Russland: Pussy Riot-Aktivistinnen sagen "Freilassung nur ein PR-Gag"

Zusammenführung der Band und neue Aktionen geplant

Dankbarkeit? Fehlanzeige. Demut? Keine. Kaum sind Nadeschda Tolokonnikowa und Maria Aljochina von der Punkband Pussy Riot wieder auf freiem Fuß, haben sie schon wieder gegen das Regime von Kremlchef Wladimir Putin geätzt.

Russland, Putin
Die russische Kreml-Kritikerin Maria Aljochina ist wieder in Freiheit
REUTERS, STAFF

"Ich glaube nicht, dass es ein humanitärer Akt ist", sagte die in eine dicke grüne Gefängnisjacke gehüllte Aljochina zu ihrer Freilassung. Aus Solidarität mit denen, die noch in den Gefängnissen säßen, hätte sie auf ihre Freilassung auch verzichtet, wenn es möglich gewesen wäre. "Aber das Gefängnis hat eine Weisung erhalten, deshalb bin ich hierher gebracht worden."

Künftig wolle sie sich für die Rechte von Häftlingen und für die Einhaltung von Menschenrechten einsetzen, kündigte die 25-Jährige an: "Glauben Sie mir, ich habe vor nichts mehr Angst."

"Ich werde mich mit Nadeschda treffen. Wir wollen uns zusammensetzen und wir werden neue Aktionen machen. Die Methode bleibt die gleiche", kündigte Aljochina an. Für ihr 'Punkgebet' in der Kathedrale von Moskau waren die Bandmitglieder zu zwei Jahren Arbeitslager verurteilt worden.

Tolokonnikowa rief bei ihrer Freilassung im sibirischen Krasnojarsk "Russland ohne Putin". Ihr Ehemann Pjotr Wersilow hatte vor dem Gefängnis auf die Freilassung seiner Frau gewartet. Ein drittes Mitglied der Gruppe, Jekaterina Samutsewitsch, war bereits im vergangenen Jahr freigekommen.

Regierungskritiker sehen die Amnestie zum 20. Jahrestag der russischen Verfassung als Versuch Putins, vor den Olympischen Winterspielen in Sotschi Kritiker im Westen zu besänftigen. Es wird erwartet, dass die Amnestie auch verhindert, dass sich rund 30 wegen Rowdytums angeklagte Greenpeace-Aktivisten vor Gericht verantworten müssen. Sie hatten gegen Ölbohrungen in der Arktis demonstriert und sind gegen Kaution auf freiem Fuß.

Menschenrechtlern zufolge dürften durch die Amnestie weniger als 1.500 Häftlinge freikommen. Insgesamt sitzen Regierungsangaben zufolge 700.000 Russen in Gefängnissen ein.

Die Amnestie ist nach Worten Putins ein Zeichen dafür, dass der russische Staat ein menschlicher ist. Das Gesetz sei nicht mit Blick auf die Pussy-Riot-Musikerinnen oder die Greenpeace-Aktivisten verabschiedet worden, hatte er auf seiner Jahrespressekonferenz erklärt. In Russland gebe es keine politischen Gefangenen.