Rumäniens Verfassungsgericht erlaubt Tötung von Straßenhunden

18. Januar 2015 - 16:31 Uhr

65.000 Straßenhunde allein in Bukarest

In Rumänien ist die massenhafte Tötung von Straßenhunden gesetzlich erlaubt. Das Verfassungsgericht des Landes wies eine Klage gegen ein vom Parlament bereits verabschiedetes Gesetz ab. Das Parlament hatte mit der Neuregelung auf einen tragischen Vorfall reagiert, bei dem ein Vierjähriger nach Angaben der Staatsanwaltschaft von einem Straßenhund totgebissen worden war. Tierschützer aus dem In- und Ausland protestierten gegen die neue Regelung.

Straßenhunde in Rumänien
In Rumänien ist ab sofort die massenhafte Tötung von Straßenhunden gesetzlich erlaubt.
© dpa, Db Etn

Das neue Gesetz sieht vor, dass die Kommunen eingefangene Hunde lediglich 14 Tage lang in Tierheimen versorgen müssen und sie anschließend einschläfern lassen können. Eine Verpflichtung zum Töten besteht nicht, die Kommunen dürfen die Hunde weiter versorgen, falls deren Tierheime Kapazitäten haben. Vorgesehen ist auch, dass die Hunde nur mit Methoden getötet werden dürfen, die die Tiere nicht quälen.

Bisher galt, dass die herrenlosen Tiere nur dann eingeschläfert werden dürfen, wenn sie nachweislich unheilbar krank oder aggressiv sind. Allein in Bukarest sollen etwa 65.000 Straßenhunde leben.

Tierschützer: "Die Entscheidung des Gerichtes schockiert uns"

Die Eltern des totgebissenen Kindes begrüßten das neue Gesetz auf ihrer Facebook-Seite. Gerichtsmediziner und die Staatsanwaltschaft haben keinen Zweifel daran, dass der Hundeangriff den Tod des kleinen Jungen verursacht hat. Nun wollen die Ermittler herausfinden, ob Menschen dafür etwa wegen fahrlässiger Tötung zur Verantwortung gezogen werden können.

Gegen das neue Gesetz protestierten Medienberichten zufolge etwa 150 Tierschützer, darunter der ultra-nationalistische rumänische EU-Parlamentarier Corneliu Vadim Tudor. Zahlreiche Tierschutz-Organisationen, darunter der deutsche Tierschutzbund und die in Südosteuropa sehr aktive österreichische Organisation 'Vier Pfoten' verurteilten die neue Regelung.

"Die Entscheidung des Gerichtes schockiert uns", äußerte sich Philip McCreight, Leiter der Tierschutzorganisation 'TASSO'. "Innerhalb der Europäischen Union gibt es ethische Wertevorgaben im Umgang mit Tieren als fühlende Wesen, nach denen sich alle Mitgliedsstaaten zu richten haben." Die Tierschützer hatten gehofft, dass der Einspruch von 30 rumänischen Parlamentariern gegen das vom Parlament am 10. September 2013 beschlossene Gesetz eine Wende herbeiführt.