Russischer Importstopp setzt Lebensmittelbranche unter Druck: Wohin mit 25.000 Tonnen Äpfeln?

Der russische Importstopp macht den Bauern hierzulande große Sorgen.
Der russische Importstopp macht den Bauern hierzulande große Sorgen.
© dpa, Patrick Seeger

16. September 2014 - 16:07 Uhr

Die Preise für Verbraucher sinken zwar, aber…

"Wir müssen draußen bleiben" - das gilt seit Anfang August für viele EU-Lebensmittel auf dem russischen Markt. In Deutschland sinken für die Verbraucher zwar die Preise. Doch manche Erzeuger und Unternehmen trifft der von Moskau verhängte Importstopp für Fleisch, Obst, Gemüse und Milchprodukte unmittelbar, weil sie ihre Waren nicht mehr liefern können und stattdessen einlagern müssen.

Vor allem die Apfel-Bauern am Bodensee, aber auch im Alten Land schlagen Alarm, weil rund 25.000 Tonnen Äpfel in diesem Jahr nicht auf dem russischen Markt abgesetzt werden können - und das bei einer ungewöhnlich üppigen Ernte. Hinzu kommen Exportüberschüsse für das Kernobst auch aus anderen Ländern wie Polen oder Litauen, was die Erzeugerpreise zusätzlich unter Druck bringen dürfte.

"Wir appellieren deshalb an den Lebensmitteleinzelhandel, der sich in früheren Jahren ausdrücklich dazu bekannt hat, regionale Produkte ins Regal zu nehmen, diese Zusagen auch einzuhalten", fordert Henning Ehlers, Generalsekretär des Deutschen Raiffeisenverbandes. Denn klar ist: Anders als etwa Milch, die zu Milchpulver verarbeitet werden kann, lässt sich das Kernobst nicht ohne weiteres haltbar machen oder umleiten. So sind deutsche Äpfel bisher auf dem chinesischen Markt nicht zugelassen.

Russland-Importstopp zwingt Unternehmen zum Umsteuern

Probleme auf dem Absatzmarkt Russland sind dabei nicht neu: Schon vor eineinhalb Jahren beispielsweise erließ Russland eine Einfuhrsperre für bestimmte Milchprodukte aus mehreren deutschen Bundesländern, die nun ausgeweitet wurde. Damit brach einer der wichtigsten Exportmärkte für deutschen Käse weg, was beispielsweise die traditionsreiche Käserei Champignon aus dem Allgäu zu spüren bekam. "Das hat uns auch finanzielle Einbußen gebracht", sagt die Leiterin Qualitätsmanagement bei Champignon, Angelika Schlößer, ohne konkrete Zahlen zu nennen. Ähnlich erging es vielen bayerischen Molkereigenossenschaften. Aber auch etwa für Schweinefleisch aus der EU galt schon seit Monaten ein Importverbot, das Russland mit der Furcht vor der Schweinepest begründet hatte.

Viele Unternehmen bauen deshalb ihren Vertrieb in anderen Ländern aus oder halten nach neuen Abnehmern Ausschau, beispielsweise in Fernost. "China ist inzwischen für Deutschland wichtigster Drittlandsmarkt bei der Milch geworden", sagt Björn Börgermann vom Milchindustrie-Verband. Studien zufolge dürfte die Milchproduktion im Reich der Mitte auf absehbare Zeit nicht ausreichen, um die wachsende Nachfrage zu decken. Das könnte auch in der derzeitigen Krise für Entlastung sorgen.