RTL-Reporterin war drei Jahre verknallt

Oliver Pocher war meine erste große Liebe

RTL-Reporterin Daria Bücheler war 3 Jahre lang in Oliver Pocher verknallt.
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17. Juli 2020 - 11:39 Uhr

Er teilte einen romantischen Moment mit meiner Mutter

Seit "Let's Dance" ist Oliver Pocher wieder überall zu sehen. Öffentlicher Streit mit Michael Wendler, eigener Podcast, Tour, Late-Night-Show – die meisten werden sich denken: Aha, da ist der Pocher wieder. Bei mir kommen Erinnerungen an eine ziemlich extreme Zeit hoch. Ich war noch ein Teenie, als ich dachte: Wenn ich Oliver Pocher nicht irgendwann mal heirate, hat mein Leben keinen Sinn. Stattdessen teilte er ausgerechnet mit meiner Mutter einen romantischen Moment.

von Daria Bücheler

Ich krakelte seinen Namen in mein Diddl-Tagebuch

Am 08. Juni 2005 krakelte ich zum ersten Mal seinen Namen in mein gelbes Diddl-Tagebuch. Ich war gerade 13 Jahre alt. Nachdem ich zunächst ausgiebig über die anstehende Französischarbeit genörgelt hatte, kam ich endlich zu dem eigentlichen Problem, das mein Herz zerriss und weswegen ich mir das Tagebuch überhaupt gekauft hatte: Meine Liebe zu Oliver Pocher. "Einerseits ist es wunderschön, das Gefühl verliebt zu sein. Die Gänsehaut, die ich bekomme, wenn ich ihn sehe. Andererseits ist es grauenvoll zu wissen, dass ich nie wirklich eine Chance bei ihm haben werde", stand dort in unordentlicher Teenie-Schrift geschrieben.

14 Jahre Altersunterschied – ein Hindernis?

Ich war verzweifelt. Hatte tierischen Liebeskummer. Schließlich himmelte ich einen 14 Jahre älteren, scheinbar unerreichbaren Promi an. Dass wir 15 Jahre später den gleichen Arbeitgeber haben und seine Ehefrau sogar jünger sein würde als ich, hätte ich damals nicht für möglich gehalten.

Sehnsüchte und mehr oder weniger bescheidene Hoffnungen hatte mein 13-jähriges Ich aber selbstverständlich trotzdem. Mein größter Traum war es (neben dem, dass er in mir seine Traumfrau erkennt), Oliver Pocher nur ein einziges Mal persönlich treffen zu dürfen. So eine intensive Liebe war schließlich nicht dazu bestimmt, nur mit einem debilen Grinsen vor dem Fernseher ausgelebt zu werden.

Die 14-jährige Daria bei einer Autogrammstunde mit Oliver Pocher.
Für die hier 14-jährige Daria war es ein Highlight, wenn sich Oliver Pocher bei einer Autogrammstunde mit ihr fotografieren ließ.
© Privat

Ein Teenie versucht an einen Promi heranzukommen

Trotz aller Leidenschaft und Entschlossenheit musste ich bald feststellen, wie begrenzt die Möglichkeiten einer 13-Jährigen waren. Meine erste Idee war, ihn im Rahmen seiner damaligen TV-Show "rent a pocher" zu treffen. Die Ernüchterung kam schnell: Ich war zu jung, um im Publikum einer Fernsehshow zu sitzen.

Nachdem ich mich ein paar Stunden weinend in meinem Bett gewälzt hatte, stand schnell der nächste Plan: Ich wollte sein Solo-Programm besuchen, mit dem er das ganze Jahr über auf Tour war. Täglich überprüfte ich die neuen Termine, die auf seiner Website dazukamen. Nicht einer davon war in der Nähe meiner Heimatstadt.

Es dauerte ein halbes Jahr bis ich meinen Vater davon überzeugen konnte, die gut zweistündige Fahrt nach Frankfurt auf sich zu nehmen, um mit mir die Show von Oliver Pocher anzusehen.

Das erste Treffen und ein winziger Moment der Verbundenheit

Am 17. März 2006 sollte der große Tag endlich kommen. Wochen vorher checkte ich Foren, las Fanberichte und sprach mich mit anderen Verehrerinnen ab, wie früh man wohl an der Halle sein müsse, um möglichst in der ersten Reihe zu sitzen.

Ich feilte an meinem Outfit und malte mir aus, dass sich zwischen Olli und mir irgendein romantischer Moment ergeben würde. Ein Blick, ein kleines Gespräch, vielleicht sogar eine Berührung. Von so einem Moment - so dachte ich - könnte ich sicher monatelang zehren.

Ein ziemlich unscharfes Bild von Daria und Oliver Pocher.
Nicht jedes Bild wurde mit der damaligen Technik ein Highlight... (Februar 2007)
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Mein Glück war von Oliver Pocher abhängig

Meinem Tagebucheintrag vom 21. März 2006 nach zu urteilen, gab es damals tatsächlich einen solchen winzigen, aber für mich so unendlich bedeutsamen Moment: "Er war sowas von perfekt, witzig und süß und ich saß in der ersten Reihe! Als er getanzt hat, hat er sogar einmal auf mich gezeigt", schrieb ich damals beseelt in meinem Tagebuch nieder.

Nachdem sich dieser Traum erfüllt hatte, reichte mir das allerdings bald nicht mehr. Das Kribbeln, das das erste Treffen mit Olli in mir auslöste, verflog nach ein paar Tagen und ich wollte unbedingt mehr. Mein Glück war einzig und allein davon abhängig, wann ich ihn wiedersehen konnte.

Pocher nannte mich „wunderschöne Daria“

Mit der Zeit wurde ich besser darin herauszufinden, wo verliebte Fans wie ich Oliver Pocher treffen konnten. Gemeinsam mit meinen Eltern besuchte ich Sportveranstaltungen und Eröffnungen, ich schleppte meine Schwester mit zu Kinopremieren und überredete sogar meinen Opa, mich auf eine längere Reise zu einem weiteren Tourtermin zu begleiten. Ich ergatterte Autogramme und gemeinsame Fotos mit ihm, lernte Gleichgesinnte kennen und befand mich schnell mitten im tiefsten Pocher-Universum.

Mein wertvollster Besitz war ein Poster von ihm, auf das er die schmeichelnden Worte "Für die wunderschöne Daria" geschrieben hatte. Ich nahm das sehr persönlich – mit Siiicherheit hatte er vor mir niemandem eine solch persönliche Zeile gewidmet.

Daria mit einem Poster, auf dem Oliver Pocher unterschrieben hat.
Das Tour-Plakat mit der Widmung "Für die wunderschöne Daria von Olli Pocher" war früher Darias wertvollster Besitz.
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Ein Tanz mit Oliver Pocher – konnte sich dieser Traum tatsächlich erfüllen?

Seit ich Ollis Show zum ersten Mal gesehen hatte, gab es allerdings noch eine andere Sache, von der ich insgeheim träumte und die eigentlich gar nicht mal sooo unrealistisch war.

Oliver Pochers Show endete jedes Mal damit, dass er "Feel" von Robbie Williams zum Besten gab und eine Dame aus dem Publikum auswählte, mit der er auf der Bühne eng umschlungen tanzte. Ein einziges Mal wollte unbedingt ich diejenige sein, die er aussucht. Ich sah die Show insgesamt vier Mal. Fast immer saß ich in der ersten Reihe. Wenn es zu dem Augenblick kam, in dem er ins Publikum ging um jemanden auszuwählen, versuchte ich Blickkontakt aufzunehmen – ihm irgendwie zu signalisieren, wie sehr ich das wollte.

Oliver wollte meine Mutter lieber als mich

Am 20. April 2007 lief er dann tatsächlich in meine Richtung. Mein Herz sprang mir fast aus der Brust, ich hatte meine Mimik nicht mehr unter Kontrolle und fühlte mich wie gelähmt – gleich war es endlich soweit!

Dann hielt er meiner Mutter seine Hand entgegen und nahm sie mit auf die Bühne.

Ich beobachtete die beiden mit offenem Mund, konnte nicht fassen, was da gerade passierte. Zu meiner eigenen Überraschung war ich nicht eifersüchtig, sondern ziemlich stolz darauf, dass zumindest jemand den ich kannte, ihm so nahe kam. Immerhin konnte ich meine Mutter nun auf der Rückfahrt über jedes Detail ausquetschen.

Daria mit einem Poster, auf dem die Widmung "Für die geile Daria" steht.
In Pochers Augen war Daria offenbar nicht nur wunderschön, sondern auch geil...
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Meine Mutter verbot mir den Kontakt zu Pocher

Obwohl gerade sie durch diese romantische Aktion nun ja eigentlich verstehen musste, wieso ich diesen Mann so sehr verehrte, war es meine Mutter, die anderthalb Jahre später meine Liebeswelt - zumindest aus meiner damaligen Sicht - komplett zerstörte.

"Also bei Olli war ich wohl am 05. September 2008 zum letzte Mal. Ich habe dickes fettes Oliver-Pocher-Verbot", schrieb ich mit gebrochenem Herzen in mein Tagebuch.

Ich war mittlerweile 16 Jahre alt – endlich alt genug, um im Publikum einer TV-Show zu sitzen. Über drei Jahre hielt meine Mutter meine wahnsinnige Verliebtheit nun schon geduldig aus, machte fast alles mit, solange ich nur glücklich war.

Reine Verzweiflung statt großer Liebe

Und genau da war der Punkt. Nachdem wir am besagten 05. September gemeinsam die Late-Night-Show "Schmidt & Pocher" besucht hatten, war ich nicht mehr glücklich. Auf dem Weg nach Hause brach ich in einen hysterischen Heulkrampf aus - konnte mich überhaupt nicht mehr beruhigen, weil ich so schrecklichen Liebeskummer hatte.

Meine kleine Teenie-Verliebtheit war zur reinen Verzweiflung geworden. Deswegen hatte meine Mutter schließlich die Reißleine gezogen und mir verboten, Oliver Pocher noch weiter hinterherzurennen.

Heute kann mich Pocher nicht mehr nervös machen

Wenn ich Oliver Pocher heute über den TV-Bildschirm flackern sehe, ein Video von ihm auf Instagram entdecke oder mitbekomme, dass er in meiner Nähe einen Auftritt hat, löst das kein Bauchkribbeln mehr in mir aus. Selbst wenn ich über Kollegen mitbekomme, dass er sich gerade im RTL-Gebäude aufhält und möglicherweise ein paar Meter entfernt von mir über die Flure des Senders läuft, werde ich nicht nervös.

Trotzdem habe ich nicht vergessen, was ich an dem Mann so reizvoll fand. Ich stehe immer noch auf blonde Männer mit Bubi-Gesicht, kleinen Plauzen und Fußballerbeinen. Seine freche, schelmische Art, seine Uneitelkeit und geniale Schlagfertigkeit amüsiert mich auch heute noch sehr, auch wenn ich mittlerweile nicht mehr alles ausnahmslos sympathisch und richtig finde, was Olli tut.

Endlich ein echtes Liebesleben – dank meiner Mutter

Heute bin ich meiner Mutter sehr dankbar dafür, dass sie meinem Pocher-Wahn damals ein Ende bereitet hat. Am 09. November 2008 – gut zwei Monate nach meinem letzten Treffen mit Pocher - schwärmte ich in meinem Tagebuch endlich nicht mehr von dem Comedian aus Köln, sondern von einem Jungen, der in meine Klasse ging. Von ihm bekam ich bald meinen ersten Kuss.

Wer weiß, wann ich ohne Pocher-Verbot im echten Liebesleben angekommen wäre…