Rund 50.000 Demonstranten in Köln erwartet: Proteste gegen Erdogan weiten sich aus

24. Mai 2014 - 20:45 Uhr

Öffentlicher Nahverkehr überlastet

Laut Medienberichten muss mit viel mehr als den zuvor angekündigten 30.000 Demonstranten gerechnet werden. Die Veranstalter der Großdemonstration gegen die Rede des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan gehen von ungefähr 50.000 protestierenden Menschen aus.

Proteste am Kölner Eberplatz gegen Erdogan.
Füllen den Kölner Ebertplatz: Demonstranten ziehen durch die Kölner Innenstadt.
© dpa, Rolf Vennenbernd

Rund 30.000 Menschen füllen jetzt schon den Kölner Ebertplatz, um gegen den Auftritt des umstrittenen türkischen Ministerpräsidenten zu protestieren. Der öffentliche Nahverkehr ist deswegen völlig überlastet. Laut Medienberichten sind angeblich noch 170 Busse mit Erdogan-Gegnern auf dem Weg in die Domstadt. Demonstranten aus ganz Europa werden erwartet. Die Veranstalter rechnen mittlerweile mit 50.000 Gegendemonstranten, die durch die Innenstadt ziehen wollen.

Viele kauften T-Shirts mit der Aufschrift 'Überall Taksim - überall Widerstand', womit sie auf Proteste gegen die islamisch-konservative Regierung der Türkei auf dem Taksim-Platz in Istanbul anspielten.

Schulz (SPD) kritisiert Erdogan-Auftritt

Erdogan will heute in der Kölner Lanxess-Arena eine Rede vor 15.000 Zuhörern halten. Offiziell spricht er zum zehnjährigen Bestehen der Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD), die als verlängerter Arm seiner Partei AKP gilt. Die Polizei wird mit Hundertschaften vertreten sein, um Zusammenstöße zwischen beiden Gruppen zu verhindern. "Aber es wird nicht einfach sein", sagte Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) im Südwestrundfunk.

Der SPD-Spitzenkandidat für die Europawahl, Martin Schulz, hat den Deutschland-Besuch Erdogans erneut kritisiert. "Ich habe das Gefühl, er ist auf der Flucht vor Problemen in der Türkei", sagte er am Rande einer Wahlkampfveranstaltung in Frankfurt.

Die Türkische Gemeinde in Deutschland und viele andere vermuten dagegen, dass es Erdogan darum geht, Wählerstimmen zu sammeln. Der Bundesvorsitzende Grünen, Cem Özdemir, betonte: "Erdogan sollte wissen, dass er hier auch als Repräsentant der Türkei spricht und nicht in eigener Sache einen Wahlkampf machen kann, der die Konflikte der Türkei nach Deutschland trägt und die Situation weiter aufheizt." Es gilt als wahrscheinlich, dass er im August für das Präsidentenamt der Türkei kandidieren wird. Dabei können erstmals auch etwa 1,5 Millionen Türken in Deutschland ihre Stimme abgeben.