Rückkehrer Kroos traut Bayer den Titel nicht zu

Spielte schon für Bayer gegen Bayern: Toni Kroos (links) im Duell mit Mark van Bommel.
Spielte schon für Bayer gegen Bayern: Toni Kroos (links) im Duell mit Mark van Bommel.
© Bongarts/Getty Images, Getty Images

13. März 2014 - 9:01 Uhr

Eigentlich kann er sie ja nicht mehr hören, diese Fragen nach Leverkusen. Aber Toni Kroos beantwortet sie natürlich trotzdem. Dabei geht es nicht nur um ihn, sondern auch um zwei alte Bekannte: Sami Hyypiä und Emre Can. Während der 24-Jährige die Laufbahn des Bayer-Trainers vorausgesagt hat, ist er sich bei seinem Kollegen nicht so sicher. Denn Kroos weiß, wie schwer englische Wochen für junge Spieler sind - und dass sie in Zeiten wie diesen ein Segen sein können.

Für Kroos ist es heute wieder einmal die Rückkehr an die alte Wirkungsstätte. Zwischen 2009 und 2010 lief der gebürtige Greifswalder für die 'Werkself' auf. Ob es überhaupt noch etwas Besonderes für ihn sei, mit seinen Bayern nach Leverkusen zu kommen? "Natürlich, es ist immer etwas Besonderes, gegen den Ex-Verein zu spielen, vor allem, wenn man auf eine gute Zeit zurückblicken kann", erzählt Kroos vor dem Topspiel am Samstag in Leverkusen, wo er genau das hatte: eine "gute Zeit".

Als verheißungsvolles Talent von den Bayern verliehen, reifte Kroos am Rhein zum Top-Spieler. Unter dem damaligen Coach Jupp Heynckes gelingt ihm der Durchbruch in der Bundesliga. Er sammelt Erfahrungen im Haifisch-Becken, orientiert sich dabei auch an Profis, die schon auf eine jahrelange Karriere zurückblicken können. Einer davon war Sami Hyypiä, der mittlerweile als Trainer an der Seitenlinie steht. "Sami war einfach ein Muster-Profi. Er ist für uns junge Spieler immer als gutes Beispiel vorangegangen", erinnert sich Kroos, der sich damals schon "vorstellen konnte, dass Sami einen guten Trainer abgibt".

Da Erfolg bekanntlich Recht gibt, scheint Hyypiä in der Tat ein guter Trainer zu sein. Nach einem tollen Saisonstart mit sechs Siegen aus sieben Spielen rangiert Bayer nur einen Zähler hinter Dortmund und den Bayern auf Platz 3. Kroos erkennt bei seinem alten Verein eine "hohe Qualität und eine gute Form", an einen Dreikampf um den Titel glaubt er aber nicht. Trotzdem erwartet er ein "sehr, sehr schweres Auswärtsspiel", bei dem er auf einen weiteren Weggefährten trifft: Emre Can.

Kroos: "Wir wollen gewinnen - mehr zählt nicht"

Genau wie Kroos wechselte der Deutsch-Türke von München nach Leverkusen. Für den Fall, dass sich Can unter dem Bayer-Kreuz genauso wie damals Kroos entwickelt, haben die Bayern eine Rückkauf-Klausel im Vertrag verankert. "Emre hat auf jeden Fall die Voraussetzungen, um den Sprung zurück zu schaffen, aber ich weiß aus bester Erfahrung, dass das kein Selbstläufer ist", berichtet Kroos.

Trotz eines mit Stars gespickten Kaders kam der Offensiv-Allrounder in dieser Saison in jeder Partie zum Einsatz. Wie er es schaffe, trotz aller Erfolge in der letzten Zeit immer noch hungrig zu sein und immer wieder 100 Prozent abzurufen? "Gucken Sie sich unsere Mannschaft an. Wenn ich zwei, drei Prozent weniger bringe, dann sitze ich am Samstag auf der Tribüne", sagt Kroos, dem es herzlich egal ist, ob es "ein Topspiel auf hohem Niveau ist oder nicht. Wir wollen gewinnen - mehr zählt nicht."

An Motivation mangelt es nicht, das Schlafdefizit der letzten Zeit ist auch behoben. Der Grund dafür ist noch klein, zeitweise aber recht laut. Kroos ist kürzlich Vater geworden. "Da sind die Nächte manchmal schon kürzer. Jetzt richtet sich der ganze Tagesablauf nicht mehr nach mir oder unseren Hunden, sondern dem kleinen Mann." Wie gut, dass mit der Champions-League-Partie bei Manchester City und dem Duell in Leverkusen gleich zwei Auswärtsspiele in dieser Woche anstehen. "Das kommt mir ganz gelegen. So viel Schlaf wie in den letzten Tagen habe ich nämlich länger nicht gehabt."

Daniel Grochow