Nach Antisemitismus-Vorfall um Gil Ofarim

Ruth Moschner gesteht: Familie verheimlichte jahrelang ihren jüdischen Glauben

Ruth Moschner meldet sich im Antisemitismus-Skandal zu Wort.
Ruth Moschner meldet sich im Antisemitismus-Skandal zu Wort.
© Mit Gregor Meyle, Sabrina Setlur

06. Oktober 2021 - 21:57 Uhr

Ruth Moschner gibt privaten Einblick in ihre Familiengeschichte

Der Antisemitismus-Skandal um Gil Ofarim (39) berührt die Menschen. Hunderte gehen auf die Straße und protestieren gegen Judenfeindlichkeit und auch viele Prominente äußern sich zu den verheerenden Vorwürfen des einstigen "Let's Dance"-Stars. Nun meldet sich auch Ruth Moschner (45) zu Wort. Doch die Moderatorin hat ihre ganz eigene Geschichte zu erzählen.

Denn das Judentum liegt ihr näher als viele erwartet hätten. Auf Instagram lüftet die 45-Jährige das lange gehegte Geheimnis, dass ihre Familie jüdischstämmig ist, diesen Fakt aber viele Jahre für sich behalten hat – aus Angst! Die Antisemitismus-Debatte nimmt die gebürtige Münchnerin nun zum Anlass, um ihre Familiengeschichte zu erzählen.

"Meine Geschichte mit dem Jüdischsein"

Die Moderatorin teilt einen Instagram-Screenshot eines Fans, der ihr privat schrieb, nachdem er auf Wikipedia eine überraschende Entdeckung gemacht hatte. "Bei Wikipedia wird in Ihrem Eintrag auf die 'jüdischstämmige' Ruth Moschner hingewiesen", schreibt der Follower und hinterfragt die Richtigkeit dieser Angabe. Auf ihn wirke das "etwas befremdlich".

Anlass genug für Ruth um der Online-Community endlich reinen Wein einzuschenken. "Ich hatte heute einen Text zu dieser Nachricht geschrieben, die ich vor einigen Tagen erhielt. Dann sah ich das Video von Gil Ofarim. Umso wichtiger ist es mir deshalb, euch hier meine Geschichte mit dem "Jüdischsein" zu erzählen", beginnt die 45-Jährige ihr Statement.

Jüdische Abstammung war ein "absolutes Tabu"

"Ich bin 1976 geboren. In meiner Familie war die jüdische Abstammung ein absolutes Tabu. Der Großteil meiner Vorfahren ist während des zweiten Weltkrieges nach Israel geflüchtet, später haben sie sich in den USA niedergelassen. Die wenigen in Deutschland verbliebenen wurden zum Schutz christlich getauft. Ich auch", erklärt die Münchnerin den Hintergrund ihrer Konfession.

Damals sei sie gewarnt worden, niemandem von ihrer wahren "Abstammung" zu erzählen. Das Judentum offen auszuleben: undenkbar. "Das Bewusstsein über die vielen Verluste meiner Familie in den Konzentrationslagern, die Reise auf überfüllten Schiffen nach Haifa und die Migration in andere Länder, machen mich natürlich sensibel für solche Themen", berichtet Ruth.

Sie selbst sei ein "sehr gläubiger", wenn auch kein "religiöser Mensch". Ihre Familiengeschichte präge sie bis heute und es sei verletzend von Vorfällen wie dem ihres TV-Kollegen zu hören. "Wegen des Davidsterns Antisemitismus erleben. Das darf nicht sein!", schreibt die Moderatorin entsetzt und plädiert für mehr Toleranz. "Eine Kippa, oder gar ein Kopftuch tun keinem weh", erinnert sie ihre Follower und spricht von einem Lernprozess, an dem alle teilhaben sollten: "Dann können wir von der Individualität unserer Gesellschaft profitieren." (lkr)