In eigener Sache

Reporter manipulierte Beiträge: RTL zieht vorläufige Bilanz

© RTL

26. Juli 2019 - 10:25 Uhr

Geschäftsführung von RTL Nord sprach die sofortige Trennung aus

Vor knapp sechs Wochen hatte RTL in eigener Sache darüber informiert, dass ein Reporter des Regionalsenders RTL Nord nach vorläufiger Prüfung sieben Beiträge im nationalen RTL-Programm manipuliert habe. Daraufhin sprach die Geschäftsführung von RTL Nord die sofortige Trennung aus. RTL selbst leitete umgehend eine umfängliche Verifizierung aller Beiträge des ehemaligen Mitarbeiters ein. Zusätzlich wurden auch die Abnahmeverfahren für Beiträge noch einmal intensiv überprüft.

Reporter hat systematisch und vorsätzlich getäuscht

Das nun vorliegende Zwischenergebnis eines sechsköpfigen Überprüfungsteams zeigt: Über die anfangs aufgedeckten Verfehlungen wurden bei der Sichtung aller 104 Reportagen vornehmlich für das Mittagsjournal "Punkt 12", in denen der Reporter Autor war, bislang 14 weitere Manipulationsfälle aufgedeckt. Darüber hinaus gibt es weitere Verdachtsmomente, die noch nicht abschließend verifiziert werden konnten. Über einen Zeitraum von knapp zehn Jahren hat der Reporter demnach sowohl die eigene Redaktion als auch die Zuschauer immer wieder systematisch und vorsätzlich getäuscht.

Bei den nun nachgewiesenen Manipulationen sind drei wiederkehrende Muster erkennbar: Zum einen täuschte der Reporter bei Selbstversuchen mehrmals die angebliche Dauer seiner Experimente vor. Zum anderen hat der Reporter mehrfach Menschen dazu überredet, Dinge zu behaupten, die ihnen niemals widerfahren sind oder Geschichten nachzuerzählen, die ihm Protagonisten, die nicht gefilmt werden wollten, berichtet hatten. Dabei wurde zumeist verdeckt gedreht. Der Reporter gab gegenüber den Protagonisten vor, Szenen nur nachzustellen, band sie dann aber in seine Beiträge als "echte", verfremdete Szenen ein. Darüber hinaus nutzte der Reporter häufig Archivbilder, um seine Thesen zu untermauern und seine Beiträge stärker zu machen. Doch anstatt dies kenntlich zu machen, suggerierte er mehrmals, dass er die Bilder frisch gedreht habe.

Beiträge werden stichprobenartig überprüft

Michael Wulf, Chefredakteur RTL: "Wir sind erschrocken, dass trotz unserer umfangreichen Kontrollmechanismen ein Mitarbeiter über Jahre hinweg vorsätzlich täuschen und manipulieren konnte. Aus diesem Grund haben wir gemeinsam mit dem Qualitätsmanagement unserer Abnahmeverfahren deutlich ausgebaut und werden zusätzlich Beiträge von unseren Reportern stichprobenartig kontrollieren."

Konkret gehört zu den bereits eingeleiteten Maßnahmen die fortlaufende Überprüfung und ggf. Optimierung der Bestell- und Abnahmeprozesse durch das Qualitätsmanagement von infoNetwork. Ein Team von wechselnden Mitarbeitern wird künftig zusätzlich zu den sendungsverantwortlichen CvDs regelmäßig und stichprobenartig Beiträge überprüfen und dazu auch das Rohmaterial sichten. In einem neu eingerichteten Postfach können Mitarbeiter auch anonym Hinweise auf mögliche Unregelmäßigkeiten geben, Zweifel anmelden und Verdachtsmomente benennen. Die Chefredaktion und das Qualitätsmanagement werden noch mehr Podiumsdiskussionen zu Fragen der Qualitätsoptimierung journalistischen Arbeit und interner Arbeitsprozesse abhalten.