RTL-Reporter Richter im Kosovo: So ist das Leben in der alten Heimat nach der Abschiebung

31. Mai 2016 - 11:02 Uhr

"Wir können nicht einmal die Schulbücher für unsere Kinder bezahlen"

Die Bundesregierung arbeitet an einem Maßnahmenpaket, um unter anderem die Zahl der Abschiebungen in Deutschland deutlich zu erhöhen. Demnach sollen abgelehnte Asylbewerber möglichst schnell und ohne Vorwarnung zurück in die Heimat gebracht werden – das betrifft vor allem Wirtschaftsflüchtlinge. Doch was erwartet die Menschen, wenn sie in ihr altes Zuhause zurückkehren? RTL-Reporter Stephan Richter begleitet Adea Halili und ihre Familie im Kosovo. Also an dem Ort, von dem sie eigentlich ganz weit weg wollten und nun wieder von vorne anfangen müssen.

Für Mutter Adea und ihre Kinder ist der Rückkehr in den Kosovo eine Tragödie: Vor wenigen Monaten ist sie mit ihrer Familie in die Heimat zurückgeschickt worden. Vor der Flucht hat sie mit ihrem Mann Besim von Deutschland geträumt. Sie verkauften ihr eigenes Haus, doch nach der Rückkehr geht es ihnen noch schlechter als zuvor. Das Haus ist weg, Adea krank und gekocht wird nur über offenem Feuer – für mehr reicht das Geld nicht. "Jetzt wohnen wir im Haus von einem Bekannten. Da müssen wir aber Ende des Monats raus. Wir haben gar nichts mehr und das schlimmste ist, das es meine Kinder sehr unglücklich macht", erklärt Vater Besim.

An vielen Dingen mangelt es der Familie im Leben: Weil sie sehr abgelegen wohnen, müssen die Kinder täglich mehr als fünf Kilometer zur Schule laufen. Und weil Besims Taxi kaputt ist, kann er momentan kein Geld verdienen. Deshalb lebt die Familie von der Hilfe von Freunden. Damit sind sie kein Einzelfall. Die meisten Menschen nördlich von Pristina wollen weg. Auch wenn die Chance in Deutschland bleiben zu können bei weniger als einem Prozent liegt.

Auch Ratko Ibraimovic aus Südserbien wurde zurückgeschickt. Jetzt lebt er mit seiner Familie in dem kleinen Dorf Vucitrn in Hütten aus Holz und Stein. "Hier hält man es nicht aus. Wir können nicht einmal die Schulbücher für unsere Kinder bezahlen", beschreibt der Mann seine aktuelle Lebenssituation.

Kosovo hat Kampagnen, damit Menschen in ihrem Land bleiben

Damit nicht so viele Menschen einen Anspruch auf Asyl in Deutschland haben, sollen die drei Balkan-Länder Albanien, das Kosovo und Montenegro als sichere Herkunftsstaaten eingestuft werden. Doch auch das Kosovarische Innenministerium appelliert geradezu an die Menschen, im Land zu bleiben. Schipe Mjekischi, die Sprecherin des Innenministeriums, warnt davor, das Land zu verlassen: "Wir haben dafür eigene Kampagnen gestartet, damit die Menschen den Kosovo nicht wegen Asyl verlassen, weil sie schlichtweg keines bekommen. Sie werden wieder abgeschoben und es geht ihnen dann noch schlechter."

Kampagnen wie diese seien wichtig, damit Familien wie die von Adea und Besim nicht ihr Eigentum verkaufen und sich umsonst große Hoffnungen auf eine Zukunft in Deutschland machen.