RTL-Ringsprecher Michael Buffer

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03. Dezember 2016 - 17:59 Uhr

Seinen markanten Slogan hat er in den Staaten längst rechtlich schützen lassen, dabei wären Imitationen ohnehin zwecklos. Wer könnte das Adrenalin der Boxfans durch seine Stimme auch nur annähernd so rauskitzeln wie Michael Buffer? Der weißblonde Grandseigneur unter Amerikas 'Sports Announcers' ist auf beiden Seiten des Atlantiks der quintessentielle Mann für den Siedepunkt. Wenn er Kontrahenten und Offizielle zwischen den Seilen zum unerbittlichen Kampf bittet, vibriert nicht nur die obligate Fliege unter seinem Hals. Das ganze Haus steht Kopf, und mit ihm die zugeschaltete Fernsehgemeinde.

"Let's get ready to rumble" wird auch beim nächsten Kampf wieder der akustische Schlüsselreiz sein. Buffer stammt aus Philadelphia und genießt Kultstatus. Der Sohn eines Marines vermarktet seine Stimme auch für Videospiele, Commercials etc.

Berufssoldat, Autoverkäufer und Dressman

Dabei hatte der am 2. November 1944 Geborene, der von seinen Adoptiveltern als Michael Huber aufgezogen wurde, eigentlich lieber Schauspieler werden wollen. Das war zumindest der Traum, als der ehemalige Berufssoldat, Autoverkäufer und Dressman noch eine Bühne für sein bauchiges Timbre suchte. Die Jobs in der Werbung kamen jedoch häufiger als große Rollen, und bald war da auch noch ein Sohn zu ernähren. Der sah mit ihm mal im TV, wie steife bzw. glitschige Typen Boxkämpfe ansagten, und rief spontan: "Dad, das kannst du besser!" Von da an gab es kein Halten mehr, denn Buffer liebt Boxen sowieso - und erhielt anfangs der Achtziger die Chance, sich in Atlantic City als Ringsprecher zu etablieren.

Das lief nicht gleich so geschliffen wie Box-Aficionados es jetzt auf drei Kontinenten genießen. Aber der ehrgeizige Entertainer schliff beharrlich an seinem unverwechselbaren Auftritt - und stieß bald auf einen Ausspruch von Muhammad Ali. "Rumble, young man, rumble", hatte der mal gesagt, was soviel heißt wie Rumpeln und Grollen. Leicht abgewandelt wurde es Buffers Mantra, Markenzeichen und Jobmaschine. Denn damit läutet er bis heute nicht nur Boxabende, sondern auch große Eishockey-Begegnungen im Stanley Cup, Spiele der Basketball-Liga NBA und Wrestling-Events ein.

Seine erste Passion aber bleibt das Boxen. Freunde und Zuhörer spüren schnell seine Dankbarkeit, so privilegiert im Epizentrum des rauen Sports zu stehen. Sein Gedächtnis für denkwürdige Ringduelle, die er über zweieinhalb Jahrzehnte sah, wird nur noch vom Fundus der dabei erlebten Anekdoten übertroffen. Buffer atmet Boxen und liebt auch die vielen Reisen, die mit seiner Tätigkeit verbunden sind. Das gilt besonders für die Bundesrepublik, wo man ihn geradezu verehrt, seit er in den Neunzigern, noch vor den Klitschkos, die "Maaahski" und "Schullllz" aus der Kabine rief - exklusiv verpflichtet von RTL.

Und das mit dem Schauspielern hat in gewissem Sinne auch noch geklappt. In Sylvester Stallones 5.Folge von 'Rocky' sowie in 'Rocky Balboa' durfte Michael Buffer einen Ringsprecher spielen, der sich wie Michael Buffer aufführt. Außerdem zahlen Promoter zwischen Hollywood und Hongkong ihm nun Tagesgagen, von denen das Gros ausgebildeten Akteure nur träumen können. Kein Zweifel also: Der allzeit smarte Michael hat sich durchgeboxt und ist in der hohen Kunst, mit der Stimme eine Faust zu machen, amtierender Champion.