Größte Demonstration seit Jahren

Rund eine Million Menschen demonstrieren in Hongkong gegen das geplante Auslieferungsgesetz

1. Juli 2019 - 9:17 Uhr

Hongkonger haben kein Vertrauen in Chinas Justizsystem

Für die Kritiker ist es ein "Werkzeug zur Einschüchterung" - das geplante Auslieferungsgesetz. Am Sonntag gingen rund eine Million Menschen in Hongkong auf die Straße, um dagegen zu demonstrieren. Sollte es so kommen, kann die Regierung in Peking seinen Arm weiter in die Metropole ausstrecken. Es soll ermöglichen, mutmaßliche Straftäter aus Hongkong nach China auszuliefern. Die Demonstranten befürchten, dass die chinesische Justiz so leichter auch die Auslieferung von Regimekritikern beantragen kann, ohne dass deren Rechte ausreichend geschützt sind. Bilder von der größten Demonstration der letzten Jahre gibt's im Video.

Rund eine Million Demonstranten

09.06.2019, Hongkong: Demonstranten halten bei einer Kundgebung gegen das von der Regierung geplante Auslieferungsgesetz Fahnen und Plakate hoch. Kritiker befürchten, dass Chinas Justiz damit die Auslieferung von Verdächtigten aus der früheren britis
Demonstranten in Hongkong (am 9. Juni 2019).
© dpa, Vincent Yu, VY lil

Der Protest am Sonntag fand ungewöhnlich großen Zulauf. Rund eine Million Menschen haben nach Angaben der Organisatoren an der Demonstration teilgenommen. Die Zahl wurde am Sonntagabend verkündet, als die Proteste noch andauerten. Die Teilnahme ist damit größer als bei dem Massenprotest am 1. Juli 2003, der das kontroverse nationale Sicherheitsgesetz zu Fall brachte.

Kritiker argumentieren, dass das Justizsystem in China nicht unabhängig sei, internationalen Standards nicht entspreche und politisch Andersdenkende verfolge. Auch werden Angeklagte zu 99 Prozent verurteilt. Es gibt Sorge, dass das Gesetz die Position Hongkongs als asiatische Wirtschafts- und Finanzmetropole untergräbt.

Hongkonger genießen größere politische Freiheiten

Die frühere britische Kronkolonie wird seit der Rückgabe 1997 an China nach dem Grundsatz "ein Land, zwei Systeme" als eigenes Territorium autonom regiert. Die sieben Millionen Einwohner der heutigen chinesischen Sonderverwaltungsregion genießen größere politische Freiheiten als die Menschen in der Volksrepublik, darunter das Recht auf freie Meinungsäußerung sowie Presse- und Versammlungsfreiheit. Mit der lauter werdenden Forderung nach echter Demokratie in Hongkong zieht Peking aber die Zügel enger.