RTL-Reporter Emmerich bei den vermummten Aktivisten von Donezk: "Molotow-Cocktails stehen bereit"

9. April 2014 - 10:48 Uhr

"Seit Tagen weht die russische Fahne"

In der Ukraine-Krise verschärfen die großen Kontrahenten ihren Ton. Die USA und Großbritannien werfen Russland vor, die Unruhen im Osten der Ukraine erst angestiftet zu haben. Russland wiederum forderte die Ukraine zur Mäßigung auf. Im Osten der Ukraine gab es schwere Zusammenstöße zwischen Gegnern und Anhängern der Zentralregierung. Unser Reporter Dirk Emmerich ist im ost-ukrainischen Donezk, wo Aktivisten die Gebietsverwaltung besetzt haben und in den vergangenen Tagen sogar die 'Republik Donezk' ausriefen.

RTL-Reporter Emmerich in Donezk
Was halten die Bürger in Donezk von der eskalierenden Lage?

Emmerich geht auf Spurensuche bei den Aktivisten – steckt Russland dahinter oder sind sie wirklich unabhängig, wie viele von ihnen behaupten? "Noch immer halten pro-russische Aktivisten die Administration besetzt – seit Tagen weht hier die russische Fahne. Mit großen Lettern wird für eine Republik Donezk geworben", so Emmerich. Vor dem Gebäude: Stacheldraht, vermummte Aktivisten und Mauern aus Autoreifen. "Molotow-Cocktails stehen bereit."

Auch bei den normalen Bürgern ist die Stimmung geteilt – es gibt viel Kritik an der Regierung in Kiew, aber einen Einmarsch der Russen wollen die wenigsten.

Ukraine stellt Besetzern Ultimatum

Aber wie lange bleiben die Aktivisten noch in den Gebäuden? Die ukrainische Regierung drohte den pro-russischen Separatisten im Osten des Landes mit dem Einsatz von Gewalt, sollten Verhandlungen scheitern. Der Konflikt werde innerhalb von 48 Stunden gelöst, sagte Innenminister Arsen Awakow am Rande einer Kabinettssitzung in Kiew.

Neben der Verwaltung in Donezk halten Demonstranten in Luhansk nahe der russischen Grenze eine Zweigstelle des Inlandsgeheimdienstes SBU besetzt. Dabei erbeuteten die Oppositionellen nach eigener Darstellung auch Maschinengewehre. Sie fordern Volksabstimmungen über eine Unabhängigkeit von der Übergangsregierung in Kiew. Im Osten der Ukraine leben viele ethnische Russen, die die neue Regierung in Kiew ablehnen.

Russland bemühte sich, die Furcht im Westen vor einem Militäreinsatz in der Ukraine zu zerstreuen. "Die USA und die Ukraine haben keinen Grund zur Sorge", erklärte das Außenministerium. Es gebe an der Grenze zum Nachbarland keine ungewöhnliche Aktionen, die von militärischer Bedeutung seien. US-Außenminister John Kerry hatte erklärt, Russland könnte einen Militäreinsatz wie auf der Krim im März vorbereiten.