London nach dem Terror

RTL-Reporter Ulrich Klose: So gelassen gehen die Bürger mit der Lage um

2. Dezember 2019 - 14:29 Uhr

Mehr Polizisten und private Sicherheitsdienste

Advent, Advent ein Lichtlein brennt… EIN Lichtlein? Denkste! Was hier in London über dem Asphalt thront, ist der helle Wahnsinn. Festlicher Lichterglanz überall. Und unten? Menschen, Menschen, überall Menschen und natürlich fast in jedem Shop ein Übermensch mit weißem Rauschebart. In dem heillosen Gedränge fällt kaum auf, dass die britische Regierung nach dem Messerterror auf der London Bridge jetzt mehr Polizisten einsetzt und die Geschäfte auch zusätzlich private Sicherheitsleute engagieren. Alles, um den lieben Kunden ein Gefühl erhöhter Sicherheit zu geben. RTL-Reporter Ulrich Klose mit einer Enschätzung aus London:

An Entschlossenheit mangelt es nicht

Trotzdem: Mit fast zehn Millionen Menschen wäre die britische Hauptstadt selbst mit zehntausenden Polizisten kaum zu schützen. Dafür mangelt es bei den königlichen Untertanen nicht an Entschlossenheit. Ich treffe in der Stadt Straßensängerin Charlotte. Sie sagt: "Wir bleiben immer positiv und lassen die Terroristen nicht gewinnen." Wie die junge Frau mit dem Terror in ihrer Heimatstadt umgeht, das sehen Sie im Video.

Messer-Anschlag kein großes Thema

Die Briten sind die World Champions der Gelassenheit. Ihr Krisen-Credo stammt aus dem zweiten Weltkrieg und steht heute noch auf Souvenirtellern und bunten Touri-Tassen : "Keep calm and carry on". Also, schön ruhig bleiben, nicht dran denken und einfach weitermachen. An einer Verkaufsbude auf dem Weihnachtsmarkt am Londoner Themse-Ufer grillt Sascha aus Kiel deutsche Rostbratwürste. Seine Beobachtung: "Der Messer-Anschlag ist bei den Leuten hier kein großes Thema. Es kommen auch nicht etwa weniger zum Weihnachtsmarkt als vorher."

Brexit statt Terror

Die Briten genießen den weihnachtlichen Glanz - ohne Wenn und Aber. Ihnen zu empfehlen, wegen möglicher Nachahmer erstmal Massenveranstaltungen zu meiden, das wäre etwa so, als würde man allen Engländern verordnen, plötzlich Elfmeterschießen zu gewinnen, ab sofort mit dem Auto auf der rechten Straßenseite zu fahren und Europa zu lieben. Der Brexit ist auf den Weihnachtsmärkten kurz vor der Parlamentswahl eher ein Thema. Deutschen Budenzauber gibt es inzwischen in etwa 30 britischen Städten. Exportschlager Weihnachtsmarkt, weil die Briten uns Deutsche zwar unter den Gabentisch trinken, aber die Glühwein-Gemütlichkeit und die Rauchmännchen - Romantik nicht so hinbekommen.

Die Londonerin Joey verkauft auf dem Xmas-Market Fast Food , freut sich auf die vermutliche Abnabelung von Brüssel und ärgert sich häufig über uns Deutsche: "Manche fragen überhaupt nicht, wie wir zum Brexit stehen – die sagen gleich mit Mitleids-Miene: Uns tut das für euch so leid mit dem Brexit. Das ist so wie mit uns Briten und den Amerikanern: Wir haben oft Mitleid mit ihnen – wegen diesem Donald Trump."

Unchristliche Preise

Unterhält man sich mit deutschen Budenbetreibern, dann spürt man in diesen Tagen sofort die Unsicherheit vor der Zukunft: Was passiert nach dem Brexit? Brauchen wir dann teure Visa? Werden die Standgebühren für ausländische Händler nochmal teurer? Sollte es tatsächlich im Zuge des Brexit mit "Oh Du fröhliche" bald vorbei sein, dann planen einige deutsche Händler ihren eigenen UK-Austritt. Schon jetzt sind die Preise auf den Weihnachtsmärkten teilweise unchristlich. Die gemeine Bratwurst umgerechnet für sage und schmecke sechs Euro, aber dafür mit Gummibrötchen.

Kein spendabler Weihnachtsmann...

In den Geschäften der bekannten Londoner Shoppingzonen dagegen sind manche Weihnachtstouristen aus der Euro-Zone derzeit "very happy". Schließlich hat das von den Briten so geliebte Pfund in den vergangenen Monaten deutlich an Gewicht verloren. Aber aufgepasst! Niemand hat hier was zu verschenken. Mag der englische Geschäftsmann hinterm Counter auch noch so "friendly" sein - Er ist kein spendabler Weihnachtsmann...