Russland: Mehr als 1.600 Putin-Gegner auf landesweiten Demos festgenommen - auch der Oppositionelle Alexej Nawalny

Auch in St. Petersburg gingen Tausende gegen Wladimir Putin auf die Straße.
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05. Mai 2018 - 20:14 Uhr

Viele junge Russen kennen keinen anderen Landesführer als Wladimir Putin. Der sitzt im größten Land der Welt fest im Sattel. Doch unter Führung des Kremlkritikers Alexej Nawalny begehrt ein Teil der jungen Generation auf. Am Samstag kam es in etwa 90 russischen Städten zu Demonstrationen, bei denen insgesamt mehr als 1.600 Putin-Gegner festgenommen wurden. Selten war die Polizei härter gegen die Menschen vorgegangen.

Auch Nawalny wieder festgenommen - Motto der Demos "Kein Zar für uns"

Policemen detain an opposition supporter during a protest ahead of President Vladimir Putin's inauguration ceremony, in St. Petersburg, Russia May 5, 2018.  REUTERS/Anton Vaganov
Die Polizei ging rabiat gegen die Demonstranten vor.
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Zwei Tage vor der Amtseinführung von Präsident Putin hat die russische Polizei den Oppositionellen Nawalny und mehr als 1.600 seiner Anhänger bei Demos festgenommen. Der Anti-Korruptions-Aktivist hatte für Samstag landesweit zu Protesten gegen Putin aufgerufen unter dem Motto: "Kein Zar für uns!". Bis zum Abend berichtete das Bürgerrechtsportal OVD-Info von etwa 1.650 Festnahmen, davon allein mehr als 700 in Moskau.

Die Polizei sprach offiziell nur von 300 Festnahmen in der Hauptstadt. Den Oppositionellen drohen mehrtägige Arreststrafen. Putin, der Russland seit 18 Jahren führt, wird am Montag im Kreml in Moskau den Eid für eine weitere sechsjährige Amtszeit ablegen. Nawalny erschien ungehindert auf dem Puschkinplatz im Zentrum von Moskau. Dort waren nach Augenzeugenberichten mehrere Tausend meist junge Anhänger versammelt, die Polizei sprach von 1.500 Menschen.

Beamte waren nicht zimperlich mit den Demonstranten

Das Auftauchen Nawalnys endete aber wie bei mehreren Kundgebungen zuvor: Die Polizei zerrte ihn aus der Menge und führte ihn ab. Die Beamten gingen grob gegen Demonstranten vor und setzten Schlagstöcke ein. Um den Platz für Nawalny-Anhänger zu blockieren, hatten sich nach Angaben von Augenzeugen auch Männer in Kosakenuniform und kremltreue Bürger am Puschkin-Denkmal versammelt. Die Kundgebungen in etwa 90 russischen Städten richteten sich gegen Putins lange Herrschaft, gegen Korruption und Internetzensur in Russland.

Nawalny wollte damit auch an Massendemos gegen Putins Amtseinführung 2012 anknüpfen. Damals war Putin in einem vereinbarten Ämtertausch mit Dmitri Medwedew wieder Staatschef geworden. Er zerschlug den Protest mit harten Strafen gegen die Organisatoren. Die jetzigen Proteste fielen kleiner aus, sie mobilisierten auch weniger Teilnehmer als Nawalny-Demonstrationen vergangenes Jahr. Von der Präsidentenwahl in diesem März war Nawalny (41) mit einer juristisch fragwürdigen Vorstrafe ferngehalten worden. Putin (65) siegte mit dem Rekordergebnis von fast 77 Prozent der Stimmen. Viele Festnahmen gab es nach Angaben von OVD-Info auch in St. Petersburg (180) und Tscheljabinsk in Sibirien (164).