RTL-Reporter Dirk Emmerich kommentiert die Ukraine-Krise: "Putin hat gewonnen"

10. Mai 2015 - 18:15 Uhr

Kiew steht vor einer Niederlage

Putin hat gewonnen. Was immer man heute Abend aus dem Kreml hören wird.

Der Preis für einen möglichen Waffenstillstand ist hoch. Nach der russischen Annexion der Krim vor einem Jahr spaltet sich nun auch die Ost-Ukraine endgültig ab. Jedenfalls sieht es so aus.

In den letzten Tagen haben die Separatisten mit massiver russischer Unterstützung an Technik und Personal weitere Geländegewinne erzielt. In Debalzewo haben sie tausende ukrainische Soldaten eingeschlossen. Kiew steht vor einer Niederlage, im Belagerungskessel droht eine humanitäre Katastrophe. Merkel und Hollande dürften dem ukrainischen Präsidenten Poroschenko gestern klargemacht haben, dass jede weitere Gegenwehr zu einer verheerenden Eskalation führen wird, die ganz Europa in den Strudel eines Krieges reißen kann.

Auf dem Papier wird wohl vereinbart, dass die selbsternannten Volksrepubliken Donezk und Lugansk mit großen Autonomie-Rechten formal Bestandteil der Ukraine bleiben, de facto brechen sie jedoch weg. Die Ukraine als Staat, wie er bis zum März 2014 Bestand hatte, wird es jedoch nicht mehr geben. Putin hat sich durchgesetzt. Genau das war eines seiner zentralen Ziele nach dem Sturz von Janukowitsch im Februar 2014.

Merkel und Hollande - allerletzter Versuch

Sollte heute in Moskau eine Waffenruhe paraphiert und die Gebietsgewinne der Separatisten festgeschrieben werden, bedeutet das jedoch längst nicht automatisch Frieden für die Region. Putin hat im letzten Jahr alle Vereinbarungen gebrochen und Gespräche hintertrieben. Auch nach dem Treffen in der Normandie im Juni und der Waffenruhe vom September gab es Hoffnungen, dass der Konflikt beendet werden kann. Das Gegenteil ist eingetreten. Aus dem Konflikt ist längst ein Krieg geworden.

Merkel und Hollande unternehmen einen allerletzten Versuch, um zu verhindern, dass dieser Krieg die regionalen Grenzen sprengt. Dafür wird die territoriale Integrität der Ukraine und das Prinzip der Unverletzlichkeit der Grenzen geopfert. Und es gibt nicht einmal eine Garantie, dass das alles gut geht.