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RTL-Reporter Dirk Emmerich berichtet aus der Ukraine: "Nicht irgendein Konflikt, es ist Krieg"

RTL-Reporter Dirk Emmerich berichtet aus der Ukraine: "Nicht irgendein Konflikt, es ist Krieg"

Immer mehr Menschen fliehen

Die USA wollen zwar vorerst doch keine Waffen an die Ukraine liefern, wie der Sicherheitsberater von Präsident Barack Obama sagte, doch auch mit dem, was an Kriegsmaterialien vor Ort verfügbar ist, eskaliert die Lage. In den vergangenen Tagen haben die Kämpfe zwischen Regierungstruppen und pro-russischen Separatisten heftig zugenommen. Auch Dutzende Zivilisten starben dabei. Und es werden laut UN immer mehr. Seit April des vergangenen Jahres sind nach Angaben des Menschenrechtskommissars rund 5.360 Menschen ums Leben gekommen. Bundesaußenminister Steinmeier hatte die USA vor Waffenlieferungen gewarnt und sich für eine diplomatische Lösung ausgesprochen.

Ukraine: "Nicht irgendein Konflikt, es ist Krieg"
Leben in Donezk: Es herrscht Krieg
REUTERS, MAXIM SHEMETOV

Zurzeit befindet sich RTL-Reporter Dirk Emmerich wieder in der Ukraine und berichtet, dass sich die Fronten weiter verhärtet haben, keine Spur von Entspannung und kein Ansatz einer praktischen diplomatischen Lösung. An fast allen Frontabschnitten wird wieder heftig gekämpft. Stellungen der Separatisten feuern fast im Sekundentakt, die ukrainische Armee feuert zurück.

Oft genug landen die Granaten mitten in Wohngebieten. Auch die Stadt Debaltseve, bei Rostov am Don steht jetzt unter Beschuss. Ein Mann berichtet: "Wir haben hier keinen Strom mehr, keine Kohle oder Zentralheizung mehr in der Stadt. Die Geschäfte sind alle geschlossen." Viele Menschen in Debaltseve sind in ihre Keller gezogen und hoffen dort sicher zu sein, tausende andere Einwohner sind jedoch aus dem Kampfgebiet geflohen. Wer nicht zu Verwandten konnte, landete in einem Ferienheim des ukrainischen Staates in Svyatohirsk. Es sind meist Frauen und Kinder, fast alle schwer traumatisiert.

"Ich weiß nicht,was passiert ist, aber plötzlich lag ich in einem Loch"

Der sechsjährige Sergej berichtet über Erlebnisse, die jedem Menschen – erst recht in seinem Alter – erspart bleiben sollten: "Eine Rakete ist ganz in der Nähe explodiert, ich weiß nicht was passiert ist aber plötzlich lag ich in einem Loch."

"Wir sind jetzt vier Tage hier und gewöhnen uns an die Ruhe. Aber wir schrecken zusammen, wenn eine Tür knallt oder es irgendwo pfeift", berichtet eine junge Frau. Inzwischen sind es Hunderttausende, die aus den Kampfgebieten in der Ostukraine geflohen sind. es werden wohl noch mehr, da die Kämpfe heftiger werden und weitere Gebiete betroffen sind.