Beerdigung von Thomas Haller

Rund 1.000 Hooligans und Neonazis ziehen in Trauermarsch durch Chemnitz

18. März 2019 - 17:55 Uhr

Fan des Regionalligisten Chemnitzer FC an Krebs gestorben

Trauer um Thomas Haller - das hatte nach einem Spiel des Regionalligisten Chemnitzer FC vor rund einer Woche bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Zur Beerdigung des an Krebs gestorbenen Fans zogen rund 1.000 seiner Kameraden durch Chemnitz zum Friedhof. Den Trauermarsch, der von hunderten Polizisten begleitet wurde, zeigen wir im Video oben. Haller war führender Kopf der früheren Vereinigung "HooNaRa" (Hooligans-Nazis-Rassisten).

Trauer mit Pyrotechnik und T-Shirt-Jubel

09.03.2019, Sachsen, Chemnitz: RECROP - Fußball: Fußball-Regionalliga Nordost, 24. Spieltag, Chemnitzer FC - VSG Altglienicke im Stadion an der Gellertstrasse. Fans des Chemnitzer FC zünden Pyrotechnik vor Beginn des Spiels ab. (zu dpa «Chemnitz gerä
Der Chemnitzer FC gerät wegen Hooligans ins Abseits.
© dpa, Harry Härtel, Haertel jai

Der Chemnitzer FC hatte seinen Fans beim letzten Heimspiel am 9. März "die Möglichkeit zur gemeinsamen Trauer eingeräumt", wie der Verein im Nachgang mitteilte. Bundesweit war zuvor über eine offizielle Trauerbekundung berichtet worden. Ein Bild von Thomas Haller war während einer Schweigeminute auf der Anzeigetafel zu sehen, zeitgleich zogen die Ultras schwarz-weiße Banner hoch und zündeten Pyro-Technik.

Chemnitz vs VSG Altglienicke 09.03.2019, Chemnitz, Stadion an der Gellertstrasse, Fussball, Regionalliga Nordost, 24. Spieltag, Chemnitzer FC vs. VSG Altglienicke Daniel Frahn hält nach seinem Torschuß ein Hooligan- Trikot hoch Chemnitz Sachsen BRD *
Daniel Frahn vom Chemnitzer FC jubelt mit einem T-Shirt mit der Aufschrift „Support your local hools“
© www.imago-images.de, via www.imago-images.de

Der Chemnitzer FC erklärte zwar, gemeinsame Trauer zu ermöglichen, stelle keine Würdigung des Lebensinhalts dar. Dennoch trat Geschäftsführer Thomas Uhlig zurück, um nach eigener Aussage weiteren Schaden vom Club abzuwenden. Während des Spiels hatte außerdem Stürmer Daniel Frahn beim Jubel ein T-Shirt mit der Aufschrift "Support your local hools" (Unterstütze die lokalen Hooligans) gezeigt. Im Nachhinein entschuldigte er sich dafür.

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Trauermarsch am gleichen Tag wie Totschlag-Prozess

Chemnitz Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig kritisierte die Aktion scharf: "Es kann nicht sein, dass in einem Stadion, eines Rechtsradikalen gedacht oder er sogar gehuldigt wird." Die Beerdigung sei erst einmal Sache der Familie. Sie habe Vertrauen in die Polizei, dass die Einsatzkräfte gewaltsame Aufmärsche verhindere, so Ludwig.

Nach dem Tod des 35-jährigen Daniel H. im August 2018 war es in Chemnitz zu ausländerfeindlichen Ausschreitungen sowie Angriffen auf Flüchtlinge und ausländische Restaurants gekommen. Für die Tat muss sich vor Gericht ein Syrer verantworten, der als Flüchtling nach Deutschland kam. Der Prozess begann in Dresden am Vormittag, während am gleichen Tag in Chemnitz über 1.000 Rechtsextreme und Hooligans ihrem an Krebs gestorbenen Kameraden Thomas Haller gedachten.