RTL-Reporterin im Balkan-Katastrophengebiet: "Es muss jetzt wirklich schnell gehen!"

21. Mai 2014 - 19:15 Uhr

Flutopfer von Seuchen und neuer Flutwelle bedroht

Das Hochwasser auf dem Balkan hat nach Angaben der Behörden inzwischen ein Ausmaß erreicht, das mit den Zerstörungen während der Kriege der 90er Jahre vergleichbar ist. Die Zahl der Toten wird mit 47 angegeben, es werden aber auch noch viele Menschen vermisst. Dazu fehlt es an sauberem Trinkwasser, die Seuchengefahr steigt. Immer mehr Hilfe kommt aus dem Ausland, auch aus Deutschland. Die ist nötig, zumal große Angst vor einer weiteren Flutwelle herrscht.

Flutopfer von Seuchen und neuer Flutwelle bedroht
Ein Mann in Orasje (Bosnien) versucht, seine Schweine mit einem Boot zu retten.
© dpa, Fehim Demir

"Es muss jetzt wirklich schnell gehen, denn: Die Temperaturen steigen und damit auch die Gefahr von Seuchen wie Typhus und Hepatitis", berichtet RTL-Reporterin Raschel Blufarb aus dem Katastrophengebiet. Was den Menschen große Angst mache, seien zudem "Landminen, die durch die Wassermassen einfach überall hin gespült wurden."

Vor allem betroffen sind Gebiete entlang des Flusses Save, der von Kroatien aus nach Bosnien und Serbien fließt und bei Belgrad in die Donau mündet. Tausende Menschen mussten erneut ihre Häuser verlassen, da in Belgrad und anderen serbischen Städten entlang des Flusses eine weitere Flutwelle erwartet wird.

Einsatzkräfte arbeiten vielerorts mit Hochdruck daran, die Uferbefestigungen zu verstärken. Die kroatischen Behörden bestätigten ein zweites Todesopfer. Insgesamt kamen bislang in den drei Ländern mindestens 47 Menschen ums Leben, weitere werden noch vermisst.

Kann Belgrad verteidigt werden?

Die Flutkatastrophe gilt nach Angaben der bosnischen Regierung als die schwerste seit Beginn der Aufzeichnungen. In Kroatien überschwemmte die Save mehrere Dörfer, in Bosnien-Herzegowina mussten etwa 11.000 Menschen vor den Fluten in Sicherheit gebracht werden. Etwa eine Million der 3,8 Millionen Einwohner des Landes ist Behördenangaben zufolge von den Überschwemmungen betroffen. Hunderte Erdrutsche verursachten zusätzliche Zerstörung.

In Serbien mussten etwa 10.000 Bewohner der besonders stark betroffenen Kleinstadt Obrenovac ihre Häuser verlassen. Serbische Helfer befürchten weitere Überschwemmungen, da die Flutwelle der Save in der Hauptstadt Belgrad die Donau erreicht. Dort stieg das Wasser bis auf die Höhe der Kais. Bürgermeister Sinisa Mali rechnet mit einem Anstieg der Pegel, der Höhepunkt werde wohl erst am Freitag erreicht. Zwölf Kilometer entlang der Save würden unter anderem Sandsäcke gestapelt. "Wenn das Wasser am Freitag die Stadt passiert, werden wir erst sagen können, dass wir Belgrad verteidigen konnten", sagte Mali.

Die Notfallzentrale in Smederevo, von Belgrad rund 50 Kilometer entfernt, hat angeordnet, mehrere Gebiete entlang der Donau zu evakuieren. Das betrifft vor allem rund 300 Häuser, die illegal gebaut wurden und nicht ausreichend gegen Hochwasser geschützt sind, wie der Bürgermeister Jasna Avramovic sagte. Die Gefahr von hochgespülten Minen besteht weiter. Alma Al-Osta, Expertin für Landminen bei der Organisation Handicap International, rief die Menschen zur Vorsicht auf.

Das Hilfswerk action medeor, das Hilfspakete nach Serbien auf den Weg bringen will, wies auf den Bedarf nach Medikamenten hin. "Es werden jegliche Art von Schmerzmitteln, Fiebersäften, Verbandsmaterialien, Pflaster, Mittel gegen Durchfallerkrankungen und Antibiotika benötigt", sagte Ute Hoffmann, die die Hilfen koordiniert.

Die Regierung und die Arbeitsagentur Kroatiens riefen arbeitslose Einwohner auf, sich als bezahlte Aufräum- und Wiederaufbauhelfer zu melden. Behörden sprachen von 945 Arbeitern, die benötigt würden.

Ausgelöst worden waren die Überschwemmungen von heftigem Regen: In den drei Balkan-Ländern hatte es innerhalb von drei Tagen so viel wie sonst im gesamten Monat Mai geregnet.