"Ich war erst total fassungslos!"

Tote Oma von RTL-Zuschauerin bekommt Impfbenachrichtigung

Frieda W. aus dem niedersächsischen Lohheide ist seit fast sechs Jahren tot. Jetzt hat das Land ihr eine Impf-Benachrichtigung zugesandt.
Frieda W. aus dem niedersächsischen Lohheide ist seit fast sechs Jahren tot. Jetzt hat das Land ihr eine Impf-Benachrichtigung zugesandt.
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22. Januar 2021 - 14:23 Uhr

Land Niedersachsen adressierte Impfbenachrichtigungen an Verstorbene

Sina K. erinnert sich: "Oma hat Post vom Land bekommen" – so hat die 29-Jährige es ihrem Vater erzählt, kurz nachdem sie am 19. Januar die Post aus ihrem Briefkasten geholt hatte. "Bestimmt eine Impfbenachrichtigung!", scherzte ihr Vater noch und siehe da: Sinas Oma Frieda W. wurde tatsächlich vom Sozialministerium des Landes Niedersachsen eingeladen, sich für eine baldige Corona-Impfung registrieren zu lassen – nur ist sie leider schon im Februar 2015 verstorben.

Impfbenachrichtigung löst bei Sina Wut und Trauer aus

Niedersächsische Impfbenachrichtigung
Diese Impfbenachrichtigung ging an die im Februar verstorbene Frieda W. raus.
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Sina lebt mit ihrem Mann, ihren beiden kleinen Kindern und ihren Eltern im selben Haus im niedersächsischen Lohheide. Erbaut wurde es von ihren Großeltern, beide leben nicht mehr. "Ich war immer schon ein Oma-Kind", erzählt Sina im Gespräch mit RTL. Da hier drei Generationen unter einem Dach lebten, hatte sie schon als Kind nach der Schule und dem Kindergarten immer jede Menge Zeit mit Oma Frieda verbracht. Als sie 2015 im Alter von 89 Jahren im Pflegeheim an Altersschwäche starb, ließ sie ihre Enkeltochter Sina in großer Trauer zurück.

Trauer, die diese nun erneut verspürte, als sie die Impfbenachrichtigung für ihre Großmutter in den Händen halten musste. "Da war alles, da war Trauer, Wut. Ich habe es nicht verstanden", erzählt uns Sina. Darüber hinaus arbeitet ihre Mutter im Pflegeheim und wartet seit Wochen auf eine Corona-Schutzimpfung. Makabererweise ging die Benachrichtigung dann erst einmal an die tote Großmutter raus. Wie kann so etwas passieren?

Sina erzählt uns von ihrer Vermutung. Sie will gehört haben, dass das Land externe Unternehmen damit beauftragt hat, die Briefe zu versenden und lediglich Zugriff auf das Postregister haben. So hätte es zu dem Missverständnis kommen können. Unsere Recherche zeigt: Tatsächlich ist es genau so gewesen!

Sozialministerium: "Das tut uns wirklich leid! Das kann einfach passieren."

Sina ist nicht die einzige, die in Niedersachsen eine Impfbenachrichtigung für ihre verstorbene Angehörige entgegennehmen musste. Auf Nachfrage von RTL berichtet uns Anne Hage, Pressesprecherin des Niedersächsischen Sozialministeriums, von "vereinzelten Fällen" – genaue Angaben darüber, wie oft so etwas vorkam, gebe es nicht. "Bei so großen Versandaktionen kommen solche unangenehmen Fehler leider immer mal vor, das tut uns auch wirklich leid! Das kann einfach passieren, das bleibt nicht aus", sagt Hage.

Rund 500.000 Menschen hätten altersbedingt Anrecht auf eine Corona-Schutzimpfung und deshalb auch auf die Informationen zur Anmeldung. Laut Hage ist es aber leider rechtlich nicht möglich, sich am Meldedatenspiegel zu bedienen. In einer schriftlichen Stellungnahme heißt es:

"Nach § 5 des Niedersächsischen Ausführungsgesetzes zum Bundesmeldegesetz (Nds. AG BMG) durch einen privaten Versanddienstleister nicht zulässig. Das Land ist bei einer Aussendung in dieser Größenordnung aber auf die Unterstützung eines solchen Dienstleisters angewiesen. Aus diesem Grund greift Niedersachsen auf eine Datenbank der Deutschen Post Direkt GmbH zurück."

Und in besagter Datenbank der Deutschen Post war Frieda W. eben noch am Leben, deshalb hat Sina das Anschreiben für ihre bereits verstorbene Großmutter bekommen.

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So lassen sich verstorbene Angehörige aus dem Postregister entfernen

Auch die Deutsche Post hat sich zu den auf diese Weise entstandenen Unannehmlichkeiten geäußert: "Die Deutsche Post Direkt bedauert es sehr, wenn Hinterbliebene Briefe mit Werbung oder Impfinformationen an verstorbene Verwandte erhalten und dadurch wieder mit dem Verlust konfrontiert werden. Leider ist dies trotz umfangreicher Datenpflegemaßnahmen und aufgrund von datenschutzrechtlichen Vorgaben nicht auszuschließen."

Sollte man die Löschung eines verstorbenen Angehörigen aus dem Register beantragen wollen, geht das per Post an Deutsche Post Direkt GmbH, Junkersring 47, 53844 Troisdorf, oder per E-Mail an datenschutz@postdirekt.de .