OPs verschoben, Patienten kommen nicht

Rund 410.000 Kurzarbeitsanträge von Kliniken und Ärzten in Corona-Krise

Rund 410.000 Kurzarbeitsanträge von Kliniken und Ärzten in Corona-Krise.
© dpa, Kay Nietfeld, nie alf

29. Juli 2020 - 10:59 Uhr

Krankenhäuser mussten planbare OPs aussetzen

Verschobene OPs, Patienten mit Corona-Angst: Vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie haben Kliniken und Ärzte in Deutschland für rund 410.000 Mitarbeiter Kurzarbeit angemeldet. Bund und Länder hatten die Krankenhäuser Mitte März aufgefordert, alle planbaren OPs und Aufnahmen auszusetzen. Dies sollte vor allem in Intensivstationen vorsorglich freie Betten für Corona-Patienten schaffen. Doch die befürchtete Auslastung durch Intensivpatienten blieb aus.

Über 48.300 Arzt- und Zahnarztpraxen melden Kurzarbeit an

Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion hervor, über die das "Handelsblatt" am Dienstag berichtete. In den Monaten März bis Mai hätten demnach bundesweit gut 1200 Krankenhäuser und knapp 48.300 Arzt- oder Zahnarztpraxen Kurzarbeit für insgesamt rund 410.000 Beschäftigte angemeldet. Unklar ist jedoch, wie viele dieser Menschen tatsächlich in Kurzarbeit gegangen sind. Erfahrungsgemäß falle diese Zahl niedriger aus, heißt es in dem Schreiben, genaue Angaben erwarte die Bundesregierung aber erst in einigen Monaten.

Angesichts der langsameren Virus-Ausbreitung rief die Politik im April dann dazu auf, schrittweise wieder mehr OPs und andere wichtige Behandlungen aufzunehmen. Hintergrund waren auch Sorgen, dass Patienten sonstige Behandlungen aufschieben.

Viele Patienten meiden Arztpraxen

In der bisherigen Hochphase der Corona-Pandemie gingen auch deutlich weniger Patienten in Arztpraxen. Nach Angaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung vom Montag lag die Zahl der Fälle mit persönlichem Kontakt zwischen Arzt und Patient in der letzten Märzwoche je nach Fachrichtung um 37 bis 64 Prozent niedriger als ein Jahr zuvor.

Das in der Corona-Krise verabschiedete Krankenhausentlastungsgesetz sieht Zahlungen für frei gehaltene Betten und zusätzlich geschaffene Intensivbetten vor. Niedergelassene Ärzte können Ausgleichszahlungen bei großen Umsatzeinbrüchen erhalten.

Die Grünen-Gesundheitspolitikerin Kirsten Kappert-Gonther sagte dem "Handelsblatt2, angesichts der versprochenen Ausgleichszahlungen sei es überraschend, dass doch für so viele Beschäftigte aus dem Gesundheitswesen Kurzarbeit angemeldet worden sei. "Es war richtig, sehr schnell einen Schutzschirm für Krankenhäuser und ärztliche Praxen aufzuspannen." Nun müsse dieser Schutzschirm aber gründlich evaluiert werden, forderte sie.

Quelle: DPA / RTL.de