RTL-Reporter Emmerich in der Ukraine: "Hier deutet nichts auf eine Entspannung hin!"

20. Februar 2014 - 21:49 Uhr

Opposition spricht von sieben Todesopfern

Die Zustände erinnern immer mehr an einen Bürgerkrieg, die Situation in der Ukraine scheint außer Kontrolle. Der über Wochen friedliche Machtkampf ist in brutale Gewalt mit mehreren toten Demonstranten und Hunderten Verletzten umgeschlagen. Von offiziell drei bis, wie von der Opposition gemeldet, sieben toten Regierungsgegnern war die Rede. Oppositionspolitiker Vitali Klitschko gab dem an Russland orientierten Präsident Viktor Janukowitsch die Schuld. "Heute schießt die Regierung als Antwort auf die Forderungen der Menschen auf das eigene Volk", sagte Klitschko vor prowestlichen Anhängern in Kiew.

Erste Todesopfer in der Ukraine
Auf Kiews Straßen geht es zu wie im Bürgerkrieg.
© REUTERS, GLEB GARANICH

RTL-Reporter Dirk Emmerich ist vor Ort und berichtet via Twitter über die aktuellen Ereignisse in Kiew. "Hier deutet nichts auf eine Entspannung hin", so Emmerich. "Auf dem Maidan-Platz versammeln sich immer mehr Menschen."

Ungeachtet der Gewalt auf der Straße protestierten erneut etwa 50.000 Menschen im Zentrum der Hauptstadt, um gegen das Vorgehen der Polizei zu protestieren. Bei den Protesten auf dem Unabhängigkeitsplatz - dem Maidan - riefen die Anführer der Opposition zum Widerstand gegen Janukowitsch auf. Sie forderten ultimativ dessen Rücktritt innerhalb von 24 Stunden. "Morgen gehen wir vorwärts, wenn es eine Kugel in den Kopf gibt, dann gibt es eine Kugel in den Kopf", sagte der frühere Außenminister Arseni Jazenjuk.

Treffen zwischen Janukowitsch und Opposition ohne Ergebnis

Mehrere Oppositionspolitiker, darunter Klitschko und Jazenjuk, hatten sich zuvor über drei Stunden mit Janukowitsch getroffen, um ein Ende der Gewalt zu erreichen. Die Gespräche seien ergebnislos verlaufen, hieß es im Anschluss.

Die Opposition teilte mit, dass sie mittlerweile Informationen über sieben getötete Regierungsgegner habe. Die Zahl der Erschossenen sei von drei auf fünf gestiegen, sagte der Koordinator des medizinischen Dienstes der Regierungsgegner in Kiew, Oleg Mussi. Er sprach von mehr als 300 verletzten Regierungsgegnern bei den Zusammenstößen mit der Polizei. Zudem seien in einem Wald bei Kiew zwei Leichen mit Folterspuren gefunden worden, wie ukrainische Medien berichteten. Die Behörden äußerten sich nicht zu den Angaben. Die Regierung warf der Opposition vor, die Menschen zu Unruhen aufgewiegelt zu haben.

Ein Waffeneinsatz gegen die Opposition wäre beispiellos seit der Unabhängigkeit der früheren Sowjetrepublik 1991. Bislang galt die Ukraine stets als Beispiel für friedlichen Machtwechsel, etwa bei der demokratischen Orangenen Revolution 2004. Präsident Janukowitsch ordnete eine Untersuchung der Fälle an.