ein Schülerabo für die Straßenbahn." Ansonsten gibt Mittelfeldspieler Alexandru Maxim das Motto vor: "Weniger reden, mehr punkten. Der Rest kommt dann ganz von alleine."

Augsburgern wird Erfolgsserie langsam unheimlich

S04 trachtet nach Lederhosen, HSV taumelt
Die Augsburger kommen aus dem Feiern nicht mehr raus.
© dpa, Stefan Puchner

Welche Mannschaft überrascht?

Den Augsburgern trauen wir ja mittlerweile alles zu. Auch beim Spiel in Hannover. Beide Mannschaften halten wacker mit neun Punkten Anschluss an besagtes Führungstrio. Und im Fall des FC Augsburg ist das eine echte Überraschung. In seiner dritten Erstligasaison steht der Klub erstmals im oberen Drittel der Tabelle, nach fünf Spielen allerdings ein Faktum mit bedingter Aussagekraft.

"Eine schöne Randnotiz", wie es Trainer Markus Weinzierl formuliert. Was der guten Laune keinen Abbruch tut. Mittelfeldspieler Tobias Werner, dem gegen Freiburg am vergangenen Wochenende in letzter Minute der 2:1-Siegtreffer gelang, befand: "Wir haben uns in den letzten Wochen in einen Rausch gespielt. Es war aber nur ein kleiner Schritt auf dem Weg zum Klassenerhalt."

Europaligastarter Freiburg hingegen tut sich bislang schwer. Nach dem 2:2 gegen Slovan Liberec geht es nun am Sonntag für den Tabellenvorletzten der Liga gegen Aufsteiger Hertha. Die Berliner reisen gerne die 800 Kilometer bis ins Breisgau, zuletzt verloren sie dort im Mai 2001. Seitdem gab es in sechs Spielen 16 von 18 möglichen Punkten.

Für welchen Trainer wird es eng?

Thorsten Fink. Ach ne, der ist ja schon weg. Und Interimstrainer Rodolfo Cardoso hat nichts zu befürchten, er ist nur da, bis der Hamburger SV jemanden gefunden hat. Wenn sie jemanden finden. Und sonst? Wird die Lage für Michael Wiesinger beim 1. FC Nürnberg nicht entspannter. Der hat nach dem sieglosen Fehlstart und vor der Partie gegen den Spitzenreiter aus Dortmund reagiert und Routinier Hanno Balitsch aus dem Kader gestrichen.

Ob's hilft? Sportvorstand Martin Bader jedenfalls sagt: "Wir sorgen uns um unseren Verein." Das 1:1 am vergangenen Spieltag bei Schlusslicht Eintracht Braunschweig habe ihn erschüttert. Aber: "Ich werde den Teufel tun und Michael jetzt in irgendeiner Form schwächen." Klingt gefährlich.

Wo wird es brisant?

Na, in Hamburg. Dort trifft der ruhmreiche HSV, 15. der Tabelle, auf den SV Werder Bremen, der auf Platz 14 rangiert - und auch schon bessere Tage gesehen hat. Zum Beispiel in einigen der 14 Jahre, in denen Thomas Schaaf Trainer war. Der ist jetzt in Hamburg im Gespräch, zumindest, wenn es nach Präsident Carl Jarchow geht.

Der hatte dem Bezahlsender "Sky" berichtet: "Ich finde Thomas Schaaf gut, ich hab ihn persönlich kennengelernt, ich finde ihn sehr sympathisch und ich finde, dass seine Erfolge, die er mit Werder gehabt hat, für ihn sprechen." Er will das aber nur so gesagt haben. Klar, er habe Schaaf gelobt. "Genauso könnte ich Pep Guardiola loben." Ach. Ansonsten gelte: "Ich suche nicht den Weg über die Presse. Ich rede direkt mit den Leuten." Derweil bemüht sich Hamburgs Interimstrainer Rodolfo Cardoso, daran zu erinnern, dass die Mannschaft eigentlich Fußball spielen soll: "Es ist ein besonderes Spiel, das es nur einmal im Jahr gibt. So wie die Mannschaft und die ganze Stadt freue ich mich darauf."

Was sagt das Orakel?

"Wenn wir drei Punkte holen, dreht sich die Erde nicht schneller, genauso wie sie sich nach einer Niederlage nicht langsamer drehen wird." Bremens Trainer Robin Dutt hat das große Ganze im Blick.

Von ntv.de-Redakteur Stefan Giannakoulis