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RTL-Reporter Jürgen Weichert aus der Ukraine: "Rebellen bestimmen am Absturzort die Spielregeln"

RTL-Reporter Jürgen Weichert aus der Ukraine: "Rebellen bestimmen am Absturzort die Spielregeln"

"Genauere Untersuchungen müssen noch folgen"

Bei dem wahrscheinlichen Abschuss von Flug MH17 über der Ost-Ukraine war Russland offenbar nicht unmittelbar beteiligt. Zu diesem Ergebnis kommen die US-Geheimdienste nach Auswertung der bisherigen Spuren. Sie gehen davon aus, dass pro-russische Rebellen den malaysischen Passagierjet mit 298 Menschen an Bord "aus Versehen" abgeschossen haben. Inzwischen sind Särge mit den ersten Opfern der Flugzeugkatastrophe auf dem Weg in die Niederlande. RTL-Reporter Jürgen Weichert machte sich am Absturzort ein Bild der Lage.

Zug Überreste MH17
Die ersten 200 Opfer des Flugzeugabsturzes in der Ukraine wurden von den Rebellen übergeben.
REUTERS, GLEB GARANICH

Dort zeigen die russlandtreuen Rebellen, wer die Macht hat: Journalisten, die eigentlich die OSZE begleiten sollten, werden zurückgedrängt. Aber immerhin dürfen die Experten zum ersten Mal ungehindert die Wrackteile untersuchen. Auch Unfallermittler aus Malaysia sind an den drei großen Trümmerflächen, die kilometerweit entfernt sind, vor ort.

"Die Experten aus Malaysia sagen, genauere Untersuchungen müssen noch folgen. Sie gestehen auch ein, dass die Ermittlungen sehr schwierig werden angesichts der Zerstörung hier", so RTL-Reporter Jürgen Weichert vor Ort. Auch die Bergung der Leichen erweist sich als schwierig, noch immer sind knapp 100 Opfer nicht geborgen. "Aus den Sonnenblumenfeldern rings um das Wrack des Cockpits wurden Menschen geborgen, die in der Maschine vorne saßen", berichtet Weichert.

Die ersten 200 Leichen werden in die Niederlande ausgeflogen

Laut Medienberichten geht der amerikanische Geheimdienst davon aus, dass die Malaysia-Airlines-Maschine von pro-russischen Separatisten "aus Versehen" abgeschossen wurde. Die USA untersuchen jedoch weiterhin, ob es eine direkte Verbindung zu Russland gibt. Unabhängig davon trage Moskau jedoch eine Mitverantwortung, weil es die kremltreuen Rebellen mit Material und Training unterstütze und die instabile Situation in der Ukraine mitverursacht habe, so die US-Ermittler.

"Darauf, dass eine Rakete vor dem Flugzeug explodiert sein könnte, wie viele Experten vermuten, darauf deuten auch Löcher in der Außenhaut des Flugzeuges hin", beschreibt Weichert. "Sie wirken auf den ersten Blick wie Einschusslöcher und wölben sich von außen nach innen."

Im Umfeld der Ukraine-Krise werden immer wieder Sanktionen gegen Russland angedroht. Großbritannien hatte erst kürzlich Frankreich für Rüstungsexporte an Russland kritisiert, doch auch London liefert weiter Waffen. Laut Michael Brzoska, Direktor des Instituts für Friedensforschung und Sicherheitspolitik in Hamburg, hat Deutschland seit März die Waffenlieferungen an Russland gestoppt. 'Dual-use'-Güter wie elektronische GPS-System und Rohstoffe wie Stahlhärter werden aber weiterhin verkauft, da sie auch im nichtmilitärischen Bereich eingesetzt werden. Ein Waffenembargo hätte laut Brzoska wohl keine schnelle Wirkung, aber es würde ein wichtiges Zeichen setzen.

Unterdessen werden die ersten 200 Leichen nach Eindhoven geflogen. Dort sollen sie dann identifiziert werden. "Wir wollen das so gut wie möglich und so schnell wie möglich machen", sagte der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte. Wie lange die Identifizierung dauern wird, ist allerdings unklar. "Manchmal geht das schnell, aber es kann auch Wochen oder sogar Monate dauern." Allein die Niederlande hatten bei dem Absturz 193 Tote zu beklagen. Zu Ehren der Toten herrscht heute im Land Trauertag.